Erfahrungsberichte Volunteer Indien

Es ist eine wirklich unglaubliche Erfahrung
[ Volunteer Programm im Waisenhaus „Home of Blessings“ in Andhra Pradesh ]

23. Oktober

Home of Blessings

In einem Land, in dem die Kultur und alles ganz anders ist, wird einem erst klar, wie sehr man eigentlich an seine Werte gebunden ist und dies einem selbst vorher gar nicht so aufgefallen ist.

Die erste Woche war sehr schwer für mich. Ich hatte eigentlich keine großen Schwierigkeiten mit den Lebensverhältnissen oder -bedingungen wie z B. dass es hier keine richtigen Duschen gibt, die Toiletten anders sind und es hier sehr laut ist. Es war schwierig für mich, die Mentalität hier kennenzulernen und wie ich damit umgehen soll. Der Unterricht ist hier zum Beispiel sehr anders. In Indien ist es nicht so strukturiert und ich habe richtig gemerkt, wie sehr ich an Regeln und Abläufe gewöhnt bin. Inzwischen weiß ich, wie ich damit umgehen soll und ich habe einen Weg für mich gefunden mich einzubringen, so dass ich den Kindern im Waisenheim, in dem ich arbeite, etwas beibringen kann, ohne ihr Konzept durcheinander zu bringen.
Am Donnerstag gehen wir mit allen Kindern vom Waisenhaus zum Strand! Das wird richtig witzig, ich freu mich schon :D

Nach zwei Wochen kann ich sagen, dass ich hier angekommen bin. Mir geht es sehr gut und ich bin jeden Tag gespannt, was ich so Neues erlebe. Es hat sich eigentlich nicht viel verändert, aber wahrscheinlich habe ich mich schon ein wenig verändert.
 
24. Oktober

Unterwegs

Das Waisenhaus und auch die Heimleiter sind sehr christlich, das heißt wir gehen fast jeden Sonntag in die Kirche. Ich bin eigentlich kein Kirchengänger, aber ich war sehr gespannt wie hier so ein Gottesdienst wohl aussieht. Die Kirche beginnt um 9 Uhr, das heißt aber nicht, dass man pünktlich dort sein muss. :D Die meisten Leute kommen auch später und setzten sich dann dazu. In der Kirche wird auch geredet und es kann manchmal passieren, dass man sieht, wie jemand telefoniert. Ich denke schon, dass den Indern der Glaube sehr wichtig ist, aber dass es in der Kirche eben nicht so streng und ernst ist wie bei uns. Und das gefällt mir eigentlich ganz gut.

Morgen gehe ich einen Sari einkaufen. :) Da ich auf eine INDISCHE HOCHZEIT eingeladen bin! Ich freu mich so sehr darauf, das wird bestimmt einfach nur Hammer! Hier in Indien sind die Frauen echt genauso angezogen wie man es aus den Bollywoodfilmen kennt, alle laufen in wunderschönen Saris rum. Es sieht so schön bunt aus, dass man am liebsten die ganze Zeit Fotos machen würde.

Auch die Gegend ist unglaublich! Hier gibt es echt alle Tiere, in den Wäldern gibt es sogar Elefanten! Man kann es sich nicht vorstellen - überall Palmen, Woll- und Zuckerplantagen und Berge...

Die Straßen sind hier so voll! Es wird andauernd gehupt und man fragt sich, ob es hier eigentlich irgendwelche Verkehrsregeln gibt. Aber zu meinem Erstaunen habe ich bis jetzt noch keinen Unfall gesehen und auch wenn es manchmal ein bisschen knapp wird, hat eigentlich schon alles seine Strukturen, z. B. bedeutet das Hupen eigentlich nur, dass man gerade überholt oder abbiegen möchte.  Hier fährt auch keiner mit einem Helm oder schnallt sich an. Mittlerweile ist das für mich schon normal, aber anfangs war das ein wenig schockierend. Es kann auch schon mal passieren, dass man hier eine ganze Familie auf einen Motorrad sieht. Das ist echt erstaunlich, wie viele Menschen auf so ein Motorrad passen - oder in ein Auto. Ich habe gehört, dass in eine Rikscha bis zu 20 Personen passen!

16. November

Sister, Sister!


Ein oder zwei Mal pro Woche gehe ich hier auf den Markt. Da ist es so eng, dass man kaum voran kommt. Alles und jeder drängt sich zwischen die Gassen: Kühe, Schweine, Autos, Rikschas, Fußgänger und mitten drin wir mit unseren Fahrrädern. Ohne Klingel bzw. Hupe bist du hier echt verloren!

Die häufigsten Sätze, die ich hier in Indien zu hören bekommt, sind:
 - No, Sister, NOOOO!
 - Good morning sister, how are you? FINE!
 - SUPER dress!
- Slow! Slow! oder Fast! Fast!

Im Waisenhaus angekommen, rennen gleich alle Kinder auf einen zu und begrüßen dich mit einem breiten Lächeln: „Good morning, Sister! How are you?” Ohne vorher wirklich antworten zu können, beantworten die Kinder meist selbst ihre Frage und sagen: „FINE!“ :D Das ist schon sehr witzig.
Hier im Waisenheim wird wirklich jeder total herzlich aufgenommen. Die Kinder geben einem sofort das Gefühl dazu zu gehören. Einmal habe ich ein Kind gefragt, ob es noch Geschwister hätte und dann hat es geantwortet, dass alle Kinder seine Sisters and Brothers sind. :)

Vor ein paar Tagen habe ich einen 9-jährigen Jungen gefragt, was er sich denn zu Weihnachten wünschen würde, was sein größter Traum sei. Ich glaube, er hat gar nicht gewusst, was ich meine. Er sah mich an und sagte, er wünsche sich nur einen besten Freund... Es zerbrach mir das Herz einen so dünnen, kleinen Jungen vor mir zu sehen, der sich nichts anderes wünscht als einfach nur jemanden, der immer für ihn da ist. Seit dem Tag an sind wir beste Freunde.

Ich wünschte, man könnte den Kindern so viel mehr geben. Wenn man sie mit ihren Namen anspricht oder einfach mal so umarmt, tut ihnen das so gut. Sie freuen sich so sehr, wenn man sie lobt oder ihnen einfach nur beim Spielen zuschaut. Sie wollen einfach nur gesehen und geliebt werden...

Viele Grüße,

Jenny

 

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