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Mein Englandaustausch

[ Jahres-Programm am Boston College ab September 2008 ]

Ich bin jetzt seit einem halben Jahr in England am Boston College und bin sehr froh, hier zu sein. Ich bin an einem Mittwoch in England gelandet und obwohl ich das erste Mal überhaupt geflogen bin hat alles sehr gut geklappt und ich habe auch den Vertreter des Boston College, der mich abholen sollte, sofort gefunden. Ein Junge, den ich schon vom Vorbereitungstreffen in Hannover kannte, kam kurz vor mir an und hat gewartet. Als wir im Auto nach Boston fuhren waren alle ziemlich schweigsam. Wir waren ziemlich müde, da wir schon in der Früh ankamen und außerdem waren wir natürlich noch aufgeregt und auch recht unsicher wegen der Sprache.

In Boston angekommen, hat uns der Fahrer dann gleich zu Sue Hill gebracht, die uns erst mal begrüßt hat und auch sofort wusste, wer wir sind, was schön war. Sue Hill ist hier der Accommodation Officer und die Person, die ihr ansprechen müsst, wenn ihr irgendwelche Probleme habt. Der Junge, der mit mir abgeholt worden war wurde dann zu seiner Gastfamilie gefahren. Ich wohne in den Halls, dem Wohnheim für Schüler, das zum Boston College dazugehört. Sue hat mir gleich mein Zimmer gezeigt und hat mir dann Zeit gegeben, mich einzurichten. Das hab ich dann auch gemacht und nach einiger Zeit kam Sue wieder und hat mir ein Mädchen vorgestellt, dass auch gerade angekommen war, Ana. Da sie auch wie ich in den Halls untergebracht war, mussten wir bald einkaufen gehen und so hat Sue uns erklärt und aufgezeichnet, wo wir hinmüssen. Mit einem kleinen Umweg haben wir dann auch da hingefunden, wo wir hinwollten, und haben uns auch gleich ein bisschen die Innenstadt angesehen.

Später am Nachmittag kamen immer wieder Leute an und auch meine Wohnung füllte sich langsam, unter anderem mit einer Freundin, die ich auch schon aus Hannover kannte. Die Bewohner der Flat haben sich allerdings im Laufe des Jahres ein bisschen verändert. Meine derzeitigen Mitbewohner sind zwei Mexikaner, zwei Ungarn, drei Deutsche und zwei Chinesen. Insgesamt haben wir in den Halls aber noch Vertreter aus Russland, Estland, Lettland, Rumänien, Bulgarien, Frankreich, Italien, Griechenland und Belgien.

In eurem Zimmer in den Halls ist ein Schrank, ein Schreibtisch mit Lampe und Stuhl und ein Bett mit einem Nachtkästchen. In fast jedem Zimmer gibt es außerdem ein eigenes Waschbecken mit extra Lampe, nur in den Wohnungen, die nur aus zwei Zimmern bestehen gibt es das nicht. Bäder mit Dusche und Toilette sind dann auf dem Gang. In eurem Zimmer ist außerdem ein kostenloser Internetanschluss, für den ihr ein Kabel benötigt. Das könnt ihr billig bei Sue kaufen, wie auch einen Adapter. Den Adapter bei Sue zu kaufen ist vielleicht sogar ratsam, ich kenne nämlich mehrere Leute, mich selbst eingeschlossen, bei denen der in Deutschland gekaufte Adapter nicht funktioniert hat. Die Küche ist je nach Größe mit einem oder zwei Kühlschränken ausgestattet, einem Herd mit Ofen, einem Toaster, einem Wasserkocher, einer Mikrowelle und einer Tiefkühltruhe. Jeder Bewohner sollte außerdem ein eigenes Fach im Kühlschrank bekommen sowie einen eigenen Schrank. Außerdem bietet sie für die Leute, die Selbstverpflegung gewählt haben, noch einen Tisch mit vier Stühlen.

Waschen könnt ihr übrigens in einem Waschraum, der auch zu den Halls gehört. Der ist unter der Woche immer nachmittags und am Wochenende ganztätig bis 23.00Uhr geöffnet. Darin stehen drei Waschmaschinen und drei Trockner. Am besten gewöhnt ihr euch an immer ein paar Münzen zur Seite zu legen, damit ihr damit waschen könnt.

Anfangs fühlt man sich natürlich nicht etwas einsam und hat manchmal Zweifel, das geht aber auch wieder vorbei, wenn man sich erst mal eingelebt hat und Freunde gefunden hat. Die ersten Freundschaften sind im Common Room entstanden. Da man am Anfang noch kaum jemanden kannte, hat man sich viel dort getroffen, um sich kennen zu lernen. Dort steht eine Tischtennisplatte, eine Sitzecke, ein Klavier, ein Fernseher, sowie ein Getränke- und Süßigkeitenautomat.

Außerdem hatten wir die ersten Tage noch Termine, wie die Registrierung beim Arzt oder die Kontoeröffnung für diejenigen, die gern ein eigenes Konto an einer englischen Bank haben wollten, was ich auch gemacht habe (eine andere gute Möglichkeit ist die Einrichtung eines Postbank-Kontos in Deutschland, von dem ihr 10x im Kalenderjahr gebührenfrei im Ausland abheben könnt). Ihr solltet außerdem mit euren Eltern vorher klären, wie viel Geld ihr im Monat ausgeben dürft. Es ist am Anfang nicht ganz einfach, sich dran zu gewöhnen, wenn man sich mit einer gewissen Summe komplett selbst versorgen muss, aber meist spielt sich ein Betrag von 200 - 250 Pfund im Monat ein.

Dann müsst ihr in den ersten Tagen noch einen Englischtest schreiben. Dieser Test ist allerdings nicht allzu schwer und hat nur auf sehr wenige Fächer, wie zum Beispiel English Literature, Auswirkung. Wir hatten auch einen Tag am College, an dem wir uns mit allen Lehrern unterhalten konnten, um uns die Fächerwahl zu erleichtern. Am nächsten Tag mussten wir dann die Fächer wählen. Dazu wir man in Tutorial Gruppen eingeteilt, die das ganze Jahr über so bleiben und mit denen ihr wöchentlich eine Unterrichtsstunde habt. Die Fächerwahl ist aber nicht gleich endgültig, die ersten paar Wochen habt ihr immer noch Zeit, eure Wahl zu ändern, falls ihr mit einem oder mehreren Fächern unzufrieden sein solltet. Ich habe zum Beispiel noch von BTEC Science zu BTEC Media gewechselt. Zu den Fächern, die ihr wählt, kommen dann eben noch eine Stunde Tutorial dazu, sowie drei Stunden wöchentlich EFL (English as a foreign language). Diese Englischstunden sind für alle internationalen Schüler, um sich auf den IELTS-Test vorzubereiten. Das ist ein Test, den ihr am Ende des Jahres schreiben werdet, um euer Englisch-Level zu messen. Dieser Test ist ein anerkannter Test, den ihr für Bewerbungen an Unis verwenden könnt und euch auch im Ausland nützlich sein kann. Mein endgültiger Stundenplan sieht jetzt jedenfalls so aus:

 09.00-10.0510.20-11.2511.40-12.4512.45-1.501.55-3.003.15-4.20
MondayEFLBTEC MediaTutorial SociologyBTEC Media
TuesdayEFLFilm StudiesSociology BTEC Media(Sociology)
WednesdayBTEC MediaSociology  Film Studies(Film Studies)
ThursdaySociologyBTEC MediaBTEC Media  Film Studies
FridayFilm StudiesEFLBTEC Media BTEC MediaBTEC Media

Der Unterricht hat dann am dritten Tag angefangen. Ich hatte eigentlich von Anfang an keine Probleme, dem Unterricht zu folgen. Deutsche Schüler bringen sowieso ein recht hohes Sprachlevel hierher mit. Anfangs fällt es einem manchmal noch etwas schwer, sich selbst mitzuteilen, aber die Lehrer sind alle total nett und helfen einem, so gut wie sie können. Die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern unterscheidet sich von der in Deutschland. Man spricht hier seine Lehrer mit dem Vornamen an, so habe ich zum Beispiel Tom in Film Studies, Hayley in Sociology und Neil, Bruce und Jodi in BTEC Media. Das macht das Ganze etwas weniger streng, außerdem kann man mit vielen von ihnen gut Spaß haben und auch mal zusammen scherzen. Schulaufgaben oder Klausuren wie in Deutschland gibt es hier nicht. Hier lernt man das ganze Jahr über und hat dann je nach Fach im Januar und im Mai/Juni Examen oder eben nur in Mai/Juni. Davon hängt dann eure ganze Note ab. Ich habe bisher ein Examen in Sociology geschrieben. Es ist zwar nicht allzu leicht, aber machbar und die Lehrer bereiten einen gut darauf vor. Bei solch einem englischen Examen sind allerdings die Regeln recht streng. So sind keine Kapuzen oder Schals erlaubt. Trinken darf man nur Wasser aus durchsichtigen Flaschen ohne Etikett. Schreiben darf man nur mit schwarzem Stift. Als internationaler Schüler darf man allerdings, sofern im Voraus beantragt, ein Wörterbuch benutzen (das selbstverständlich auch durchsucht wird) und bekommt etwas Extrazeit. Ihr müsst außerdem daran denken einen Ausweis mitzubringen, sonst werdet ihr nicht zugelassen.

Nun möchte ich aber noch mal zu den ersten Wochen zurückkommen. Die Schule ist also gut machbar und bietet sehr viel Abwechslung zu Deutschland. Selbstverständlich könnt ihr aber auch Fächer wie Mathe, Geschichte oder Französisch belegen. Außerdem organisiert die Schule zu Beginn zwei Trips nach Cambridge und Nottingham. An einem davon dürft ihr kostenlos teilnehmen. Auch über das Schuljahr verteilt werden hier immer wieder Trips organisiert, die euch die Möglichkeit bieten, günstig etwas zu unternehmen. So sind wir dieses Jahr zum Beispiel nach Doncaster zum Eislaufen gefahren oder nach Lincoln zum Weihnachtsmarkt. Später, meistens gegen März, besteht auch noch die Möglichkeit, für drei oder vier Tage nach Edinburgh zu fahren. Außerdem hat das College letztes Jahr noch eine Weihnachtsparty organisiert, für die eigens ein Club in der Stadt gemietet wurde. Mit manchen Lehrern macht ihr außerdem Ausflüge, die etwas mit eurem Fach zu tun haben, so war ich zum Beispiel mit meinem Media-Kurs in London oder mit Sociology im Kino billig im Kino.

Achja, und das Wetter hier ist nicht ganz so nass wie man es vielleicht erwartet. Ihr könnt euch allerdings auf eine außerordentliche Vielfalt an Regen einstellen. Schnee ist hier sowieso ziemlich selten. Wir hatten dieses Jahr recht viel, aber es war auch ein für England sehr harter Winter, sprich wir hatten ungefähr drei Wochen Schnee, was manchmal zu Problemen mit den Flügen führen kann, da die Engländer das nicht gewohnt sind. Das heißt allerdings auch, dass sie keine Schneepflüge etc haben und bei schon recht wenig liegen gebliebenem Schnee die Schule ausfällt, weil der Großteil der Schüler sowieso nicht kommen könnte.

Alles in allem gibt es hier also viele Möglichkeiten etwas zu erleben. Man kann mit dem Zug recht einfach in nahegelegene Städte kommen und sich etwas ansehen, man kann Freundschaften mit Leuten aus der ganzen Welt knüpfen, schulisch neue Erfahrungen sammeln, seine Selbstständigkeit erweitern und seine Sprachkenntnisse verbessern.

Miriam Storf

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