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Mein Jahr in Boston, England

[ Jahres-Programm am Boston College ab September 2008 ]

Mein Jahr hier in Boston, England, geht dem Ende zu. Tag für Tag reisen schon meine Freunde ab und in wenigen Tagen werde auch ich mich auf der Heimreise befinden. Somit kommt für mich langsam die Zeit, in der ich teils melancholisch, teils froh auf die vergangenen Monate zurückblicke.

Ich weiß nicht, wie ich dieses Abenteuer Ausland beschreiben soll. Es ist definitiv anders, als ich es mir in der Zeit davor vorgestellt oder erträumt hatte und zu aufregend, um es in einem kurzen Bericht zu beschreiben. Es ist nicht besser und ganz bestimmt nicht schlechter, es ist einfach anders; außergewöhnlich, könnte man sagen.

Was sollte einen jungen Menschen auch darauf vorbereiten, von heute auf morgen auf eigenen Beinen zu stehen? Da ich im Wohnheim, kurz "Halls" genannt, wohne, bin ich selbst dafür verantwortlich, zu kochen, zu waschen, einzukaufen usw.

In meinen ersten Tagen und Wochen in Boston wurde ich sowohl von den Mitarbeitern des College, als auch von allen, im Wohnheim lebenden Schülern freundlich aufgenommen. In dieser Zeit herrschte in den Halls eine euphorische Ferienlager-Stimmung, da hier Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren aus aller Welt zusammen leben, die begierig sind, neue Freundschaften zu schließen und dieses Jahr voll auszukosten. Es wurden Spiele-, DVD-und Koch-Abende veranstaltet, wir gingen zusammen auf Ausflüge oder genossen beim Frisbee- uns Fußball spielen die letzten Sonnenstrahlen.

Nachdem die ersten aufregenden Wochen vorüber waren, wurden Freundschaften fester und der Alltag kehrte ein. Mit diesem kamen dann auch die Schattenseiten der neuen Freiheit zu Tage, z.B. der Nachbar, der, immer wenn man selbst schlafen möchte, gern laute Musik hört und sich mit seinen Freunden dann über den wummernden Bass hinweg anschreit, die Küche, die am Wochenende aussieht, als hätte eine Bombe eingeschlagen (an den Wochentagen kommen zum Glück Reinigungskräfte) und die schmerzenden Schultern, nachdem man die Einkäufe nach Hause schleppen musste.

Der Schulalltag unterscheidet sich sehr vom gewohnten in Deutschland . Nicht nur, dass man hier Fächer wie "Film", "Media" oder "Forensical Science" belegen kann, auch die Arbeitsweise war neu. Während ich an meiner deutschen Schule oft auswendig lernen muss, was der Lehrer zitiert, finde ich am Boston College durch Experimente selbst heraus, schreibe Aufsätze und stelle selbstständig Nachforschungen an. Ich ertappte mich manchmal dabei, wie ich den Unterricht genoss und mich tatsächlich über das Ende der Stunde ärgerte!

Die englischen Schüler sind meistens freundlich und hilfsbereit, doch anders als die vielen "Internationals" am College, nicht so bestrebt, neue Freundschaften zu schließen. Möchte man an sie herankommen, muss man selbst den ersten Schritt machen, doch man wird es nicht bereuen.

Am College findet man für fast jedes seiner Probleme einen freundlichen Mitarbeiter der einem mit Rat und Tat zur Seite steht. Außerdem hatten wir in diesem Jahr die Möglichkeit an Ausflügen nach Frankreich oder Indien teilzunehmen und für uns "Internationals" wurden u.a. Trips nach Cambridge, Nottingham und sogar nach Edinburgh organisiert.

Ich kann nicht sagen, welchen Teil meines Auslandsjahres ich am meisten genossen habe. Ich nehme aus den guten und aus den schlechten Zeiten meine Erkenntnisse mit nach Hause. Die Freundschaften, die ich hier in Boston geschlossen habe und die Erfahrungen, die ich gemacht habe möchte ich nicht missen. Ich habe für mich herausgefunden, dass die Kunst, so ein bedeutendes Jahr glücklich zu überstehen darin liegt, jeden Tag als das zu sehen, was er ist - ein kleines Abenteuer.

Stephanie Gesch

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