Meine Zeit in Norwich
[ 8-wöchiges Work&Study-Programm in Norwich im Herbst 2001 ]
Ich habe im Sommer 2001 Abi gemacht. Dass ich an die Uni wollte, wusste ich eigentlich schon, aber ich war mir nicht sicher, welches Fach ich wählen sollte. Deswegen beschloss ich, mir erst mal ein halbes Jahr Pause und Bedenkzeit zu gönnen. Für kurze Zeit ins Ausland zu gehen - mit diesem Gedanken hatte ich schon länger gespielt. Über das Internet erfuhr ich dann von dem "Work&Study-Programm" bei KulturLife. Die Mischung aus Sprachkurs und Arbeit in einer englischen Gastfamilie und auch die Dauer von 8 Wochen überzeugte mich schnell.
So schickte ich meine Bewerbung an KulturLife und schon 2 Monate vor meiner Abreise hatte ich eine Gastfamilie zugeteilt bekommen, die sich mir über einen Brief vorstellte. Über Telefon und E-Mail kam es dann zum ersten Kontakt, so dass ich im September nicht vollkommen ins Ungewisse fuhr.
Meine Gastfamilie
Meine Gastfamilie bestand aus den Eltern, die beide Lehrer waren und zwei Töchtern (1 und 5 Jahre alt). Man kann sagen, dass sie richtige Austauschprofis waren, weil vor mir schon mindestens fünf andere Mädchen aus den verschiedensten Ländern bei ihnen gewohnt hatten.
Sie nahmen mich herzlich auf und schon nach kurzer Zeit hatten die beiden Mädchen ihre Scheu mir gegenüber verloren.
Die Schule
Nach dem ersten Eingewöhnungstag ging es für mich mit Schule und Hausarbeit los. Die Schule, die im Stadtzentrum von Norwich liegt, war für mich zu Fuß zu erreichen.
Am ersten Tag hatte ich mit den anderen Neuankömmlingen einen Einstufungstest, der aus einem Grammatikteil, zwei Aufsätzen und einem kurzen Interview bestand. Je nach Ergebnis wurde man danach einer der fünf Leistungsstufen zugeteilt. In meiner Gruppe "Upper Intermediate" waren wir sechs Leute. Insgesamt war keine der Gruppen größer als acht Personen, was für das Englisch lernen richtig toll ist. Wenn man sich überlegt, dass man in der Schule mit rund 25 Leuten in einem Kurs sitzt, die allesamt untereinander Deutsch reden können, kann man sich vorstellen, wie viel mehr man in solch kleinen Kursen lernt, in denen fast jeder aus einem andern Land kommt. In den 8 Wochen war ich die einzige Deutsche an der Sprachschule, was bedeutet, dass ich acht Wochen wirklich nur Englisch geredet habe. Die anderen, die alle zwischen 18 und 30 Jahre alt waren, kamen aus Frankreich, Spanien, Italien, Finnland, Russland, Japan, China, Thailand, Libyen.... Wir verstanden uns untereinander alle richtig gut, und mit den meisten traf ich mich auch oft noch nach der Schule und Hausarbeit.
Die Hausarbeit
Mein Haushaltsdienst begann jeden Mittag um drei Uhr. Meine Hauptaufgabe war bügeln (Tipp an alle: übt vorher fleißig). Zwei Mal die Woche musste ich das ganze Haus Staubsaugen und Staub wischen. Ansonsten half ich, das Essen vorzubereiten. Ich erledigte den ganzen Abwasch und passte ab und an auf die Kinder auf, wenn die Oma, die genau gegenüber wohnte, keine Zeit dafür hatte. Anfangs war das schon schwierig, weil ich einfach Probleme hatte, das schnell gesprochene Englisch der Kinder zu verstehen, mit der Zeit besserte sich das aber.
Abends musste ich glücklicherweise nicht babysitten, so dass ich nach dem Abendessen immer frei hatte.
Ich traf mich dann oft mit den anderen in der Stadt und meistens landeten wir in einem der vielen Pubs. Norwich ist zum Weggehen recht gut, weil die Pubs alle relativ zentral im Stadtzentrum gelegen sind. Auch die Clubs sind gut zu erreichen, so dass wir Freitags und Samstags abends auch oft tanzen waren. Von der Schule aus war ein Mal die Woche ein sogenanntes "Social event" organisiert. Mit einem Lehrer der Schule, die allesamt super nett waren, machten wir dann irgendetwas wie bspw. Kino, Bowling, einen Videoabend...
Es war also nie langweilig. An den Wochenenden, die komplett frei waren, machte ich mit meinen Freunden aus der Schule verschiedene Ausflüge. Wir schauten uns Cambridge an, fuhren ans Meer oder machten eine Bootstour auf einem der vielen Flüsse. So habe ich dann auch einiges in Norfolk gesehen und muss sagen, dass mir dieser Teil Englands wirklich gut gefallen hat. Auch London ist von Norwich mit dem Zug zu erreichen und eignet sich für ein verlängertes Wochenende.
Was bleibt
Die Zeit verging wie im Fluge. Als meine letzte Woche gekommen war, ärgerte ich mich, warum ich nur acht Wochen gebucht hatte. Der Abschied von meiner Familie und vor allem von meinen neu gefundenen Freunden fiel echt schwer. Natürlich tauschten wir alle Adressen aus. Jetzt habe ich Brieffreunde aus der ganzen Welt und im Mai werde ich mich mit einigen von ihnen in Paris treffen!
Ansonsten habe ich mich nun für ein Psychologiestudium entschieden und warte jetzt auf meinen Aufnahmebescheid. Ich denke die zwei Monate in England haben mir bei der Entscheidung geholfen, weil ich dort noch ein Mal Zeit hatte, alles zu bedenken, ohne dass mir dabei jemand von meiner Familie und meinen Freunden hier reinreden konnte. Mein Englisch hat sich natürlich auch um einiges verbessert. Angst einfach draufloszureden habe ich jetzt nicht mehr. Im März werde ich versuchen, das First Cambridge Certificate hier zu machen.
Ich bin mir sicher, dass das nicht mein letzter Auslandsaufenthalt war. Ich kann gerade das "Work&Study-Programm" all denen empfehlen, die mal eine Pause von Deutschland brauchen, ihr Englisch verbessern und ganz viele neue Eindrücke sammeln wollen!
Kathrin