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Jetzt ist er fertig: Mein Zwischenbericht vom Warwickshire College

[ Jahres-Programm am Warwickshire College ab Sommer 2006 ]

Entschieden für ein Auslandsjahr habe ich mich, ehrlich gesagt, ziemlich spät, im April 2006. Im Mai war der Vertrag zu Stande gekommen, im Juni war das Vorbereitungstreffen in Hannover und im September sollte das Schuljahr in England beginnen. Für mich war es zum Schluss eine schwierige Entscheidung, weil ich in der 12. Klasse ins Ausland gehe, wodurch ich ein Jahr "wiederholen" muss. Da ich aber die 8. Klasse übersprungen habe (Schulversuch meiner Schule), beeinflusste das an sich meine Schullaufbahn nicht. Nur der Fakt, dass ich nicht Abitur mit meinen Freunden in Berlin machen kann, sondern bei ihnen "Zuschauer" bin, stimmt mich etwa traurig. Dafür habe ich hier die Chance, ein Jahr in England zu verbringen und das stimmt jedermann fröhlich, oder?

Im Mai kam eine Frau aus Berlin bei mir zu Hause vorbei und führte im Rahmen der Bewerbung bei KulturLife und am Warwickshire College ein Gespräch durch. Es gab ein normales Gespräch über verschiedene Dinge, über Problemlösungen und zum Schluss einen Englischtest vom College, den ich relativ einfach fand. Andere fanden das nicht so.

Als dann vom Warwickshire College (ab jetzt nur noch "warkscol" genannt) die Zusage kam, war ich auf jeden Fall happy. Im Juni kam das Vorbereitungstreffen in Hannover mit all den anderen Leuten, die mit KulturLife ins Ausland gehen. Aber es fanden getrennte Veranstaltungen nach Ländern statt. So saß ich in dem Raum mit noch etwa 20 anderen Jugendlichen und lauschte, was es alles so noch zu wissen gebe. Das einzige Problem war damals nur, dass die meisten ans Boston College in Ostengland gehen und nur 4 der anwesenden überhaupt nach Leamington gehen. Außerdem waren wir die ersten, die mit KulturLife dahin fahren, somit wussten wir im Endeffekt alles über das Boston College, aber eher weniger Details über das warkscol. Aber das meisten ging eh um Gastfamilie, englische Kultur und generelle Alltagsprobleme im Ausland. So fand man Kontakt mit den anderen Schülern, die ans warkscol gehen würden (von denen, die da waren), Sarah, Lea, Celeste und Philipp. Von diesen fünf sind jetzt allerdings nur noch drei übrig geblieben, weil Lea an ein College in Irland gegangen ist und Philipp leider wieder nach Hause geflogen ist. Dazu noch Kristin, die jedoch nicht in Hannover war. Somit sind wir jetzt noch 4 Deutsche am warkscol.

Alle, bis auf mich waren auch in der Summer School. Das ist ein Extrakurs vom Warkscol in den Sommerferien, in denen man spezielle Englischkurse hatte, um da besser hineinzukommen. Ich habe dagegen noch meine letzten Wochen in Deutschland in den Sommerferien genossen :).

Kurz vorher

In Berlin fing die Schule Mitte August wieder an und ich ging noch ab und zu hin, wenn mich ein paar Kurse interessierten. Ansonsten war ich noch mit Verabschiedungen und Vorbereitungen beschäftigt. Wobei das Packen bei mir auch gerade mal zwei Tage dauerte (bin auch ein Junge :P).

In der Woche vor dem Abflug (ich flog Samstag) hatte ich noch zwei Abschiedsfeiern: Eine mit Familie und Familienfreunden und eine kleine Party mit Freunden, die ziemlich lange in die Nacht ging, weil am nächsten Tag kaum Schule war. Es kamen ziemlich viele, auch welche, die ich schon ewig schon nicht mehr gesehen habe.

Ich hatte dann letztendlich zwei Reisetaschen, eine kleinere Handtasche mit meinem Laptop und einem Stapel Noten. Die beiden Reisetaschen wogen knapp 27 kilo, also 5 mehr als erlaubt. Ich hatte noch zur Sicherheit meine Wintersachen ganz nach oben in eine Tüte gepackt, damit mein Vater sie notfalls noch schnell rausnehmen konnte, da jedes Kilo bei British Airways 10 € mehr kostet. Allerdings war die Maschine von Berlin-Tegel nach Birminham sehr klein und hatte nur wenige Passagiere, deshalb haben sie nicht mit der Wimper gezuckt. Nur beim Rückflug wird es schwieriger!

Flug

Dann kam die Verabschiedung: Mein Vater, meine Schwester und noch zwei Freunde von meinem Vater, die wir schon sehr lange kennen, waren da, um sich zu verabschieden. Dann ging es durch die Passkontrolle und weg war ich. Ein letzter Blick zum Papa und auf zur Sicherheitskontrolle. Ich hatte ziemlich viele technische Geräte im Handgepäck :O. Nachdem meine große Tasche durch den Scanner ging, kam nur die Frage, auf die ich gewartet hatte: "Haben sie da irgendwelche technischen Geräte drin?" - "Äähhm. Ja." - "Könnten Sie die bitte mal etwas auspacken, wir sehen hier nämlich nix." 10 Minuten später hatte ich alles wieder verstaut und das Flugzeug war boardingbereit. So ging es mit dem Bus aufs Rollfeld, wo die Winz-Maschine stand. Nach nicht einmal 2 Stunden landeten wir in Birmingham. Es war schon komisch. Es war das erste Mal, dass ich mit dem Flugzeug alleine flog und keiner auf mich wartete, den ich kannte. Das Gepäck geholt, durch die Einreisekontrolle und jemandem mit einem Schild "Anton Schubert - Warwickshire College" suchen - gefunden. Ein Mann von Brookline Taxis fuhr mich bis zur Haustür meiner Gasteltern.

Ankunft

Ich hatte einen kurzen Text über sie ein paar Wochen vorher vom College bekommen. Mein Gastvater (27 Jahr alt...) begrüßte mich, zeigte mir seinen gebrochenes Bein und zeigte mir mein Zimmer. Das sollte also das Zimmer sein, in dem ich meine nächste 10 Monate verbringen sollte. Mir gefiel es. Direkter Blick in den Garten (Erdgeschoss), eine kleine Stereoanlage und W-LAN, was ich 5 Minuten nach der Ankunft ausprobierte und auf meiner Homepage verkündete "Bin da :)". Dann habe ich noch kurz mit meinem Vater telefoniert und dann meine Sachen ausgepackt. Etwas später kamen noch die beiden anderen Gastschüler nach Hause. Sie waren in London gewesen. Beide kommen aus Kasachstan, was manchmal etwas nervt, weil sie nun mal oft Kasachisch bzw. Russisch reden. Ist auch nicht so gut für sie...

Da der "kleinere" von beiden, Ilyas, sehr aktiv ist und im Obergeschoss wohnt, und dadurch meine Gasteltern nachts wach hält, habe ich mit ihm, das Zimmer gewechselt, was ich letztendlich ganz gut fand: Das Zimmer liegt oben, man hat seine Ruhe und hat ein Doppelbett.

Erste Orientierung in Leamington

Am Sonntag bin ich mit dem Fahrrad von Matthew, meinem Gastvater, welches ich benutzen kann, in die Stadt gefahren. Wir selbst wohnen eher am Stadtrand, was hier heißt, dass man in 10 Minuten mit dem Fahrrad in der City ist. Ich erkundete die "Parade", die Hauptstraße in Leamington, in der alle wichtigen Geschäfte sind, von Tesco Supermarket bis zu Barclays Bank. Ich hob erst einmal Geld ab (Tipp: Ich habe ein Konto bei der Deutschen Bank (das Junge Konsto), welches mir erlaubt, beliebig oft bei Partnerpanken der DB im Ausland kostenlos Geld abzuheben. In England ist das Barclays, eine Bank, die es überall gibt. Danach holte ich mir eine SIM Karte fürs Handy, damit ich hier billiger telefonieren kann. Ich besorgt noch andere wichtige Dinge (Zahnbürste, Duschgel etc.)

Der erste Schultag

Bei meiner Ankunft lagen ein paar Blätter in meinem Zimmer, wo eine Karte von Leamington dabei war und ein Zettel, auf dem stand, dass ich am Montag, dem 11. September (was für ein Datum...) um 9 a.m. im College sein soll. Ich wusste schon, wo das College war, also fuhr ich gegen halb neun dahin. Das Areal ist riesig, mehrere Fußballfelder groß. Ich versuchte mich, im Foyer zurechtzufinden. Ich fragte an der Reception, wurde zur Centralia (ein weiteres Gebäude) geschickt und dort erfuhr ich, dass ich erst um 1 p.m. da sein muss, zur Fächerwahl.

So fuhr ich wieder nach Hause und kehrte mit Ilyas zurück zum College und dort traf ich die ganzen anderen Austauschschüler in meinem Jahrgang, darunter 6 Chinesen, 4 Kasachen und (damals) 5 Deutsche (mit mir).

Nach der Fächerwahl bekam man das "enrolment" Formular zum Ausfüllen mit Daten/Nationalität/ethnische Zugehörigkeit (da achten die hier komischerweise drauf...). Mit diesem Formular geht man zum Enrolment Center im Foyer, die geben alles ein, machen ein Foto von dir und ein paar Sekunden später kommt aus einer Maschine an der Reception die student card heraus. Eine Plastikkarte, die man immer bei sich haben muss, wenn man im College ist, die man als Nachweis für Ermäßigungen und in der College Library braucht.

Zum Schulsystem

So wirklich bescheid wusste ich über das britische Schulsystem nicht. Das lernte man mit der Zeit am College kennen.

Wenn man, wie 4 von uns, ein Jahr am warkscol bleibt, geht man in den AS-Level Kurs. Das ist das erste Jahr des A-Levels, dem britischen Abitur. Das zweite Jahr dort heißt dann A2.

Dadurch, dass man in ein normales, öffentliches College ins AS-Level geht, ist man unter den ganzen Briten dort. Die meisten kommen allerdings nicht aus Leamington, sondern aus den drei nächste größeren Städten Coventry, Rugby und Barnbury. So gut wie keiner lebt in Leamington oder Warwick (der Nachbarort von Leamington, in dem auch ein paar Gastschüler wohnen).

Man wählt im A-Level maximal 4 Fächer. Als Ausländer belegt man meistens 4, weil es nach so wenig aussieht, aber die Briten wählen meistens 3. Es gibt 5 Blöcke mit Fächern (A,B,C,D,E), man muss aus jedem Block eines, insgesamt aber max. 4 Fächer wählen. Die Blöcke sind folgendermaßen:

Block A:

  • Biology
  • Film Studies - Gucken und analysieren von Filmen, mehr Theorie, ohne viel "Machen"
  • Further Maths - Höhere Mathematik, Maths als Grundfach vorausgesetzt
  • Law - Jura
  • Philosophy

Block B:

  • Applied Science - Mischung aus allen Naturwissenschaften
  • Business Studies - das Feld des Business
  • English Language and Literature - Der "einfachere" der beiden Englischkurse, leichtere Literatur
  • English Literature - der für die Pros, wird keinem Ausländer empfohlen
  • Physics
  • Sociology - "Soziologie"
  • GCSE Maths - Mathematik auf GCSE (10. Klasse) Level

Block C:

  • Accounting - Finanzen und Buchhaltung
  • Art
  • Chemistry
  • History - Geschichte Deutschlands 1847-90 sowie 1933-45 und British Empire
  • Psychology

Block D:

  • Drama & Theatre Studies - Darstellendes Spiel
  • English L&L - siehe oben "Language and Literature"
  • Maths
  • Law
  • Perspectives on Science - kA
  • Sociology
  • Sport/PE - Sporttheorie

Block E:

  • Applied ICT - Computerwissenschaften, aber KEIN IT (also nicht so mit programmieren!!)
  • Applied Business Studies
  • Business Studies
  • French - ist dieses Jahr nicht zu stande gekommen
  • Geography
  • Media Studies - TV, Radio, Werbung, Internet, "Medien": Theorie der Analyse und practical work am Mac
  • Psychology
  • GCSE English - English auf GCSO Niveau

außerhalb:

  • Spanish: Findet Mittwoch Nachmittag und Donnerstag Nachmittag statt. Leider hat man Do. immer nachmittags Schule, deshalb fand der Kurs dieses Jahr auch nicht statt.
  • German: Wer nix weiter zu tun hat... Ist Mittwoch Nachmittag

So viel also zu den Fächern. Ich habe gewählt:

History: Grandios! Ich habe noch nie so viel über Deutsche Geschichte erfahren, ehrlich!

Physics: Einfach: radioactivity (10. Klasse), Mechanik und E-Lehrer, alles schon mal irgendwie gehabt, nur auf Deutsch...

English L&L: Bin der einzige foreigner, der es belegt. Zu lesen gibt es "Wuthering Heights" von Emily Bronte (1850s). Das Buch ist am Anfang sehr schwer, wird dann einfacher. Ich hatte zwischenzeitlich überlegt, das Fach abzuwählen. Man behandelt später noch Poetry und Comment on Musik/Film/Texts

Media Studies: Auch großartig! Man lernt viel über Theorie und Analyse von media text (TV, radio/Werbung, Film, Internet) und macht practical work, auch course work genannt: Ein Massenmedien Produkt: Werbung, Filmplakat, oder einen Filmtrailer. Alle 2 Woche am Freitag machen wir das. Wir können uns jederzeit Kameras ausleihen und an den Freitagen an den eMacs schneiden.

Die Schulstunden dauern immer 90 Minuten. Zwei Schulstunden vormittags, zwei nachmittags. Man hat immer irgendwann Freistunden, weil ein Block ja nicht belegt ist. Die Mittagspause dauer 45 min, die restlichen Pausen 15 min.

Nur Mittwoch ist nach dem Mittagessen Schluss. Danach gibt es CEPs (Curicculum Enrichment Programme, ähnlich wie Arbeitsgemeinschaften). Diese CEPs finden jedoch leider nicht immer am Mittwoch Nachmittag statt, weil die ganzen Lehrer vom Art Block da selbst unterrichten. Das wirkt sich negativ aus, weil die ganzen Schüler mit den Schulbussen nach Hause fahren, die um 5 fahren und Schule endet um 4:15, die CEPs am Abend um 6pm. Ich mache am Mittwoch Fußball (in der Halle), was sehr anstrengend ist, aber Spaß macht. Am Montag habe ich Motion Image Fine Art Practice (Video machen / Videoschnitt) und am Dienstag soll Recording Studio stattfinden. Wir kämpfen seit Beginn des Schuljahres darum, dass es stattfinden kann. Der Student Service organisiert die CEPs und wollen mindestens 8 Leute auf der Liste sehen. Wir sind zur Zeit 6. Die zwei Fehlenden werden wir morgen über Schein-Teilnahme auftreiben, in dem sie sich registrieren, aber nicht kommen. Das interessiert dann nämlich nicht, wie viele dann wirklich kommen. Es gibt noch Basketball, Drawing, First Aid, Creative Writing etc. pp.

Wenn man für zwei Jahre ans warkscol geht, macht man den IB (International Baccalaureate), das Internationale Abitur. Dort gibt es nur eine Tutorgruppe von etwa 20 Leuten. Der Rahmenplan ist anders und die Fächerwahl auch. Man belegt maximal 6 Fächer aus 6 Gruppen (eine Kompination wäre English (pflicht), Maths (pflicht), history, russian, biology und drama. So genau kenne ich mich damit aber nicht aus, das hole ich noch nach... Die Kurse sind jedenfalls ziemlich klein, klar, der ganze IB Jahrgang besteht ja auch nur aus 20 Schülern...

Man bekommt am ersten richtigen Schultag (Dienstag) eine Tutorgruppe zugewiesen. Diese Gruppe trifft sich mit dem Tutor die ersten beiden Schultag (Di und Mi) und danach jeden Montag in der zweiten Stunde. Dort werden organisatorische Dinge besprochen und Abwesenheiten von Unterrichtsstunden mit den Schüler durchgegangen. Mit ihm/ihr muss man alles besprechen, was das Schulzeug angeht. Wenn das nicht weiterhilft, gibt es "unseren Freund Mel Colley", der A-Level Programme Area Manager. Er ist der Oberste Leiter des A-Levels. Über sein Büro gehen alle Schülerakten, schwierige Probleme, Fächerfragen(~abwählen). Er wird gerne als Abschreckung gebraucht "Sonst kannst du auch gerne rausgehen. Aber dann bitte in das Büro von Mel Colley!", aber eher zum Spaß, eigentlich ist er ganz freundlich, er wirkt nur hart. Er vertritt auch mal Physikstunden... Sarah hat da die meisten Erfahrungen gesammelt, weil sie Probleme mit ihrer Fächerwahl hatte. Sie konnte nicht die Fächer belegen, weil sie entweder nicht stattfanden, oder nur am Abend waren. Sie hatte mit KulturLife Kontakt aufgenommen, aber erst nach einer E-Mail ihrer Mutter an KulturLife, welche bei Mel Collay anriefen und das Ganze klärten, kann sie jetzt die Fächer ihrer Wahl belegen.

Alles, was Probleme der Internationalen Studenten betrifft, wie Gastfamilie etc. geht an das International Office, und dort in erster Linie Loraine Hill. Sie ist Accommodation Officer vom warkscol, was alle Studenten angeht, die nicht in Großbritannien leben. Als Deutscher ist man nicht direkt International Student, weil mit diesem Begriff meisten die non-EU oder "Overseas" Studenten gemeint sind. Aber Loraine regelt alles mit den Gastfamilien. Ich persönlich habe mit ihr erst jetzt Ende Oktober reden müssen (ich habe sie vorher nie gesprochen), weil es darum geht, ob ich in den Ferien bei meiner Gastfamilie war oder weg war. Es geht um die Bezahlung. Die Gastfamilie bekommt £100 pro Woche für Essen und Unterkunft. Man muss bei Loraine bescheid sagen, wenn man weg ist, weil sie dann weniger Geld an die Familie überweist. Aber wenn die Familie nachfragt, wann man das Geld an sie bezahlt, müsst ihr nur sagen, dass sie das Geld vom College bekommen, weil die Bezahlung ja schon im Preis drin ist. Meine beiden Gastbrüder Olgaz und Ilyas müssen jede Woche das Geld bezahlen, was man leicht vergisst.

Die Gastfamilien leben in Leamington oder in Warwick. Ich wohne in Lillington in Leamington. Ich hatte bisher keine Probleme mit meiner Familie, und werde sie hoffentlich auch nicht haben.

Probleme

Zu einem Jahr alleine im Ausland gehören auch immer Probleme. Man soll sie ja auch lösen lernen. Glücklicher wurde ich von solchen bisher einigermaßen verschont und sie haben sich auch sehr schnell gelöst. Ein Beispiel bei mir war die Frage Christmas. Ich wollte eigentlich hier bleiben doch meine Gastfamilie sagte mir Mitte November, dass es nicht möglich sei, weil sie zu den Eltern meines Gastvaters fahren und dort kein Platz mehr sei. Allerdings feier ich jetzt Weihnachten bei einer aus meiner Tutorengruppe, sodass ich hier bleibe.

Das erste Problem war, dass wir über das College und über das Schulsystem generell wenig wussten. Auf dem Vorbereitungstreffen haben wir nur über das Boston College geredet, weil "das Warwickshire College neu sei und wir das dort sehen werden". Als ich am ersten Tag am College ankam, wusste ich überhaupt nicht, wohin ich gehen muss, in welches Haus, welchen Raum, wann. Das sah auch alles etwas anders aus... Ich war noch auf der Website vom Warwickshire College, was mir noch etwas gebracht hat, aber auch nur, welche Fächer es geben könnte. Im Endeffekt bekam ich gesagt, dass ich um 1 wiederkommen soll (ich war um 9 da, wie mir das College geschrieben hatte) und dann die Fächer wählen sollte. Allerdings sind die Fächer ja auch ganz anders als in Deutschland, wovon keiner von uns so wirklich die Ahnung hatte... Man lernt danach relativ schnell, wie es abgeht, aber man muss erst mal überhaupt wissen, wozu was da ist: Progressive Files, Personal Files, Absence Slips, Tutor Notifications, Subject Support, Tutorial, Mel Colley, welcher Raum wo ist... Übrigens kann man das Warwickshire College übrigens nicht so wirklich für die Leute empfehlen, die Fremdsprachenunterricht haben wollen. Das einzige ist Englisch, und Deutsch kommt auch noch als CEP am MIttwochnachmittag zustande, aber nicht Französisch oder Spanisch. Ich muss dieses Jahr mich im Spanisch üben. Glücklicherweise gibt es immer ein paar wenige aus anderen Ländern hier, wie auch aus Spanien und Lateinamerika :).

Andere von den Landesgenossen hatten auch noch andere Probleme: Lea ist schon nach der SummerSchool vom Warwickshire College an ein College nach Irland gewechselt, weil sie nicht hier am College bleiben konnte. Philipp hatte mehrere Probleme mit seinen Gastfamilien und leider ging diese Geschichte nicht gut zu Ende; er ist kurz vor dem half-term im Herbst nach Hause geflogen. Da half auch das Angebot von Loraine mit einer neuen Gastfamilie nicht. Sarah hatte mehrere Probleme am College: Es konnten ihr nicht die Fächer gegeben werden, die sie eigentlich wollte. Spanisch kam nicht zu stande, ebenso Französisch. Das College hat ihr nach Nachdruck von ihrer Mutter bei KulturLife in Abendkurse geleitet. Dann durfte sie doch noch in den Geschichtskurs gehen. Allerdings war ihr Stundenplan zur normalen College Zeit so leer, dass sie mittlerweile in den IB Kurs gewechselt ist, weil sie dort die Fächer bekommt, die sie sowohl braucht (Mathe) als auch will (Französisch). Kristin bekam die Gewissheit, dass sie hier bleiben kann erst nachdem über ihre Eltern ein selbst bezahlter IELTS Test erreicht werden konnte, den sie dann bestand, sonst wären wir nur noch 3 gewesen. Mittlerweile läuft alles, wie es laufen sollte.

Leamington und Umgebung:

In Leamington, einer 60.000 EW Stadt gibt es erst einmal das meiste, was man fürs Leben braucht: Tesco (Supermarkt), Banken, ein Einkaufszentrum mit Klamottenläden, CD-Läden etc. Es gibt zwei Kinos, welche die aktuellen Kinofilme spielen (ca. £5 pro Karte als student). Wenn man Klamotten kaufen will, fährt man aber am besten nach Birmingham. Birmingham ist die zweitgrößte Stadt Großbritanniens. Dahin kommt man mit der Bahn, die von Leamington bzw, Warwick abfährt. Das Ganze dauert etwa eine halbe Stunde und kostet hin und zurück £5. Zum Geld muss man sagen, dass es ziemlich teuer ist, Sachen hier zu kaufen. Genauso wie Kameras, Laptops, Handys etc.

Für den täglichen Bedarf gibt es in England generell drei normale Supermärkte: Tesco (die größte Kette, nur in 4 Städten GBs nicht vertreten), ASDA und Salisbury's. Wer zu viel Geld hat, kauft bei Marks & Spencer ein, wo man für ein Sandwich auch mal £6 ausgeben kann. Macht aber keiner... Bei Tesco gibt es auch do-it-yourself Kassen, wo man selbst die Waren einscant, selbst bezahlt und geht. Wir aber überwacht, keine falschen Hoffnungen machen!

Kurze Hinweise:

  • 1 Britisches Pfund entspricht in etwa 1,60 €.
  • 1 A entspricht einer 1
  • 1 B entspricht einer 2 (ab jetzt kann man das logisch fortsetzten...).
  • 1 E entspricht einer 6.
  • 1 U entspräche theoretisch einer 7.
  • 1 Meile entspricht etwa 1,6 km.
  • 1 yard entspricht etwa 0.9 m
  • 1 foot (ft) entspricht etwa 30cm
  • 1 inch enstpricht etwa 2,5 cm
  • 1 "hello" entspricht etwa einem "Hallo" ;)

Wenn ich hier von Leamington rede, meine ich immer "Royal Leamington Spa". Der Ursprungsname "Leamington" kommt vom River Leam der durch die Stadt fließt. "Royal", weil Queen Victoria mal da war und "Spa", weil Leamington ein Kurort war/ist.

Gleich an Leamington gelegen ist Warwick. Eine ebenso kleine Stadt wie meine neue Heimatstadt. Allerdings hat Warwick noch mehr Hügel als Leamington. Generell ist es hier ziemlich hügelig. Wer also mit dem Fahrrad fahren will, muss schon willenstark sein.

Generell muss ich aber sagen, dass das Fahrradfahren erhebliche Vorteile bringt: Erstens ist es schneller als der Bus (bei mir jedenfalls, liegt an der Busroute), es ist billiger (ich spare wahrscheinlich so um die £ 300 im ganzen Jahr) und vor allem gewöhnt man sich viel schneller an den tollen Linksverkehr! Nur die roundabouts sind gewöhnungsbedürftig.

Was findet man sonst so in der Stadt?

Wie schon oben gesagt, man findet schon einiges, ist nicht so, das Leamington das letzte Provinzkaff im Warwickshire ist. Man findet alle gängigen Supermärkte, es gibt mehrere Schreibwarengeschäfte (Ryman und WH Smith), Buchläden (Waterstone's und WH Smith), Drogerien und Parfumerien, CD/DVD Läden (HMV und andere) sowie Klamottenläden (GAP, NEXT, Topshop (sehr beliebt), nur für H&M muss man nach B'ham fahren :(. Es gibt alle möglichen Banken (für die, die ein Konto hier eröffnen wollen... Loraine Hill hilft einem da weiter), Carphone Warehouse sowie Geschäfte der einzelnen Handy-Netz Betreiber und immerhin einen Laden, der in etwas ein Bäcker ist. Aber ohne Brötchen, sondern nur mit Pfannkuchen & Co.(Three Cooks). Die meisten Geschäfte sind im Royal Priors, dem Shopping Centre in Leamington. Dort kann man vieles (aber auch nicht alles) finden. Dort ist HMV, Sony Centre, JBB Sports, T-Mobile, Orange, Topshop, GAP und Starbuck's Coffee.

Es gibt eine Kirche, eine Library (die zwar keine so besondere Abteilung für Fiction hat, dafür aber eine gute Fachbuch Abteilung. Sie ist, bis auf DVDs/CDs, kostenlos) und ein Sport Centre, wo es ein Schwimmbad sowie einen Golfplatz gibt.

Wer mehr braucht, muss nach Birmingham oder Coventry fahren. Nach B'ham gehts für £5 hin und zurück in einer halben Stunde mit dem Zug; nach CV für £2.50 (glaub) in einer halben Stunde mit dem Bus. In B'ham gibt es Bullring Centre, in welchem es massig Geschäfte gibt. Eigentlich alles, was man so braucht: H&M, GAB, Schuh, JJB, Topshop, Curry Electronics (~MediaMarkt), Apple Store, Starbuck's, großer HMV, Selfridges etc.

In CV gibt es ebenfalls ein großes Shoppingcentre, wo es vieles gibt. Darunter Buchläden, Virgin Megastore, Klamottenläden etc. und dort ist es auch nicht so teuer wie im Bullring.

Abends in Leamington

Für alle Clubgänger, Discotänzer, Gerne-mal-ein-Bier-oder-Cocktail-Trinker: Leichte Alkoholika gibt es in GB offiziell ab 18, Spirituosen ab 21. Das Gleiche gilt für den Zutritt zu Clubs und Discos. Oft wird kontrolliert (im City Centre) oder man wird zumindest misstrauisch beäugt (man kommt schon als 18 durch). Oder man geht in den lokalen Pub zum Pool spielen. Da isses vollkommen egal. Aber ich will euch auch nicht verschrecken, ist nicht so, dass ab um 10 hier gar nix mehr los ist, auch wenn es selbst auf der großen Parade so wirkt... Dazu ist Leamington dann soch zu klein. Busse fahren innerhalb Leamingtons übrigend nur bis kurz vor Mitternacht.

Das Prospero House

...wird auch offiziell "Halls of Residence" genannt. Das ist das Haus für die über 18 jährigen, ausländischen Studenten, die nicht in einer Gastfamilie wohnen wollen. Es liegt gegenüber vom College. Zum größten Teil wohnen dort Chinesen, aber auch Kasachen oder zur Zeit auch ein Spanier. Die Miete dort kostet übrigens £80 pro Woche, aber ohne Essen. Es gibt Gemeindschaftsküchen mit Kühlschränken und (immer überfüllten) Kühltruhen. Das Geschirr und Kochzeug sowie Essen selbst muss man selbst mitbringen und zubereiten. Mir gefallen die Küchen nicht wirklich... Im Haus wohnen immer um die 20 Studenten. Jeder hat sein eigenes, relativ großes, aber dafür leer wirkendes Zimmer mit Bett, Schrank, Tisch und Waschbecken. Es gibt auch gemeinsam genutzte Toiletten und Bäder. Aber die sehen ganz ordentlich aus. Außerdem gibt es noch einen Gemeindschaftsraum mit TV (hehe, 4 Kanäle), DVD Player, Videorecorder sowie Pooltisch (Billiard). im Propero House gibt auch W-LAN, wenn man ein wenig Geld bezahlt (aber es funktioniert nicht immer...). Das Haus ist mittlerweile ein Treffpunkt für alle ausländischen Schüler geworden. Wenn ich Ilyas der Olzhas frage, wo sie hin gehen, kommt im russischen Akzent "Prospero House". Mittlerweile ahme ich diesen Akzent nach, wenn ich "Prospero House" sage...

Insgesamt...

habe ich mich hier ziemlich schnell eingelebt. Natürlich spricht man schon immer mal wieder Deutsch, da man sich als Deutsche schon ziemlich oft begegnet (auch wenn wir nur 4 sind), was aber bei mir nicht das Englischlernen beeinträchtigt. Aber je länger man kein Deutsch gesprochen hat, desto eher beginnt man auch schon mal komplett auf Englisch zu denken! Das geht mir meistens am Mittwoch so, weil ich da nur zwei Stunden habe und gleich danach Fußball ist, sodass ich kaum einem Deutschen über den Weg laufen kann.

Man hat auch nicht nur die ganze Zeit mit den Briten zu tun, sondern auch mit den ganzen anderen internationalen Studenten aus Ecuador, México, Argentina, Malta, España, Kazakhstan (hehe, Borat kam nicht so gut an),der Slowakei, Österreich, China, Polen, Russland und natürlich Deutschland.

Jetzt geht es langsam auf Weihnachten zu und man denkt schon öfter mal wieder an zu Hause. Vor allem, weil ich nicht nach Hause fahren werde. Alle anderen Ausländer fliegen nach Hause oder zumindest weg, während ich Weihnachten mal auf englisch feier. Ich freue mich jedenfalls drauf. Ich feier auch nicht mit meiner Gastfamilie (die ist am Weihnachtsabend nicht da) sondern bei einer Freundin aus meiner Tutorgruppe, die mich spontan eingeladen hat, bei ihr zu feiern. Das wird dann ein sehr gemischtes Weihnachten: Teilweise englisch, amerikanisch (ihre Mutter ist Amerikanerin) und deutsch (sie lebte auch lange Zeit in Deutschland). Aber wir feiern trotzdem erst am 25.12. nicht am 24...

Soweit erst mal von mir zum (ich weiß, verspäteten) Zwischenbericht vom November 2006!

Wer von den KulturLife Kandidaten fragen hat, kann mir ruhig eine E-Mail schreiben: mail@antonschubert.de

Gruß aus Leamington,
Anton, zusammen mit Celeste, Kristin und Sarah.

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