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Erfahrungsbericht von Jana

[ Jahres-Programm ab Sommer 2001 ]

Dieser Bericht wurde zuerst als Infomail an Interessierte verfasst und ist deshalb in einer für einen Erlebnisbericht seltsamen Form geschrieben. Trotzdem vermittelt er hoffentlich das Flair der englischen Kleinstadt Boston und gibt genug Infos für eventuell interessierte Menschen. Bei weiteren Fragen helfe ich wirklich gern. Meine E-Mailadresse lautet: Witt_Jana@web.de

Stadtführung durch Boston

Wenn man sagt man war in Boston, denken alle immer gleich, man sei in den USA gewesen, denn Boston in England kennt eigentlich niemand. Naja, es ist ja auch eher eine Kleinstadt. Boston hat circa 50 000 Einwohner oder sogar mehr, vielleicht sogar 60 000. Eigentlich ist Boston auch nicht schlecht. Du kannst dort immer alles kaufen was du brauchst. Erstmal werden dir alle sagen, du musst deine Lebensmittel im ASDA kaufen. ASDA, nur mal so nebenbei, ist ein ziemlich großer Supermarkt in der Innenstadt. Dort gibt's fast alles, zu eigentlich ganz akzeptablen Preisen (akzeptabel muss man natürlich immer in Relation zu den englischen Normalpreisen sehen, die immer recht teuer ausfallen). Kleine Anmerkung am Rande: Es gibt sogar deutsche Produkte, aus der Bundesrepublik importiert! Das wirst du dann aber sicher noch schätzen lernen. Englische Sachen sind meist sehr süß, aber mit der Zeit gewöhnt man sich auch daran.

Ansonsten gibt es in Bostons Innenstadt noch einige andere Läden, wo man Bücher, Schreibzeug, Hefte, Klamotten, Karten und all sowas kaufen kann. Für richtiges, ausgiebiges Shoppen lohnt es sich aber nicht wirklich. Aus Spaß kann man mal mit Freunden durch Boston ziehen, aber berauschend ist es nicht. Zum großen Einkaufen fährt man da doch lieber nach Lincoln oder Notthingham, da gibt's auch gute Bus- und Bahnverbindungen, die Tickets dafür gibt's im Reisebüro (die Angestellten dort sind übrigens auch an Ausländer gewöhnt und es ist kein Problem mit ihnen zu kommunizieren). Nach London lohnt es sich eigentlich nicht nur einen Tag zu fahren, da es bedeutet drei Stunden in einem Bus zu sitzen. Dann doch lieber per Internet (zur Internetanbindung komme ich später noch) eine Jugendherberge buchen und gleich drei Tage in den Ferien dahin fahren. Cafes oder Eisdielen sind in ganz England übrigens unbekannt, das einzige was es auch in Boston zu Hauf gibt sind also die englischen Pubs. Da steht zwar immer dran, dass man erst ab 18 rein darf, aber in England gelten sowieso alle Deutschen dem Aussehen nach als 19 oder so, deshalb ist das kein Problem. In den Pubs gibt's alles, von Alkohol bis heißer Schokolade. Der billigste in Boston ist 'The Weatherspoon', da gehen eigentlich alle hin, aber das wirst du auch erleben. Der Nachteil bei den Pubs, sie machen immer schon um 11 rum zu, das ist Gesetz in England. Allerdings gibt's eine Ausnahme, das ist das Axe (keine Ahnung ob das e hinten so richtig ist), da gehen alle Schüler und auch andere Leute hin. Dort gibt's Lifemusik und sonst ist es auch ganz nett. Das hat immer ziemlich lange auf. Clubs gibt's in Boston nicht so viele, in die meisten kommt man eh erst rein wenn man 21 ist, denn erst ab diesem Alter darf man harten Alkohol trinken. Naja, alles halb so wild. Da gibt's schließlich noch das Bentlies (weiß auch nicht ob ich das richtig geschrieben habe), da kommt man immer rein. Das kann man dann ja eh alles selbst austesten, wenn man da ist. Es gibt sogar ein relativ großes Kino in Boston, dass auch die aktuellen Filme zeigt, es heißt "West End Cinema", was es vom Namen her größer macht als es ist.

Zweimal die Woche ist Markt, einmal Mittwochs und einmal Samstags, den Mittwochs verpasst man aber meist, da man zu der Zeit noch Schule hat (zur Schule später).

Die Hall of Residence

Jetzt erstmal zur brennendsten Frage: Die Hall of Residence. Ich persönlich habe in einer Gastfamilie gelebt, da ich denke dass man die englische Kultur und Lebensweise (die übrigens ziemlich europäisch ist) so am besten sehen kann. Natürlich kann ich trotzdem etwas über die Hall of Residence, die kurz übrigens Halls heißen, sagen. Du stellst dir vielleicht sowas wie eine Jugendherberge vor, in der um 10 Nachtruhe ist und so, aber das ist gar nicht der Fall. Man ist völlig frei und kann tun und lassen was man will. Die Hall besteht aus mehreren Häusern, die irgendwie mit den Mauern aneinander grenzen. Die Häuser haben zum Teil vier oder auch nur zwei Stockwerke. Auf jedem Stockwerk gibt's eine Flat. Die Häuser haben Namen wie 'Carvers house', du wohnst dann im Zweiten Stockwerk beispielsweise dieses Hauses. Die Adresse wäre dann 'Carver house Flat 2'. Tolles System, oder? Jetzt kommt es noch drauf an, ob du Selbstverpfleger bist oder nicht. Die Wohnungen sind nach diesen Kriterien unterteilt. In den Selbstverpfleger-Wohnungen wohnen insgesamt zehn Leute. Es gibt eine große Küche, zwei Toiletten und noch ein 'Bad' mit Dusche und Toilette. In der Küche kriegt jeder ein Fach im Kühlschrank und einen Platz im Regal. Ach ja und in den Selbstverpflegerküchen gibt's einen Tisch! Das ist erwähnenswert, da es in den Wohnungen der Leute, die "mit Verpflegung" genommen haben nur eine echt winzige Küche gibt, in der nicht mal ein Tisch steht. In den Wohnungen der Leute, die verpflegt werden, wohnen nur sechs Personen. Es gibt auch nur eine Toilette und noch eine Dusche mit Klo. Es kann sein, dass sich in dem Jahr in dem du hin willst zu viele entscheiden als Selbstverpfleger zu leben und du in einer der kleinen Wohnungen landest. Allgemein kann ich aber sagen, dass es besser ist Selbstverpflegung zu wählen, da es in der Schulkantine sowieso kein Frühstück gibt und man als 'Verpflegter' nur einen Haufen Klebemarken bekommt mit denen man sein Kantinenessen bezahlt. Das ist genauso, wie wenn du es mit barem Geld bezahlst, nur dass du die Marken nur in der Kantine benutzen kannst und dir für das Geld noch was anderes kaufen könntest.

Die Zimmer in den Halls sind eigentlich ganz okay. Es gibt in jedem Zimmer ein Bett, einen Schrank, ein kleines Regal, einen Schreibtisch und ein Waschbecken mit Spiegel. Theoretisch sollte auch zweimal die Woche die Putzfrau kommen, was aber meist nicht passiert. Die Leute, die in den Halls leben sind völlig frei, sie können tun und lassen was sie wollen, was in einer Gastfamilie natürlich nicht so ist. Ich musste beispielsweise immer um elf zu hause sein. In den Halls muss man das nicht. Man kann kommen und gehen wann man will. Es gibt einen Security-Officer, der aufpassen soll, dass keine Diebe oder so in die Halls kommen, da die Türen meist offen stehen. (Ach ja, jede Flat hat seine eigene Haustür). Dann gibt's noch einen 'Warden' der auch bei den Halls wohnt und sowas wie ein Hausmeister ist. Er heißt Nick und ist noch ziemlich jung. Der soll eigentlich die kaputten Sachen reparieren, aber du solltest dich schon gleich daran gewöhnen, dass du grundsätzlich alles dreimal sagen musst ehe etwas passiert. Kaputte Birnen, nicht schließbare Fenster etc. ... dafür ist Nick verantwortlich. Aber hey, immer schön locker bleiben!

Neben den ganzen Wohnungen in den Halls gibt's auch einen Common-room, in den alle rein dürfen. Da gibt's sogar einen Fernseher, aber der Raum ist ziemlich oft zu, da es keine genauen Öffnungszeiten gibt. In den Halls leben alle Sorten von Leuten, also natürlich sind alle Schüler des Boston College. Der Hauptanteil ist chinesisch (es gibt hunderte von Chinesen in Boston), aber als ich dort war, waren auch noch Deutsche, ein paar Engländer, Griechen und Schweizer da. Die Zusammensetzung ändert sich von Jahr zu Jahr. Es gibt auch Russen, Franzosen und Italiener, kommt halt drauf an in welchem Jahr man dort ist.

Für alle Bewohner der Halls und auch für die Leute bei den Gastfamilien ist eine sehr nette (rundliche) Dame namens Sue Hill verantwortlich. Zu ihr kann man wirklich mit allem kommen und sie versucht immer nach Kräften zu helfen. Auch Beschwerden über zu laute Mitbewohner und so kommen alle zu ihr (die Wände in den Halls sind ziemlich dünn). Sie ist die Erste, der du begegnest, und sie übergibt die Schlüssel zu deinem Zimmer, solltest du in den Halls leben.

Alternative: Gastfamilie

Wohnst du in einer Gastfamilie, wirst du erstmal dahin gebracht und oftmals besucht dich Sue am Tag nach deiner Ankunft in der Gastfamilie. Und gleich wenn du ankommst ist auch bereits ein Brief für dich da, der dir weitere Instruktionen für die nächsten Tage gibt. Dieser enthält beispielsweise einen Stadtplan, eine Einladung zum Grillen und einige andere Termine, damit du weißt, wann du wo hin musst.

Zum Boston College:

Das College ist in zwei Teile (Campusse) geteilt. Den Rochford campus und den De Montford campus. Wo man am meisten (oder nur) Unterricht hat entscheidet sich über die Fächer, die man wählt. Die Halls liegen direkt neben dem Rochford campus. Dort werden hauptsächlich die naturwissenschaftlichen Fächer unterrichtet, wie Biologie, Chemie und Physik. Mathe hingegen wird auf dem De Montford campus unterrichtet. Ganz am Anfang bekommst du eine Einladung zu einem Einstufungstest in Englisch, die ist auch in dem Brief.. Bei mir fand dieser gleich zwei Tage nachdem ich angekommen war statt. Per Brief kriegst du die Zeit und den Ort und so weiter mitgeteilt. Der Test dauert nicht lange und ist eigentlich nicht besonders schwer, aber er entscheidet in welche EFL (English as a foreign language) Klasse du kommst und das wiederum entscheidet auf welchem Level du den Englisch-Test am Ende des Jahres machen wirst. Je höher und natürlich besser dieser Test ausfällt desto mehr Chancen hast du damit eine Uni zu beeindrucken. Es gibt das First Certificate (FCE) und das IELTS. Das FCE ist nicht so hoch wie das IELTS, aber auch sehr gut.

Bei der Einladung zum Englischeinstufungstest ist auch eine Einladung zum Grillen mit allen international students für dein Jahr (so war es zumindest bei mir). Da gibt's dann einen Vortrag über alle Verhaltensmaßregeln und sowas und dir wird gesagt wann du wohin musst, um den richtigen Unterricht an der Schule zu starten. Jeder neue 'Ausländer' wird auch vor die Wahl gestellt, ob er an einem Ausflug nach Nottingham oder Cambridge teilnehmen will. Der Ausflug ist umsonst am nächsten Wochenende und du musst nur zwischen den beiden Städten wählen. Ich würde immer wieder Cambridge wählen, da Nottingham sowieso so dicht an Boston dran ist und man immer wieder dorthin kommt. Cambridge dagegen ist weiter weg und echt voll schön.

Die Schule

Wenn die Schule in England dann beginnt, versammeln sich alle Schüler (auch die Engländer) in der großen Halle im De-Montford-campus. Die AS-international-students, zu denen du dann gehören wirst, werden dann aufgerufen und in Tutorial-groups aufgeteilt. Ungefähr 15-20 Leute in einer solchen Gruppe. Ihr bekommt dann einen Lehrer als Tutor zugesprochen, an den du dich dann wenden musst, wenn du beispielsweise krank bist oder so. Ihr kommt dann in den Raum eures Tutor, denn in England haben nicht die Klassen einen Raum sondern die Lehrer und werdet da über die Schulordnung und sowas aufgeklärt. Dann bekommt jeder eine Liste und du musst deinen ganz individuellen Stundenplan aufstellen. Es dauert ein bisschen bis du das System verstanden hast, aber das wird schon, keine Sorge. Alle anderen in der Gruppe wissen genauso wenig was zu tun ist wie du. Bei uns war das erstmal ein Riesenchaos. An diesem Tag hat man dann keine Schule und kann, wenn der Tutor fertig ist, nach Hause gehen. Am nächsten Tag fängt dann die Schule an.

In England dauert eine Schulstunde 90 Minuten, also wie eine Doppelstunde in Deutschland. Die Schule fängt um 9:00 Uhr an und wenn man volles Programm hat, also vier Stunden (das ist die Höchstzahl) an einem Tag, ist man um 16:30 fertig. Von 12:15 bis 13:15 ist Mittagspause, da kann man dann in die Kantine gehen (es gibt auf beiden Campussen eine) oder an die Computer. Das Essen in der Kantine ist eigentlich relativ gut, meist gibt's verschiedene Aufläufe, oder Kisch oder so, aber man hat immer genügend Auswahl. Pommes zum Beispiel gibt es immer (man merke sich, dass Pommes im Englischen Chips heißen!!!) Zwischen den Stunden gibt's normalerweise 15 Minuten Pause, damit die Leute, die den Campus wechseln müssen, dies tun können, denn das dauert mindestens zehn Minuten. Wie viele Fächer man an einem Tag hat, hängt auch davon ab wie viele man überhaupt hat. Drei sind die Mindestanzahl, nicht eingeschlossen die zwei Stunden EFL, die jeder international student machen muss. Ich habe das Pensum voll ausgeschöpft, was im Endeffekt sehr anstrengend war. Nur mal als Beispiel: Ich hatte die Fächer Biologie, Französisch, Englische Literatur, Mathe, Geschichte und EFL. Mein Wochenplan sah wie folgt aus:

 MoDiMiDoFr
9:00GeschichteFranzösischMatheEFLEnglische Literatur
10:45BiologieTutorialEnglische LiteraturBioMathe
13:15EFLGeschichteFranzösischGeschichteBiologie
15:00MatheEnglische LiteraturFranzösisch

Jedes Fach hat man dreimal die Woche und es gibt eine Stunde in der dringende Angelegenheiten mit dem Tutor besprochen werden, die heißt Tutorial.

Von deinem Tutor erfährst du auch deine E-Mail Adresse am Boston College und einen Log-in-code, mit dem du dich in den Computer einloggen kannst, damit kein anderer deine E-Mails liest. Auf jedem Campus gibt es eine Bibliothek, in der man alle Bücher, die man so braucht, ausleihen kann. In den Bibliotheken gibt's auch die Computer. Alle haben Internetanschluss und du kannst sie jederzeit benutzen, wenn nicht gerade alle besetzt sind. Die Bibliothek im Rochfordcampus ist bis 8 oder 9 Uhr abends geöffnet, die im de-Montford-Campus nicht so lange. Man bekommt auch einen Büchereiausweis, damit man sich alle Bücher ausleihen kann.

An der Rezeption kann man sich übrigens auch Schwimmtickets für das nebenan liegende Hallenbad holen, in das man als College Schüler umsonst rein darf.

Der Unterricht

Zum Unterrichtsstoff kann ich sagen, dass es eigentlich um Einiges schwieriger ist als in Deutschland. Da man nur so wenige Fächer hat, werden diese natürlich besonders intensiv unterrichtet. Allerdings gibt es (zumindest für alle schweigsamen) einen großen Vorteil: es gibt keine mündlichen Noten! Auch alle Tests, die in dem Jahr geschrieben werden, fließen nicht in die Note ein. Am Ende zählen nur die Examensergebnisse. In jedem Fach werden mehrere Examen geschrieben (bis zu drei Stück). Im Mai hört die Schule auf und danach hat man dann frei und muss nur noch zu den Examensdaten hin. Ausländer dürfen ein Lexikon benutzen und haben mehr Zeit, wenn sie diese vorher im 'international Office' im Rochford campus beantragen. Darüber wird man aber vor Ort aufgeklärt. Per Post werden die Daten und Räume und Uhrzeiten der Examen zu dir nach Hause (also dein Zuhause in England) gesendet. Dann weißt du genau Bescheid. In den 6-7 Wochen, in denen nur noch Examen geschrieben werden, hat man zwar schulfrei, aber faul sein kann man trotzdem nicht, wenn man gut abschneiden will, da die Examen sehr hart sind. Sie dauern auch unterschiedlich lange und werden sehr streng kontrolliert. Um überhaupt mitschreiben zu dürfen, muss man immer seinen Pass mitnehmen, ansonsten wird man gar nicht in den Examensraum gelassen und auch Taschen sind nicht erlaubt.

Aber das wirst du ja vielleicht alles selbst erleben, Angst muss man trotzdem nicht haben, es gibt immer genug Leidensgenossen mit denen man sich über die Strapazen auslassen kann.

Nochmal ganz kurz zu den Noten, in England gibt's ja bekanntlich Buchstaben: A, B, C, D, E und F. Bis E sind es die sogenannten passgrades, damit hat man den Kurs bestanden, ein F bedeutet, dass man durchgefallen ist. Ein A ist aber nicht so schwer zu erreichen wie in Deutschland eine 1, denn As gibt's schon ab 80% in manchen Fächern.

Persönliche Eindrücke

Soweit die Fakten über Boston, das College und die Halls. Jetzt nochmal kurz zu mir und den kleinen besonderen Dingen, die dieses Jahr für mich wirklich unvergesslich gemacht haben. Ich weiß ja selbst, wie es ist, so allein in ein halbwegs fremdes Land zu gehen, und meine größte Sorge am Anfang war, dass mich kein Mensch am Flughafen abholt und ich dann da ganz alleine sitze. Aber natürlich war aller Angstschweiß umsonst, denn als ich vom Gepäckband kam und die große Flughafenhalle betrat, mit diesem furchtbaren Gefühl im Magen, stand da ein Mann mit einem großen Pappschild in der Hand. Er stand nun wirklich mitten im Weg, so dass man ihn auf gar keinen Fall hätte übersehen können. Tja, und damit hatte sich meine erste große Angst in Luft aufgelöst.

In den nächsten Tagen ging alles so schnell, was sicherlich auch als positiv verzeichnet werden kann, denn ich hatte gar keine Zeit Heimweh zu haben. Meine Gasteltern waren sehr sehr nett und ich hatte ja auch fast sofort meinen Englischeinstufungstest. Auf dem Weg zum College, also eher auf der Suche nach dem College, wo dieser Test stattfinden sollte, habe ich mich dann erstmal verlaufen, was natürlich nicht so praktisch war. Im Endeffekt bin ich zu spät zum Test gekommen, aber das machte gar nichts. Das wird nämlich (im Gegensatz zu deutschen Schulen) in England nicht so streng genommen. An diesem Tag habe ich auch zum ersten Mal die anderen Deutschen getroffen, die bereits angekommen waren. Es lief von Anfang an ganz gut zwischen uns, da wir ja alle in der selben Situation steckten.

Eine Woche später fing die Schule an und der Alltag pendelte sich ein. Unter den Deutschen und anderen Austauschschülern aus Frankreich, der Schweiz, Afrika, Griechenland und sogar aus China entstanden Freundschaften. Was allerdings sicherlich für einige Menschen negativ klingen mag war, dass der Kontakt zwischen Ausländern und Engländern oft nicht so intensiv war. Aber es gibt immer Ausnahmen. Insgesamt kann man nur sagen, dass die International Students nicht so viel mit Engländern als mit anderen internationals verkehren, was sicher auch mit der Abkapselung durch die Halls zu tun hat. Aber immerhin in Clubs und Pubs trifft man so manchen englischen Bekannten.

Alles in allem war mein Jahr in England mit die schönste Zeit in meinem Leben und ganz sicher soll das nicht überheblich klingen, aber ich habe viel dazugelernt und bin selbstsicherer geworden. Also, wenn man eine Chance bekommt ein Auslandjahr zu machen, sollte man diese immer nutzen.

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