Ein Jahr am ‚schönsten Ende der Welt'
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bei 2 Bewertung; 3 Terms ab Februar 2007 ]
Heute ist der 28.01.2008 und ich bin seit einer Woche wieder zurück in Deutschland. Es kommt mir vor wie gestern, dass mir die Idee kam, nach Neuseeland zu gehen, ein Land von dem ich anfangs nur wusste, dass es ganz weit weg noch hinter Australien liegt und eine unbeschreiblich schöne Landschaft hat. Von dieser Idee bis zum Tag des Abflugs raste die Zeit nur so davon und als ich dann im Flieger schon über Neuseeland war, dachte ich nur: Oh mein Gott, ich kann's nicht glauben, ich bin wirklich hier!'.
Ich erinnere mich noch so gut an meine Ankunft in Napier, der kleinen Stadt an der Hawkes Bay. Meine Gastfamilie kam zu spät und so war zuerst nur mein Koordinator am Flugplatz. Mit jeder Minute, die wir warten mussten, wurde ich immer nervöser. Ich werd nie den Anblick vergessen, wie mein Gastbruder dann angerannt kam (die anderen hinterher) und sich völlig atemlos entschuldigte, wie spät sie wären. Im nachhinein muss ich darüber lachen. Ich habe mich super gut mit ihnen verstanden und habe mich sehr wohl gefühlt. Schon nach kurzer Zeit fühlte ich mich als Familienmitglied und gemeinsam haben wir die guten und auch die nicht so guten Zeiten durchlebt.
Natürlich ist jede Gastfamilie anders und man sollte keine übersteigerten Erwartungen haben, aber noch wichtiger, keine Vorurteile. Ich habe viele verschiedene Familien kennen gelernt und sie alle waren total nette Leute. Ich hatte gedacht, dass es ja eigentlich langweilig ist, wenn man z.B. nur eine Gastmutter hat, aber die Frau, die ich kennen lernte, war total unternehmungslustig und hat ihren Schülern viele Freiheiten gelassen. Andere Familien haben dagegen mehrere Kinder, seien es nun eigene und/oder mehrere Austauschschüler, die sie aufnehmen, weil sie viel Platz haben und den Kulturaustausch genießen. Da ich Einzelkind bin, habe ich mich anfangs immer gefragt, ob ich damit klar komme, Geschwister zu haben. In dem Jahr habe ich gelernt, wie schön es ist, welche zu haben und finde unser Haus jetzt viel zu still. Manchmal kommt es aber auch vor, dass die Chemie zwischen Familie und Schüler nicht stimmt, doch am Ende hat noch jeder ein Zuhause gefunden in dem er sich sehr wohl fühlte.
Als ich dann also den Flug überstanden hatte und endlich bei meiner Gastfamilie zu Hause war, kam dann in den nächsten Tagen der sogenannte Kulturschock. Auch wenn ich schon von einigen Sachen gehört hatte, hat es schon ein Weilchen gedauert, sich an die Neuheiten zu gewöhnen. Zum Beispiel werden Zimmertüren nicht geschlossen und am Tisch haben wir auch nur selten gegessen. Es war normal auf dem Sofa zu sitzen oder ganz auf dem Boden vorm Fernseher, der auch mal lief, wenn keiner zuschaute. Auch außerhalb der Familie gab es so viel Neues. Autos fahren auf der andern Seite, Geschäfte schließen pünktlich um 5, Sonntags fährt in Napier kein Bus und richtige Brötchen können die Neuseeländer leider nicht backen. Aber Neues ist ja nicht schlechter oder besser, sondern einfach nur anders. Und schon nach ein paar Wochen konnte ich es mir schon nicht mehr anders vorstellen.(Obwohl ich ja doch die Brötchen vermisst habe...)
Mit der Sprache hat man auch schon bald keine Probleme mehr. Man macht sich ja zuvor immer sorgen, ob man die Leute auch versteht und es nicht zu großen Missverständnissen kommt und so. Ich weiß noch, dass ich einen Lehrer am Anfang überhaupt nicht verstanden hatte, weil er meiner Meinung nach so schnell gesprochen hat. Schon nach kurzer Zeit jedoch war ich so drin im Englisch, dass er dann plötzlich auch ‚ganz normal' gesprochen hat. Irgendwann fängt man dann auch an in Englisch zu denken und zu träumen und am Ende fällt es einem dann schwer wieder Deutsch zu sprechen. Als ich gerade ein paar Tage wieder zurück war, wollte ich was bei Subway bestellen (was ich in Deutschland nie zuvor gemacht habe) und hab nach Gewohnheit natürlich angefangen in English zu bestellen. Die Verkäuferin sah mich an, als wäre ich vom Mars. Naja, auch Deutsch ist `ne schwere Sprache.
Schule in Neuseeland ist so ganz anders als in Deutschland. Jedenfalls denke ich, dass die meisten Schulen dort so sind wie meine, Taradale High in Napier. Es war ganz normal, dass man nur 6 oder 5 Fächer hat. Man kann auch Fächer wählen, die es an vielen Deutschen Schulen gar nicht gibt. Das würde ich jedem empfehlen- probiert was neues aus! Ich hab z.B. Drama gehabt und Kunstgeschichte. Andere interessante Fächer die es an meiner deutschen Schule nicht gibt sind Design, Media, Textiles und Fotografie. Es ist auch normal dass Schule um 15:00 endet. Am Anfang hatte ich ein Problem damit, dass ich plötzlich so viel Freizeit hatte. Aber dem war schnell abgeholfen. Es gibt so viele Musikgruppen, Sportteams und andere Projekte. Da ist für jeden was dabei. Ich habe Fußball gespielt und war bei ‚stage challenge' mit dabei. (Das ist ein kurzes Bühnenstück bei dem tänzerisch ohne Worte eine Geschichte erzählt wird. 10 Schulen aus der Hawkes Bay sind gegeneinander angetreten.) Es gab auch noch viele weitere Wettbewerbe zwischen Schulen, sei es nun im Bereich Sport, Musik oder Kunst etc. Das Motto "Schule macht Spaß" ist in Neuseeland meiner Meinung nach möglich!! Ach ja, und wer glaubt, dass Schuluniformen doof sind, wird sich noch wundern. So schlimm sind die gar nicht und am Ende möchte man die gar nicht wieder hergeben.
Jedenfalls kann ich nach diesem Jahr eindeutig sagen, für mich ist Neuseeland (nicht nur landschaftlich) wirklich das schönste Ende der Welt! Ich habe eine zweite Familie und Freunde fürs Leben gefunden und eine Kultur kennen gelernt, die mich um Erfahrungen und Erinnerungen reicher gemacht hat. Ich musste dieses Land nun wieder verlassen, aber "Memories are forever, never do they die. Friends stick together and never say goodbye." So habe auch ich bei meinem Abschied nur gesagt "see you later", und konnte mit etwas weniger Abschiedsschmerz die Heimreise antreten.
Viel Glück euch Neuen, vielleicht wird Neuseeland ja auch für euch zum schönsten Ende der Welt'.
Eure Alicia
Heii ich geh im Januar für ein halbes Jahr auch auf die Taradale High und hab jetzt schon einn bisschen Angst... hoffentlich verstehe ich alles, aber so wie du das beschriebst, muss es ja echt toll sein... ich hoffe bei mir wirds genauso :) LG