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Work Experience in Torquay 2005/2006

[ 6-monatiges Job-Programm in Torquay ab Herbst 2005 ]

Nachdem ich mich nun schon ein Jahr auf meinen Auslandsaufenthalt in England gefreut hatte, war es endlich soweit: Ich saß im Flugzeug nach London.

Meine Vorfreude war schnell verflogen, als ich nach über vier Stunden endloser Busfahrt am verlassenen Busbahnhof von Torquay ankam. Doch schon nach kurzer Zeit wurde ich allzu herzlich begrüßt. Paola von der Partnerorganisation TTPL brachte mich mittels Taxi zu meinem neuen Heim. Ich hatte noch nie außerhalb von Kassel gewohnt und schon gar nicht mit neun Leuten unter einem Dach.

Doch nicht nur das Zusammenleben mit so vielen Charakteren stellte sich so manches Mal als Herausforderung heraus, sondern auch mein neuer Job. Dabei hatte es sich am Anfang so einfach angehört: zwei Schichten am Tag und das fünfmal pro Woche. Außerdem war das Hotel nur eine Viertelstunde Fußweg entfernt - ideale Bedingungen also. Bevor es jedoch richtig losging, bekam ich erst einmal eine Einführung zusammen mit allen anderen Neuen. Ich erfuhr alles über die TLH Leisure Hotels und auch über das Derwent, das Hotel in dem ich für die nächsten sechs Monate als Servicekraft arbeiten sollte. Anfangs war ich noch vollauf begeistert von dem Job, denn ich lernte meine Kollegen kennen und auch die Arbeitsabläufe waren noch vollkommen neu für mich, so dass ich jedes Mal sehr froh war eine Schicht ohne Katastrophe beendet zu haben ;-).

Eigentlich waren meine Aufgaben recht einfach: Jeweils morgens vor dem Frühstücksservice und abends vor dem Dinner mussten die Tische vorbereitet werden. Konkret hieß das für 20 (Abend) bzw. 35 (Frühstück) Personen Butter und Milch oder Wasser zu verteilen. Zudem mussten noch Breadrolls (weiche kleine Brötchen) und Soßen organisiert werden. Dann wurden Servietten gefaltet und gewartet, dass die ersten Gäste eintrafen.

Schließlich mussten alle Sonderwünsche erfüllt werden und auch noch nachdem ich zehn Mal "Would you like some coffee or tea? And some toast? Brown, white or mixed?" fragen durfte, vollkommen gutgelaunt in die Küche rennen und beten, dass heute mal genug brauner Toast da war und die Schlange vor dem Toaster oder in der Küche im Allgemeinen nicht allzu lang war. Im Restaurant war es wie im richtigen Leben auch: Entweder wollten alle was von dir oder niemand. Darum war der Arbeitsalltag im Derwent auch meist recht stressig. Jedoch war die Arbeit nicht nur Arbeit sondern auch eine ganze Menge Spaß. Schließlich war ich Teil eines Teams, das allerdings nicht so international war wie gedacht, sondern zu 90% aus Polen bestand. Leider waren deren Polnischkenntnisse weitaus besser als ihre Englischkenntnisse, so dass ich und der Rest der nicht-polnischen Minderheit uns doch so manches Mal ausgeschlossen fühlten. Soviel Polnisch auf einmal, war doch ein bisschen viel für mich. Mal abgesehen von den Sprachproblemen und kleinen Missverständnissen, hatten wir sowohl im als auch nach dem Dienst eine gute Zeit.

Doch abgesehen von weitestgehend netten Kollegen hatte das Derwent auch zwei sehr nette Restaurantchefs und zeitweise sogar den ein oder anderen Supervisor, d.h. jemanden der direkt die Arbeit der Servicekräfte überwachte. Abgesehen von den wiederholten Kontrollen gab es auch externe Kontrollen, für die man so manches Mal den Lappen schwingen durfte.

Wenn wir mal nicht mit "sidejobs" beschäftigt waren, d.h. zusätzlichen Aufgaben neben dem normalen Arbeitsalltag, hatten Angestellte vom TLH auch so manchen Vorteil. So durfte ich kostenlos das Schwimmbad mitbenutzen oder gegen eine geringe Gebühr ins Fitnessstudio und auch die Bezahlung war sehr gut. Außerdem durfte ich vor bzw. nach jeder Schicht in der Kantine kostenlos essen, so fern man das englische Essen mochte ;-)

Sicherlich waren die englischen Essgewohnheiten anfangs eine Herausforderung, doch abgesehen von "bacon, sausages, baked beans und brown sauce" gibt es auch "apple pie mit custard (vanillesoße)" und jede Menge Supermärkte mit einer großen Auswahl an Keksen und Schokolade, so dass man sich nicht wie in einem Dritte-Welt-Land rein essenstechnisch fühlen musste.

Alles in allem muss ich heute sagen, dass ich es nicht bereue nach England gegangen zu sein. Vielmehr habe ich in diesen sechs Monaten eine ganze Menge gelernt. Nicht nur, dass diese Erfahrung auf beruflicher Ebene mich endgültig davon überzeugt hat Tourismus zu studieren, was mir eine ganze Menge Spaß macht. Auf der anderen Seite habe ich viel über Toleranz gegenüber anderen Kulturen mit all ihren Eigenheiten gelernt und erkannt wie schwierig es sein kann in einer WG ohne Privatsphäre zu leben. Auch die großen und kleine Katastrophen, wie der Ausfall der Heizung für eine Woche mit garantierten Frostbeulen oder einfach mal verschlafen haben und zur Arbeit joggen, sind im Nachhinein mehr oder weniger lustige Anekdoten, aus denen ich doch auch gelernt habe. ;-)

Ich wünsche allen Interessenten eine gute Zeit in der UK!

Farewell...

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