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06. August 2005
Mein NZ-Tag
6:04 Aufstehen, Frühstücken: Skippy-Cornflakes mit Hubardts Müsli(süß) in Trimmilch und ein warmes Getränk (Tee oder Milo oder ähnliches) Abweichung: Kiwi, Feijoas, diese orangen Dinger, Apfel etc.
6:25 Joggen: Poole Street, High St, Tudor St(alles durch das schlafende Örtchen), Harbour St (Golfplatz), Walkway an der Bucht durch Motueka Sandspit Reserve. Ich werde empfangen von tollen Farben am Horizont über der Berkette von Nelson auf der anderen Seite der Bucht natürlich unter wolkenlosem Himmel, denn morgens gibt es hier keine Wolken. Das Gebirge des Kahurangi National Parks schützt Mot vor der Suppe der Westküste. Außserdem treffe ich Pokekos, andere singende Vögel, ein paar Kühe. Dann Staples St durch Kiwi- und andere Plantagen, High St, Parker St an Hopfenplantagen vorbei, Wilki St, Fry St (Fry ist der Typ aus Futurama, ich hab Carling gefragt), Atkins St, Poole St
7:25 Judy bergrüßen, Zähne putzen, duschen mit teurem Shampoo, Judys Conditioner, Schnäppchen Waschzeug und teurem Gesichtswaschzeug. Anziehen ( eine Menge, aber keine Jacke)
8:20 mit Judy zur Schule fahren, im Commonroom oder sonst wo rumhängen.2 Stunden Unterricht, dann Assembly (Zeremonie mit Neuigkeiten) oder FormClass(mit Sebastian Kleinen helfen),halbe Stunde Pause, d.h. irgendwo rumhängen im Commonroom oder mit der Zwölften draußen. Meist eine Kiwi und nen Apfel essen, dazu verdünnten Saft trinken. Dann 2 Stunden und danach lunch Pause, auch diese oft im Commonroom oder nen Kaffee trinken, Sportzeug holen, Informationslauf von Person zu Person( sind halt auch nur Beamte ;-) ) oder ins Internet, ich hab mir jetzt n passwort geholt. Kiwi obligatorisch, das orange Zeug, andere Früchte (zB Ananas ganz günstig hier für 2 $), dann die letzte Stunde und Schulende um 15.20.
Mein Stundenplan:
Montag 8.45 | Dienstag 9.00 | Mittwoch 8.45 | Donnerstag 8.45 | Freitag 8.45 |
| PE | Bio | OE | OE | MT |
| OE | CH | PE | OE | CH |
| Assembly | | Formclass | Formclass | Assembly |
| OE | MT | CH | PE | OE |
| Bio | PE | MT | Bio | OE |
| CH | OE | MT | Bio | OE |
Zu den Fächern:
PE Physical Education Year 12: im Moment Biomechanics, dann Golf - nette Leute, viel Spaß
OE Outdoor Education: im Moment Navigation, dann Lead climbing - super coole Truppe, viel Spaß
Bio Biology: im Moment genetics, dann evolution - nette Leute, geht so
CH Chemistry: im Moment Tritration - sehr interessant
MT Metal arts: ich baue eine Schmuckkiste aus einheimischem Holz - interessant
Leider gab es kaum "Fun"- Fächer zu wählen. Horticulture, was ich wollte, war nur bei Correspondance, gelehrt aus Nelson oder Wellington: nicht für International Students
15.20 Sport: habe Rugby ausprobiert, werde ich wohl nicht weitermachen. Die Leute sind überwiegend blöd, haben mir nichts erklärt. Versuche dann bald Hockey und Netball. Sonst Sportgames anschauen. Aber auch mal in die Stadt. Einkaufe machen mit Svea, Isabell und manchmal auch anderen Deutschen.
Zu den Kiwi-Teenies habe ich noch nicht allzu viel Kontakt, bekomme ihn aber immer mehr.
Der Nachmittag ist schnell rum. Gegen 6-7 pm gibt es tea, für mich zu spät. Oft Veges(Kumara, Pumpkin, Süßkartoffeln, Blumenkohl, Broccoli, Pastinaken, Möhren, Paprika etc) gebacken, in asiatischer Soße oder gedünstet. Reis und Kartoffeln sind nicht selten. Einmal gabs Nachos mit Bohnen, einmal selbstbelegte Pizza ( haben immer vegetarischen Käse im Haus) und gestern Fish&Chips ? pfui!. Nachtisch ist normal; HockeyPockey Eis oder Apfel-Brombeer Pie mit Eis (oy wie lecker! Zuckerloses warmes Fruchtmus mit Kruste). Selbstgemachte, leckere Cookies sind immer greifbar.
Abends guck ich Fernsehen, lese dabei, maile, geh jn besuchen oder mittwochs Töpfern ( großartiger Spaß). Außerdem packe ich jeden Abend mein Lunch und versuche immer mal hier und da zu helfen (Waschen, Bügeln, Geschirrspülen[kein Spüler]). Wochenende ist unterschiedlich, meist schauen wir uns die Gegend an. Sonntags mache ich Kanutouren.
Die Ausnahme ist hier übrigens die Regel, jeder Tag ist anders, deswegen ist es sehr schwer den "Alltag" zu beschreiben. Die Engländer sind gerade abgefahren und am nächsten Tag kommt schon der nächste Besuch. Habe noch viel vor.
Ich fühle mich hier nach wie vor total wohl, kann mir nicht vorstellen hier wieder weg zu müssen. Alles läuft immer besser.
Alles Liebe, ganz dicke Grüße
Eure Alice
1
11. August 2005
Hi meine Lieben!!!
Ich habe immer noch viel Kontakt zu den Deutschen. Aber fühl mich schon ziemlich integriert. The social am Montagabend war ganz toll. Habe den Preis für das beste Kostüm gewonnen. Thema Hollywood. Weißaber nicht, was ich war. Leider war ich da schon nicht mehr da. Mir wurde es nur am Dienstag in der Schule erzählt.
Es war wirklich sehr hilfreich, dass Judy und Oli bereits die beiden englischen Rugbyspieler und dann den Rockclimber aus Lincoln aufnahmen. Die Party am Freitag mit den Engländern war schon lustig, aber das Fest mit Lincoln hat mir mehr gefallen. War ein bisschen Wolters Style. Das Wochenende war sowieso toll. Freitag war ich abends, nach dem genialen Trip nachmittags mit der OutdoorEd in den AbelTasman Park, wo ich Delfine sah, mit Krystal, James, Josefine (zwei Freunde von Krystal), Carling und Tom ( den Rugbyspielern) im HotMamas nen Kaffeetrinken.
Danach ging ich mit Carling und Tom zu ner Party. War interessant. Nur komisch, um Mitternacht wieder gehen zu müssen. Alkohol in Grenzen, was meint manche richtig voll, andere nüchtern und es war nett nicht die einzige Nüchterne zu sein. Samstag nach Abfahrt der Engländer war ich joggen und Netball anschauen. Haben dort ein paar Leute getroffen. Abends waren wir auf Alisons Geburtstag. So was läuft hier anscheinend anders. Die Gäste zahlten selbst für ihr Buffett und teilten es mit vielen anderen Gästen. Außerdem sind Restaurants hier generell viel simpler als in Deutschland. Cafes haben hier mehr Atmosphäre. Essen war aber ganz okay.
Sonntag wollte ich Wakaama fahren. Wurde nur ne kleine Runde im traditionellen Kanu, was sich im Aussehen und Paddelweise sehr von Kanadiern unterscheidet, da der Verein für Wettkämpfe trainieren wollte. Mir wurde aufgrund der Wellen, der Tatsache, dass ich zu warm angezogen war, und dem ständigen Richtungswechsel ein wenig schlechtund war froh über die Kürze. Dafür hatte ich dann noch Zeit mit Oli Pukeone, den höchsten "Hügel" im Umkreis zu erklimmen. Wie immer, wenn ich wandere, in Wolken und diesmal sogar mit Regen.
Sowieso ist das Wetter im Moment nicht so pralle. Oft Regen. Ich fühl mich aber wärmer und seit ich Golf lerne bei bzw. zusammen mit Sam,unserem Lehrer, der das auch nicht im Geringsten kann (ich dachte, das wäre ein Scherz von ihm), bin ich auch nasse Füße gewohnt.
Sonntagabend ging ich mit Gareth, dem Lincoln Exchange Student, in Sveas Baptistenkirche. Nette Leute dort, merkwürdige Vorträge (viele von euch kennen ja diese Reden, die man so gerne verdreht), Musik mittelmäßig (einziger Unterschied zu D). Also ab mit Svea und Garethins zu HotMamas. Übrigens nicht unser Lieblingscafe, obwohl der Hippistyle cool ist ( haben hier viele Hippigemeinden und Buddhiste nund andere Alternative). Ich bevorzuge das Espresso. Verdammt gute Sachen, günstig, ultra nette Leute!!! Man muss hier oft Kaffeetrinken gehen, da Neuseeländer grundsätzlich kein Bohnenkaffee zu Hause haben.
Ich habe kaum Zeit zu Hause, aber trotzdem habe ich jetzt mein 1.englisches Buch angefangen, ein Kinderbuch, aber immerhin. Mir gefällt es hier immer noch und es überschlagen sich die Dinge, die ich noch machen will, z.B. von Judy, eine begnadete Bäckerin, Pie-muffins und Cookies backen lernen.
Dienstag habe ich zum ersten Mal mich dabei ertappt, zu denken, dass es in Deutschland besser ist. Und wieso? Ich bin so krank von diesem ganzen Zucker-, Farbstoff- und Zusatzstoff-Essen, was mal fettfrei und dann wieder überladen mit Fett ist. Die haben einfach keine Gewürze im Haus. Es fiel mir schwer, aber ich konnte nicht anders, als Judy zum Kauf von Tofu, Couscous, Soyasauce, Kichererbsen ohne Zucker (selbst das ist schwer!!!) und Bohnen zu bewegen. Endlich gab es auch mal Salat und Dressing war wahlweise, was ich natürlich nicht nahm, den so etwas Feines wie Balsamico kann keiner kennen, der nicht den Unterschied zwischen pflanzlichen Ölen und Oliven-, geschweige denn Walnussöl kennt. Das ist nicht generell in D besser, aber ich mag Judy ja nicht ins Reformhaus schicken, wenn sie im Supermarkt Organic Food meidet.
Ich habe beschlossen Hockey zu spielen. Endlich mal ein Sport, wo die echt schlecht sind, also für ein Schulteam. Ich falle nicht auf, was viel bedeutet! Fußball, wo die auch nicht so begnadet scheinen, ist heute in den Matsch gefallen.
Ich gehe hier in die Schulgeschichte ein als Alice mit den "funky" Haaren, die den Metal Arts Raum zerlegt. Zweimal ist mir das schon um die Ohren geflogen, einmal war es meine Schuld - ups. Nebenbei muss ich mit meinen Wünschen aufpassen, da die irgendwie früher oder später Wirklichkeit werden.
Danke an alle, die mir das hier ermöglichen!!!
Liebe Grüße
Eure Alice
2
15. August 2005
Moin meine Lieben!
Mir geht es immer noch prima. Die Zeit fliegt dahin, ich bin ja schon fast einen Monat weg und möchte mir nicht vorstellen so bald wieder abreisen zu müssen.
Mein Wochenende war klasse. Die Party am Freitag war zwar eher abschreckend, aber sie hat was gebracht. Unter anderem Freunde. Steph, Daves Schwester, und ich haben uns super verstanden, wir wollen Samstag zusammen zum Kina Strand. Ich hatte gleich ein paar Leute, an die ich mich bei der Party am Samstag wenden konnte, um der deutschen Ecke zu entfliehen, die es bei der am Freitag nicht gab, da kannte ich ja nur ne Handvoll. Irgendwie krieg ich das jetzt auch immer hin gefahren zu werden, ohne meine Gasteltern ständig zu belasten, die ja sonst schon soviel für mich tun. Apropos Fahren, Judy, Oli und ich hatten mal wieder ne Panne am Sonntag, die uns die Heimfahrt von Takaka ziemlich erschwerte.
Oli und ich waren nämlich einmal mehr wandern. Was ich wirklich genieße, denn wer mich kennt, weiß, wie wohl ich mich in der Natur fühle. Bei den Gängen durch die traumhaft faszinierende Landschaft reden wir über die Vergangenheit, Weltprobleme, Bauern, Lebensziele und was uns noch so in den Sinn kommt.
Das ist ein ganz anderes Leben als die Partygemeinschaft der Teenager. Es wird viel getrunken und was Teenager halt machen, wenn sie nicht die Möglichkeit haben in Discos und andere Öffentlichkeiten zu gehen. Schön, beides zu erleben und keine Sorge, man muss nicht allein nüchtern sein - Fahrer gibt es immer und Alkohol zu wenig und meist eklig.
Zu unserer letzten Sonntagstour: Wir wanderten den Wainui Track durch den wundervollen Abel Tasman NP. Das Wetter war einfach genial, das verschaffte uns großartige Ausblicke. Wir mussten den Wainui River einige Male über/durchqueren und der Track war manchmal abenteuerlich, aber easy. Nichts gegen unseren Mountaineering Trip, aber aufregender als Pukeone. Sehr empfehlenswert.
Samstag war ich in Nelson eigentlich auf einem Musikkontest helfen. Das zweite Mal und ich genoss die kultige, leckere Cafészene in dieser schönen Stadt. Der AnzacPark ist besonders schön mit seinem Denkmal zwischen Palmen. Außerdem lies ich mir auf Judys Kosten eine fabelhafte Falaffel schmecken und beging die Sünde eines normal großen (riesigen) Milchshakes. Yummy!
Die Party Samstagabend war gut. Ich bin dabei, mich mit einigen anzufreunden, wie ich jedoch schon vielen erzählt habe, vermisse ich den Kontakt zu Altbekannten. Es sind andere Arme, die dich hier umschließen. Es fühlt sich anders an. Nicht unbedingt schlechter, aber es fehlt an Vertrautheit.
Ich finde immer mehr Leute, die zu mir passen, die graue Masse nimmt verschiedene Farben an. Svea zum Beispiel passt meiner Meinung nach nicht unbedingt so gut, wie ich mit ihr Zeit verbringe. Na ja, ich komme außer in ganz dunklen Minuten mit allen klar. Dafür werde ich mehr Zeit mit Christin verbringen, habe ich mir vorgenommen. Amy, Sarah, Sophi, Nairy und Jenni, scheinen näher als andere.
Was mir hier nicht ganz so glücklich stimmt, ist der Fakt, dass Ziegen, Possums und andere unschätzbar wertvolle Kreaturen als Pest, was sie ja durch Menschenhand auch geworden sind, geschossen werden. Es wurden und werden hier Fehler von Menschen begangen, aber vieles ist auch besser aus meiner Sicht. Es sind halt Menschen.
Ich versuche alles weiterhin neutral zu betrachten und meine Meinung MEINE Meinung sein zu lassen. Ohne Missionierungsversuche. Zu groß sind die Unterschiede auch wieder nicht. Christin und ich sind jedoch froh nicht in Amerika zu sein, da hätten wir mehr Probleme. Christin hat übrigens eine blau-weiße Angora. Wie kann man auf die Idee kommen, blaue Katzen als grau zu bezeichnen - (gemeinsames Kopfschütteln), wie ich meinen Eddi und selbstverständlich auch Lea vermisse.
Sehr interessant ist die Koexistenz von Maori- und europäischer Kultur. Die Maorikultur und die Vegetation geben der Gegend einen exotischen Flair und fremden Touch. Aber ich beschwere mich nicht, wenn die Jungs sich oberköperfrei auf der Bühne im Haka battlen. Haka ist ein Maoritanz zum Beeindrucken und Einschüchtern des Gegenübers, dient der Darstellung von Stärke und Individualität. Mädchen machen den übrigens auch. Als Antwort muss man selbst ein Lied bringen. Zum totlachen als die englischen Rugbyspieler ein schiefes Kirchenlied sangen, sie waren halt in keinem Musikaustausch.
Die anderen Austauschschüler haben größere Schwierigkeiten mit dem Einleben. Einige wollen schon wieder nach Hause. Viele meinen die Leute wären unoffen/-freundlich. Ich erlebe ganz anderes, ich glaube, es hängt viel von deinem eigenen Entgegenkommen ab.
Ich mag gar nicht daran denken, wie wenig Zeit mir bleibt und die Neuseeländer, die mich immer öfter fragen, wie lange ich bleibe, sind meist ganz enttäuscht, wenn sie meine Antwort hören. Ich hoffe, dass sie das nicht davon abhält, sich trotzdem mit mir anzufreunden. Viele Probleme sind gelöst (ernähren kann ich mich jetzt gesund und ich schlafe auf einer Wärmedecke), andere Ungereimtheiten bleiben, z.B. ob Judy möchte, dass ich mehr im Haushalt tue oder weniger. Außerdem frage ich mich, ob sie genervt oder enttäuscht ist, dass ich so oft unterwegs bin. Ich bin mir da halt nie sicher.
Leute mit nach Haus bringen, wie heute zum Porridgekochen ist aber, bestimmt kein Problem, so freundlich wie sie immer jeden einladen. Ich denke, das ist in Neuseeland üblich, so oft wie ich eingeladen werde. Und wenn das nur so dahin gesagt ist, dann kann ich auch nichts dafür, es falsch zu verstehen.
Wir lachen meist herzlich über die Löcher, in die ich falle. Zum Beispiel Anträge machen, obwohl ich nur was vorschlagen wollte oder meine toten Hände auf dem Berg (es war ja nur "dye"). Das Verhältnis zu den Lehrern ist nett. Nicht so freundschaftlich, wie ich es in Schweden erlebt habe, aber genauso nett wie in Deutschland oder netter, wie mit den Outdoor Ed Lehrern. Mit Sam Russek könnte man sich gar anfreunden.
Lange Mail, liegt an dem heutigen Schultag: drei Freistunden plus einmal Vertretung und Bio.
Viele liebe Grüße
Freue mich über Nachrichten von euch
Auch Alltägliches, das lässt man so gerne weg, und hier fehlt es.
Eure Alice
3
19. August 2005
Hi meine Lieben!
Was darf ich euch schreiben? Ich glaube, der Alltag ist eingetreten. Ich bekomme ab und zu mal ne Stunde zum Lesen und gehe um halb zehn meistens ins Bett in der Woche. Schlafe aus (kein Scherz, ohne Wecker stehe ich zwanzig Minuten später auf)! Schule ist leider (hoffentlich) nicht alltäglich. Die meisten Lehrer fehlen irgendwie und die meiste Zeit sitzen wir nur rum und tun gar nichts. Letzte OE Stunde habe ich mich über Kürbis, Eisen und Tramping schlau gemacht und viel gegessen, letzte PE-Stunde mit Lexi, Akiko und Rie verquatscht. Unterhaltungen mit den Japanerinnen sind schon ultra schwer, aber wenn du auch noch von den Stunden vorher eingeschläfert wurdest?
Das einzige Fach, wo wir noch arbeiten, ist Bio. Donnerstag nachdem ich viel zu müde für das Fußballtraining war, an dem ich teilnahm(das letzte diese Saison), haben mich Akiko und Rie zum Badminton mitgenommen. Die neuseeländischen Jugendlichen haben in diesen Tagen nicht allzu viel Zeit, da nächste Woche Examwoche ist. Ein paar von uns Deutschen gehen stattdessen wandern. Drei Nächte im Abel Tasman Park, ich bin gespannt.
Das Problem mit dem Essen ist aufgehoben. Konnte gestern sogar einen Muffin essen. Letzte Woche hätte man mich damit jagen können. Judy macht jetzt oft Salat-yummy!
Irgendwie ist sonst nicht allzu viel passiert. Über Pläne schreibe ich erst, wenn sie ausgeführt sind, denn davon gibt es viele. Ein Hinweis, an jeden, der auch ein Austauschschuljahr macht: Die sagen uns zwar, die Damen im Office würden unsere besten Freunde werden- Vergiss es! Die sind so ziemlich die unhilfreichsten Leute, die du in Neuseeland treffen kannst, abgesehen vielleicht von manchen Autofahrern und einigen Deutschen.
Ich habe mich inzwischen fast vollständig ans neuseeländische Leben gewöhnt. Ich weiß zwar meine elektrische Wärmedecke, auf der ich schlafe, zu schätzen, auch wenn mich die Kälte nicht mehr so nervt. Der Instantkaffee schmeckt mir und die na sagen wir mal plörrige Welt springt mir nicht mehr so ins Auge. Was ich mit plörriger Welt meine? Weniger Rundungen, viele Unperfektheiten (manches sieht provisorisch aus), viel Ausgelutschtes (Autos, Sofas etc), manch Dreckiges. Neuseelanddreck ist allerdings nicht so dreckig wie deutscher Dreck. Die Wälder sind es sowieso nicht, da ist man immer sauber und der Zivilisationsdreck fühlt sich auch ein Stück sauberer an. Nur die Rauchschwaden morgens und abends, wenn die ihre Öfen anschmeißen und einfach alles verbrennen, stören mich auf dem Gebiet. Viele liebe Grüße
Eure Alice
4
22. August 2005
Gidday der Heimat,
jetzt bin ich müde. Eben habe ich mir erst Bio angeschaut. So kurz durchgeblättert, schreibe ja gleich das Examen und dann habe ich mich ein wenig in Alkane eingearbeitet. Ich wollte jetzt die News lesen, meine Augen und mein Kopf wollen aber nicht mehr. Ist in Ordnung. Mathe habe ich so kein Bock drauf. Sollte mir das zum Verhängnis werden, zieh ich hier in die Hügel und werde Selbstversorger.
Ich fühl mich hier immer wohler. Die Sprachbarriere schrumpft auch, kann mir aber nicht vorstellen hier nach ein paar Monaten Englisch sprechend abzureisen. Es gibt so viele Vokabeln, die ich nicht kenn. Vor allem auf Parties unter Jugendlichen kann das sehr störend sein, weil man nicht alles nachfragen mag und nicht immer mitlachen kann. Da muss man durch. Ist aber auch kein Problem, wenn man so herzlich aufgenommen wird, wie ich auf der letzten Party. Auf der ersten saß ich noch mehr so allein rum und es war mehr Kümmern ums Austauschschülerchen, wenn Leute mit mir geredet haben, jetzt ist es mehr - ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll, man freut sich einander zu sehen, hat Spaß zusammen. Dass man neu und fremd ist, wird oft vergessen und andererseits manchmal als Gesprächsthema genommen. Pauschalisieren sollte man meine Erfahrungen nicht. Spreche ab und an mit den anderen International Students und viele fühlen sich hier noch nicht integriert, vor allem die in Year 12 beklagen sich über fehlende Kontakte. Sie sind aber ja ein ganzes Jahr hier und können sich Zeit lassen. Außerdem sag ich ihnen auch immer wieder, dass sie ruhig mal mitkommen können auf ne Fete, da die Feten meist für alle sind. Ich bin zwar auch noch nicht irgendwo ohne Einladung erschienen, aber das ist hier sonst ganz normal. Nachteil am Year 13. Deine Mitschüler, zumindest die, die Schule ernst nehmen, haben oft keine Zeit, weil viele Examen anstehen und Unibewerbungen, Stipendien, halt der ganze Abschlussstress.
Gestern (Sonntag) waren wir auf einer Ökomesse, hat mir natürlich super gefallen. Es war extrem cool sich mit NZ-Ökos zu unterhalten. Habe lange mit einer Greenpartymember und einer Frau von Birds&Forest, dem Naturschutzverein geredet, ich kam beglückt von der Erkenntnis, dass NZ auch so etwas bietet, und vollgestopft mit Infomaterialien und anderen Handouts aus der Messe und dann stiegen Oli und ich zum Centre of NZ auf. Omaweg durch ein paar native Bäume und das ganz nah aus der Stadt heraus. Nicht zu vergessen das massive Icecream auf dem Heimweg, 1 ½ Kugeln sollen das gewesen sein. Judy will mit mir im Sommer hin und das größte Eis für mich kaufen, weil ich schon so impressed von dem "Kleinen" war. Sorry, wenn mal englische Ausdrücke reinfallen, ich lasse mir nicht die Zeit nach deutschen zu suchen, wenn mir nur einer einfällt. Am Wochenende ist immer Bombenalarm - TXT-Bombenalarm. Gestern hörte mein cellphone(sag niemals Handy, gibt Gründe) gar nicht mehr zu Piepen auf. Ist ja am Wochenende alles umsonst zwischen Vodafone. In der Woche schreibt dann kaum jemand. Heut Morgen gab es dann für mich eine riesige Überraschung. Ich stellte mich auf die Waage und sie zeigte mein Traumgewicht, gut, das war nie so weit von meinem eigentlichem Gewicht entfernt, aber ich habe mich trotzdem gefreut. Ohne auf Süßes verzichten zu müssen, ohne Hunger, ohne große Einschränkungen(den dritten Muffin habe zwar ich nicht genommen und nur ein "kleines" Eis gegessen) bin ich drauf gekommen, jetzt denke ich darüber nach, ob ich lieber auf meine vierte Sportart verzichte, mehr esse oder süßer, fettiger esse... Mal schauen, Gewicht halten kann ja nicht so schwer sein.
Freue mich immer riesig, von euch zu hören Und wenn es nur ist: alles ist wie immer, mir viel heut morgen der Kaffeebecher aus der Hand. Dann denke ich an Kaffeebecher zu Hause, die heil sind, aber nicht so schön getöpfert, wo ein Geschirrspüler sie wäscht und sowieso alles mit warmen Wasser gemacht wird, Wäsche wird hier nämlich kalt gewaschen. So riesig können kleine Unterschiede sein. Viele Grüße Eure Alice
5
23. August 2005
Moin der Heimat!
Ich wollte mich nur noch einmal melden, bevor ich die nächsten vier Tage wandern gehe und danach den Rest der Woche in einer Baptistenpastorenfamilie verbringe...
Judy und Oli fahren ja zu einer Hochzeit nach Auckland. Ich möchte eigentlich lieber allein zu Haus bleiben, aber habe Judy nicht gefragt, da sie das schon arrangiert hatte. Kinder sind hier besser umsorgt, glaub ich. Mit der Selbstständigkeit hat es hier Grenzen.
Freu mich aber auf unsere Spaziergangtour und auf die Hütten. Ach, auf die Stände, Delfine, Robben, Vögel und den Wald natürlich auch. Hoffentlich reichen die 200 Bilder meiner Kamera für die vier Tage. Wir sind 6 Gastschüler, die in den Tasman Park aufbrechen. Erste Nacht Anchorage, zweite Bark Bay und dritte Awaroa Hütte, wenn ihr uns auf der Karte folgen wollt. Am Samstag dann mit dem WaterTaxi zurück nach Marahau. Ich verstehe mich gut mit meinen Gefährten (Isa, Christian, Judith, Svea und Barbara). Gestern hatten wir uns auch in großer Gruppe getroffen, leider hatten drei schlechte Laune, zwei davon kommen aber nicht mit. Für die Ein-Term-Leute ist die Hälfte der Zeit um... das bedeutet ein Viertel meiner Zeit. Die Uhren ticken laut...
Am Montag habe ich zum ersten Mal ein wenig Ärger von Judy bekommen. Ich hatte mit Christian einen Film bei ihm geschaut und da die Videothek so weit weg liegt, war ich erst um halb zwölf wieder zu Hause. Ich hab echt kein Gedanken dran gehabt, dass das hier vollkommen unhöflich in der Woche ist. Ich hatte ja noch nicht einmal Schule in dieser Woche und war es von zu Hause anders gewöhnt. Ich hätte einfach vorher fragen sollen, nach NZ-Rules. Ich muss daran denken, dass das Normale hier nicht normal sein muss und der Hase anders läuft ( bzw. eine Pest ist... ;-) )
Tat mir dann natürlich furchtbar leid. Ist aber kein großes Problem geworden.
Viele Grüße Eure Alice
6
30. August 2005
Moin moin meine Lieben!
Alice im Wunderland? Wie wahr! Was ich in den letzten Tagen durchquert habe, ist das Schönste, was ich je gesehen habe und ich weiß, wie wunderbar Schweden oder auch viele andere Stellen sind. Ich kann diesen Park nicht gut in Worte fassen. So wie die Landschaft im Abel Tasman, so habe ich mir die Karibik oder die Tropen vorgestellt. Gut, weniger Farben durch die fehlende Blütenpracht. Jedoch meterhohe Farne (sehen wie Palmen aus), richtige Palmen, so was Lianenartiges, die Strände, gleichzeitig die vielen exotischen Vögel und die Seelöwen, spielend im Wasser, schlafend auf Felsen. Ich sah auf der Rückfahrt? War die genial- auch einen Pinguin. Der und die Seelöwen passen nicht so ins Karibikbild, ich weiß.
Mit den Mädels und Christian war es eine Menge Spaß. Wir gingen zweimal schwimmen und irgendwie gab es nie Langeweile, obwohl wir nur sehr wenig wanderten (3-4h täglich). Kochen nahm sehr viel Zeit ein. Es war sehr nervig alles Wasser drei Minuten zu kochen, bevor man es irgendwie benutzen durfte, aber begründet: Keiner weiß woher, aber Christian bekam Giardia, dieses Darmbakterium. Ich möchte hier nicht die Informationssteckbriefe, die überall im Park angeschlagen sind, zitieren (exploding?smelling?)
Es war alles in allem ein absoluter geiler Trip. Und das saugünstig. $30 für die Hütten, weil Nebensaison. Nur das fehlende Mobilnetz macht einen auf die Zivilisationsferne aufmerksam, in störender Weise. Ich hatte dadurch Samstag auch nichts vor. Wie habe ich das Wochenende Judy und Oli vermisst. Ich fuhr, wie Judy es arrangiert hatte, nachdem ich die Wäsche gemacht hatte, mit Olis Fahrrad zu Sveas Gastfamilie um dort die Nacht zu verbringen. Svea wusste natürlich auch nichts Gutes für den Abend. Ich radelte also noch mal zurück um mein Tagebuch zu holen, Mensch tat mir der Hintern weh vom zu großen Rad und nah ist es zu ihr auch nicht. Wir schauten dann Rugby. Super Spiel. Neuseeland ist ganz aus dem Häuschen. Die AllBlacks haben einen neuen Haka und gewonnen, womit sie die Chance auf den Sieg des Trinationcups haben. ?Wir? allerdings stimmt nicht. Svea ignorierte mich und vermied jeden Kontakt zwischen mir und ihrer Gastfamilie (incl. Katze). Ich glaub, sie fühlte sich unwohl, weil sie selbst kein familiäres Verhältnis zu ihrer Gastfamilie hat.
Am Sonntag verlies ich dann auch morgens früh ihr Haus und das Bett, was wir uns zu allem Überfluss hatten teilen müssen, fuhr nach Hause, frühstückte dort, ging joggen, danach zum Markt und in den Supermarkt um für meine Familie einzukaufen. Nach der gähnend langweiligen Lunchgartenparty, zu der ich eingeladen worden war, bereitete ich Tea für meine Familie vor. Isa half mir. Wir aßen dann auch zusammen von dem Salat. Es freute mich riesig, dass Oli und Judy den Nudelauflauf, den ich allein gemacht hatte, mochten. Sonst waren sie eher immer minder begeistert von meinem Essen. Außerdem fanden sie es toll, nach Haus zu kommen und warmes Essen zu bekommen.
Montag sprang ich zweimal von einer meterhohen Leiter. Ja, ich war verzweifelt, aber eher weil ich sprang. Wir übten von Felswänden fallen. Ich bin die leichteste in OutdoorEdClass, was bedeutet, dass ich besser falle, als halte, denn dabei fliege ich bei jedem anderen in die Luft. Zum Glück übte ich nur mit Svea, die nicht allzu viel schwerer ist, und Greg hielt mich fest.
In lunchtime holten wir, Christian und ich uns ein Eis, abends schauten wir einen Film mit viel Popcorn, da Judy eine Maschine dafür hat. Bis heute war es Sonne pur hier. Nur den 1. Tag unseres Ausflugs mussten wir im Regen starten.
Heute ists grau. Nicht nur das Wetter, meine Laune hält sich auch in Grenzen. Muss auch mal sein. Solang meine Familie da ist.
Liebe Grüße
Eure Alice
7
31. August 2005
Nach ein paar Stunden Regen kam die Sonne raus und wir erreichten die Hütte an diesem Strand (Anchorage), nebenbei bemerkt: Nicht das schönste Plätzchen, am nächsten Tag waren wir übrigens schwimmen, ich bin so dick angezogen, weil es abends immer sehr kalt wird.
2. September 2005
Moin meine Lieben,
alles sehr sonnig hier.
Die ersten beiden Tage dieser Woche waren nicht so dolle, aber Mittwoch wurde besser. In der Schule habe ich mich viel unterhalten und Unterricht war auch meist lustig. Vor allem PE. Da machen wir ja endlich was Interessantes seit unser supernetter Lehrer wieder da ist. Biomechanics. Ich persönlich finde es jedenfalls interessant. Dafür langweile ich mich schrecklich in Metal Work. Werde ich wahrscheinlich in Geschi oder Mathe tauschen, viel langweiliger können die Fächer nicht sein und es wäre ne Chance mit einigen meiner Lieblingsleuten gemeinsame Kurse zu bekommen.
Nach der Schule hatte ich letztes Hockeytraining, wie mich diese Saisonsystem im Sport nervt. Alle paar Monate musst du wechseln, spielst nur einmal die Woche, wenn es denn neben Wettkämpfen überhaupt Training gibt und das Team ist nicht unbedingt kameradschaftlich, die kennen sich zum Teil untereinander selbst nicht. Mir wurde erzählt, Sport wäre eine der besten Möglichkeiten Kontakt zu machen. Pustekuchen! Kirche ist übrigens auch nicht empfehlenswert. In der Anglican Church soll es besser sein ( habe von einer Freundin etwas von süßen Drumers gehört), aber in die Baptistenkirche habe ich ja schon einige Einblicke gehabt. Ich treffe da nicht die Leute, mit denen ich gerne und schnell Kontakt bekomme. Obwohl Jonathan, mit dem ich auch Badminton spiele, ganz nett ist. Ich empfehle OE, PE und Parties.
Mittwochabend war ich endlich mal wieder töpfern. Hat Spaß gemacht. Kontaktfaktor niedrig, aber Englisch kann man auch da sprechen. Donnerstag war ich mit Rie und Akiko im Cafe, habe viel über Japan gelernt. Ich glaube, ich kriege ne Menge Leute für unseren Wandertrip zusammen. Sie haben Interesse ebenso Zara und Amy. Mit denen und dem Rest der OEClass war es heute echt nett. Max hat sich köstlich über mich und mein Englisch amüsiert. Ab heute wird nur noch ge-kiddl-t. Abends war Badminton wie immer sehr spaßig.
Ich freu mich schon auf die nächste Schulwoche! (So was sage ich wohl eher selten in Deutschland)
Den Greymouth-Christchurch-Blenheim-Trip muss ich wohl auch nicht allein machen. (Allein heißt by the way nur mit Deutschen)
Viele Grüße
Alice
8
5. September 2005
Hi ihr daheim!
Am Samstag habe ich nach dem Hockeyspiel, das Mot High wie jedes andere in den letzten drei Jahren verlor, und einem kurzem Besuch in der Richmond Mall einen Käsekuchen gebacken. Mit richtigem Käse. Hüttenkäse, weil mein Wörterbuch "Quark" mit "cottage cheese" oder "curd" übersetzt. Auf dem cottage cheese im Supermarkt stand extra fett drauf, ihn für cheese cake zu benutzten( Ich frag mich was ne cheese cake hier ist). Jocelyn erzählte mir später, die kennen keinen Quark und, wenn, dann steht "quark" im Supermarkt drauf. Nächste Schwierigkeit: Rosely meinte, es gäbe keinen Pudding in NZ. Da merkt man, dass sie niemand für Arbeit (in Küche oder sonst wo) ist. Der Name sagt es ja irgendwie schon. Hihi.
Aber natürlich gibt es Pudding, Vanillesauce, Pulver für Vanillepudding und Pulver für Pudding an sich: "custard powder", das war unserem Puddingpulver am ähnlichsten. Von Oli weiß ich sogar, dass fast alle Desserts auch Pudding genannt werden. Ich tat dann einfach Vanilleessenz hinzu, denn auch Vanillezucker wird nicht benutzt oder verkauft, aber Judy kannte es wenigstens.
Des weiteren erwartete mich keine Springform, nur was Ähnliches viel zu Kleines. Die Form backte ich dann zweimal. Den zweiten Kuchen vergas ich aus dem Backofen zu nehmen. Der Samstagabend war eh lustig.
Erst mal zum Freitag; Freitagabend war ganz super. Wir gingen ins Kino in Nelson und schauten "The Skeleton Key". Genialer Film. Shocking war aber auch, dass es um sechs nicht mehr möglich war einen Milchshake zu bekommen. Kein Café hatte geöffnet in der Fußgängerzone. Nur noch Subway. Und das in Nelson (25000 Leute)! Freitagabend um sechs! Unglaublich! Supermärkte selbst in Mot haben täglich 7am-9pm Uhr auf! Das Popcorn war aber lecker salzig und ich wurde drauf eingeladen, habe ihn also nicht allzu doll vermisst.
Samstagabend wusste ich von einer Party, aber ich war unsicher, ob ich hingehen wollte. Ich schrieb viele SMS nach dem Abendessen, aber irgendwie wollten oder konnten die meisten nicht. Ich rief Christian an und als er sagte, er gehe zu Fuß mit Janina hin, entschied ich mich trotzdem mitzugehen. Doch dann bot mir Ben, der sich auch entschied zu gehen, an mich abzuholen. Also sagte ich den anderen beiden ab und konnte so eine Stunde später los. Wir kamen ungefähr gleichzeitig an. Ich erfuhr schon im Auto von dem gescheiterten Versuch einiger Deutschen Alkohol zu kaufen. Wegen der fehlenden ID. Die Party war nicht besonders spaßig. Kaum Year 13 Students. Die meisten aus Year 12. Aber je schlechter die Party, so meine Erfahrung, desto besser die neuen Kontakte, bzw. Intensivierung von schon gemachten.
Am Sonntag weckte mich Oli um sieben und um acht fuhren wir zum Tramping Club um mit einem Haufen alter Leute, ich war die Einzige, die noch kein halbes Jahrhundert gesehen hat, wandern zu gehen. Wir bestiegen Berg Ben Nevis, benannt nach dem gleichnamigen Berg in der UK. 800 Meter ging es bergab und es wurde sehr kalt und windig in den Wolken in 1615 Metern Höhe. Es war aber ein wunderschöner Track. Er führte durch viele verschiedene Waldarten und rauf ins raue Bergland. Insgesamt gingen wir sechs Stunden. Nur die von dem Dunst verdeckte Aussicht vermissten wir. Es war lustig sich mit all den Alten zu unterhalten. So nette Leute!!! Sie erzählten von ihren Urlauben und Wanderungen, dem Orchardbusiness und Generationen. Eine Frau kannte ich schon aus dem PotteryClub. Hat mir sehr gefallen.
Obwohl meine Beine sehr müde waren, ging ich noch mit Isa spazieren. Zum ersten Mal durch Orchards. Und es half, ich habe keinen Muskelkater bekommen.
Heute, Montag, hat mir Chemie sehr viel Spaß gemacht. Wir behandeln jetzt auch Organische Chemie und ich glaub, der Lehrer mag mich und mein Interesse. Fragen sind die ja nicht gewohnt. Aber keine Sorge, ich frag nicht so viel wie in Deutschland, der Unterricht ist anders aufgebaut und ich will ihn nicht umbauen.
Nicht schön war, dass plötzlich keiner mehr mit Judith und mir wandern will. Wieso? Ich erzählte, dass Judith eine Neuseeländerin, die ich nicht gut kenne, gefragt hatte mitzukommen und alle meine Freunde waren: "Nein, wenn die geht, komm ich nicht mit." Dann wurde erst mal der gesamte CommonRoom mit Geschichten von ihr gefüllt. Ich glaub, ich habe den Einzigen neuseeländischen Außenseiter gefunden! Ich dachte für die ersten Wochen, so was würden die hier nicht so richtig kennen.
Es kann wohl wirklich kein Paradies zusammen mit Menschen geben. Ernüchternd, aber jedenfalls bin ich nicht geblendet. Der Umgang ist im Grossen und Ganzen unter Menschen doch angenehmer als bei uns. Darin sind sich alle einig soweit ich weiß. Wir genießen diese Tatsache.
Allerliebste Grüße en masse
Eure Alice
PS Wir sehen uns im nächsten Jahr, im nächsten Leben.
9
17. September 2005
Hallihallo,
ich wollte nur mal eben den Plan meiner Ferien mailen: Ich gehe am So., 25.9., den Heaphy Track mit Judith und Barbara wandern. Wir verbringen drei Nächte in den Parkhütten. Braucht ihr die Namen? Ich werde noch von meinem OutdoorEd Lehrer in ein wenig Notfallmanagment eingeweiht und leihe mir son Notfunkgerät, da im Park kein Netz ist. Ich bin also nicht zu erreichen bis wir aus Karamea am Mittwoch wiederkommen.
Am Freitag fahre ich bis Montag mit meiner Gasttante, ihrer Familie und Julius in ihr Ferienhaus in den Marlborough Sounds. Bin denke ich immer mal wieder auf dem Handy zu erreichen. Wir wollen Erholungsurlaub machen und fischen. Braucht ihr mehr Infos?
Am 5.10. starten Christian, Judith und ich unsere kleine Rundreise auf der Südinsel. Wir beginnen mit einem Bus um 10.15 am in Richmond (Atomic Shuttles), der uns nach Westport in die Jugendherberge bringt (The Happy Wanderer), am nächsten Morgen gehen wir Underworldraften (norwest Adventures). Die bringen uns auch nach Charleston danach, wo wir weiterreisen mit Atomic Shuttles nach Greymouth in die Jugendherberge (Kainga-ra). Von dort nimmt uns der Tranzalpinezug nach Christchurch mit. Jugendherberge: Rolleston House. Am nächsten Tag geht es dann nach Blenheim mit dem Tranzcoastaltrain. Alle Informationen sind im Informationscentre (iSite Motueka) abrufbar. Falls nötig, kann ich auch mehr Zeiten und Adressen ergänzen.
Viele Grüße Alice P.S.: Nächste Woche bin ich bis Freitag auf einem OutdoorEd Trip im Abel Tasman, bin erst Freitag wieder ansprechbar.
10
23. September 2005
Moin meine Lieben,
keine Sorge mir geht es gut. Ich bin keine zwanzig, war niemals in der Nähe von Plymouth und ich gehe nicht und werde nicht hitchhiking gehen.
Ihr habt länger nix von mir gehört. Ich war aber nicht untätig, sondern einfach nur beschäftigt.
Das Wochenende 17./18.9. war nicht überirdisch genial, aber gut. Samstag besuchten wir kurz eine Eröffnungsfeier eines neuen Cafes im Mot Valley. Toskanische Eierküche von Deutschen. Nicht so berauschend. Was uns aber zum Gehen bewegte war das Fehlen von ausgeschenktem Kaffee und die vielen unbekannten, deutschen Leute. Wir fuhren zu einem anderen Café und aßen so ein geniales Eis (Realfruit-Joghurt-Softeis, so in etwa). Abends hatten wir die Auswahl zwischen mehreren Feten. Wir bedeutet Christian und ich, er verbrachte Samstag bis Sonntagabend bei uns, weil seine Gasteltern zur kranken Oma gefahren waren. Ich besprach mich mit meinen Freunden. Leider haben wir beide ja unterschiedliche Bekanntenkreise, obwohl jetzt nach dem Trip sind sie vielleicht ein wenig mehr gemixt. Wir gingen dann auf Daves Geburtstag, wo alle meiner Leute und auch manche seiner waren. Die Party hat uns beiden sehr gefallen. Wir haben gelernt, dass Schotten nicht aus England kommen, man aber eh nie nach Schottland sollte und dass ein schwuler Ruf dir viele Mädchen verschafft und du trotzdem als schwul giltst, auch wenn du das schamlos ausnutzt (Was bezeichnet "gay" überhaupt in Neuseeland?)
Mein Gastvater holte uns ab. Wir boten zwei Betrunkenen an sie mitzunehmen. Irgendwie fühl ich mich da immer verantwortlich. Die beiden wollten dann aber doch lieber laufen(45min Fahrradentfernung schätz ich, am Highway lang) Verrückt! Entweder gehen sie hier gar nicht oder alles.
Sonntag standen wir früh auf. Wir wollten ja den ganzen Tag in Golden Bay verbringen. Es schüttete jedoch wie aus Kübeln. Wir entschlossen uns stattdessen lieber die Glaswerkstatt Höglund (ganz recht: Schweden) zu besuchen. Ganz eindrucksvoll, aber nicht der Brüller. Ich verstehe die Faszination dafür, teile sie aber nicht. Danach ins Schwimmbad. Der Spa Pool war genau das richtige bei dem Mistwetter. Außerdem schwammen wir noch mehr oder weniger sportlich ne Stunde. Danach besuchten wir einen Wollladen. Ich verliebte mich in ein ganz besonderes Stück aus Possumpelz,-fell und Merinowolle. Ein Schal mit Mütze mit drin. Ich glaub, ich kauf mir das gute Stück zum Geburtstag.
Abends packten wir stundenlang unseren Wanderrucksack für den am Montag anstehenden Trip. Für die Katz. Wir ließen ihn dann nämlich im Van zurück, da wir mehr Kajaks als erwartet hatten. In die Dinger passt ne Menge rein.
Eigentlich war es geplant, dass eine Hälfte kajakt, die andere wandert und diese halbtäglich tauschen. Das mit der Hälfte ging halt nicht und Tauschen war am ersten Tag ganz doof, weil es regnete und hagelte und die Wanderer einigermaßen trocken waren. Sie wollten nicht nass werden und wir wollten nicht durchgenässt wandern. Der erste Tag war wirklich ganz nass. Nicht nur Hagel und Regen, wir probten uns auch an einigen wilderen Wassern. Ich bekam gleich zwei Salzwasserduschen und ich saß in einer Salzwasserpfütze im Boot. Ich genoss es trotzdem. Und wollte am nächsten Tag unbedingt wieder und am darauffolgenden und dem danach kajaken. Es war einfach mega Spaß zu paddeln, auch wenn die Oberteile, die wir unter den Röcken und Schwimmwesten anziehen mussten, super eklig, stinkend, sandig und nass waren. Der zweite Tag auf dem Wasser war der Beste. Wir sahen Pinguine, Seelöwen und Delfine. Erst waren wir schneller als die anderen und als die letzten kamen, erzählten sie uns von den drei Delfinen, die sie gesehen hatten. Ich war ganz schön enttäuscht, sie verpasst zu haben. Das passte so gar nicht zu meinem sonstigen Glück. Wir sahen dann zwei Watertaxis und ein paar Vögel - also mit voll Speed dahin und dann waren wir mitten zwischen einer ganzen Delfinschule. Vielleicht 15 dusky dolphins. Sie tauchten unter uns, sprangen um uns. Sie waren überall. Keine Paddellänge entfernt. Toll!!! Am darauffolgenden Tag hielten wir (gleicher Partner - es gibt keinen Besseren!) die Augen offen und verließen unsere Gruppe zweimal um zu den Delfinen zu rasen. Die anderen hatten weniger Glück und wohl auch Energie. Die Lunchtime verkürzten wir für eine Erkundungstour in einer Lagune zusammen mit einem sehr zutraulichen Seelöwen, den ich mit Paddel streichelte. Der letzte Tag war nicht so animalisch gesegnet aber trotzdem geil. Alle kürzten ab, nur unser Boot fuhr die Küstenlinie mit all den tollen Buchten lang. Erst dachten wir so, wir wären vielleicht falsch, aber dann warteten wir und Willi kam und meinte, wir wären die einzigen, die es richtig machten, das offene Wasser ist ja langweilig. Der gesamte Trip war so der Traum.
Ich war ja sehr im Zweifel, weil ich keinen außer den Deutschen richtig kannte. Meine Food Group, mit der ich Zelt, Aktivität (Kajak oder Gehen) und Essen teilen sollte, war mir fast vollständig unbekannt. Die beiden Deutschen, die in meiner Gruppe waren, kenne ich nicht als outdoor-begabt und der eine mir bekannte Kiwi schien mir mehr unsympathisch. War er aber nicht. Er verbrachte eigentlich alle Zeit mit seiner Freundin. Ein weiteres Mitglied rief mich am Sonntagabend an. Hörte sich nett an. Ich sollte nur einen Kocher, Snacks und Lunch mitbringen, alles andere hätten sie. ALLES! Ich war in der absolute weltbesten FoodGroup. Alle beneideten mich und ich erfuhr heute ich solle noch nicht mal etwas zahlen, aber ich muss ihnen etwas dafür geben. Die beiden Kiwis waren so nett. Super ausgestattet und es gab besseres Essen als zu Haus (NZ). Alles vegetarisch, so rücksichtsvoll. Sogar Lunch bekam ich. Ich weiß nicht, wie ich mich revangieren soll. Auch sonst nahmen mich die Leute mega super auf. Ich hatte nichts mit Deutschen zu tun. Wir kuschelten uns jeden Abend um einen Tisch und redeten, kaum einer wollte schlafen gehen. Die Nächte waren einfach schrecklich, keiner konnte schlafen. Mir tat so vieles jeden Morgen weh, doch nie etwas vom Kajak immer vom harten Boden.
Ich sprach den ganzen Trip fast ausschließlich Englisch. Die anderen Deutschen bildeten oft wieder Trauben, aber ich hatte so viele interessante Gesprächspartner. Ich verstehe die Trauben echt nicht, die Jungs sind so verdammt offen und freundlich. Es gab auch zwei Mädchen, aber die eine war ja Rickis Freundin und die drei hingen immer zusammen abseits. Ich fragte einfach einen meiner Food Group, ob er am nächsten Tag (der 2.) ein Kajak mit mir teilen wollte. Ja klar- und gleich der Hauptgewinn. Ich konnte ja nicht wissen, dass seine Eltern ein Kajakverleih besessen hatten und er quasi mit Paddel aufgewachsen war. Wir trennten uns dann auch nicht mehr. Luke meinte, ich passte mich gut an, einfach weil ich die "Spiele" mitspielte. Zum Beispiel war Handeln ganz groß. Mein Handel bestand darin, dass Luke zwei Kaugummis bekam. Wenn er mich nicht auch am letzten Tag im Seakajak unterbringen konnte (was eigentlich vom Lehrer nicht erklaubt war, da jeder mal gehen und kajaken sollte), hätte er mir eine Packung kaufen müssen. Er schaffte es, wir waren beide damit glücklich.
Wir hatten übrigens Glück mit dem Wetter. Fast alle haben einen Sonnenbrand. Jede Nacht konnten wir unsere Sachen draußen lassen. Folge war, dass eine Gruppe kein Frühstück hatte, weil ein Possum den Porridge gegessen hatte. Auch diese Tiere haben keine Angst vor Menschen hier. Und dabei werden die hier erbost gejagt. Na, jedenfalls saß eins neben mir, ich hielt es für eine der Enten (es war dunkel, okay?), als es dann Fynns Zelt angriff und jemand eine Taschenlampe auf es hielt, erkannten wir das Possum. Mir wurden die verschiedensten Arten erklärt Possums zu töten. Igitt, ich könnte das nie, aber ich verstehe die Notwendigkeit. Hier kann ich mir auch Pelz kaufen, die Possums haben ein paradiesisches Leben und müssen in der Population eingedämmt werden, um die einheimische Natur zu retten. Und heute die nette Überraschung: Alle meiner neuen Bekannten kannten mich, freuten sich mich zu sehen. Oft ist es ja dann so, dass man sich hinterher nicht mehr kennt, aber nein, diesmal nicht.
Der Park ist um es noch einmal zu wiederholen der absolute Traum, ihr solltet euch ihn niemals anschauen, da gehören keine Menschen hin ;-). Ich fühl mich supi wohl.
Viele liebe Grüße
Eure Alice
11
05. Oktober 2005
Gidday der Heimat!
Bin wieder in meiner Grossstadt Motueka. Karamea existiert dagegen kaum. Das Kaff durchquerten wir am Mittwoch, nachdem wir am Ende des Heaphy Tracks abgeholt wurden. Der Track war ja so genial. Vor allem das letzte Stück vor der letzten Hütte. Für ein deutsches Mädchen ist es einfach das Größte durch einen Urwald aus Palmen, Farnen, Baumriesen und unbekannten Pflanzen zu gehen, begleitet von den fremden Stimmen der einheimischen Vogelwelt. Highlights waren die Sichtung einer weiteren Seelöwenrasse, eines Wekas, der Tscheche und der zweite Hüttenabend. Ach und natürlich Barbaras Blase in der Größe ihres großen Zehnagels.
Am zweiten Hüttenabend hatte ich eine erschreckende und folgenschwere Begegnung mit einem dunkelbraunen Possum. Barbara hörte Geräusch, ich wollte nach meinem Obst und Gemüse schauen, was ich aus Frischegründen immer draußen ließ. Ich ging also aus der Hütte mit Taschenlampe am Kopf und ein riesiges Tier saß auf meinem Essen. Gegen meine Erwartung rannte es nicht ängstlich davon, als ich eine schnelle Bewegung zu ihm machte. Ich hingegen geriet daraufhin in Panik und schrie. Erst da sprang es senkrecht in die Luft (wie Eddi manchmal) und dann von der Ablage. Es sah wohl sehr lustig von drinnen aus, da man es nur einmal vorm Fenster hochfliegen sah. Ich verlor einen meiner abgezählten Äpfel. Für jeden Tag hatte ich einen und das halbe Pfund schwere Ding hatte ich schon zwei Tage mitgeschleppt, also sehr dramatisch der Verlust. Der junge Neuseeländer wollte es jagen gehen, aber so doll hasste ich es dann doch nicht. Der Typ aber erzählte mir auch wie viel Glück ich gehabt habe, da Possums auch Menschen attackieren und sie gewöhnlich TBC übertragen. Ich bewundere Possums dafür, wie sie trotz Jagd durch jedermann, Fallen und allem Hass trotzdem eine weit verbreitete Plage bleiben, ohne Angst vor dem Menschen, so weit weg von ihrer Heimat.
Mein Urlaub in den Marlborough ist abgesagt. Erfuhr ich am Donnerstag, Freitag sollte es spätestens losgehen. Jetzt fahre ich mit Christian und seiner Gastfamilie nach Golden Bay.
Und dann steht noch unsere kleine Rundreise vor der Tür. Obwohl ich mega viel zu tun hätte, komme ich mir gelangweilt vor. Weiß auch nicht warum. Ich müsste soviel machen. Kein Bock. Solche Tage kenn ich auch von Zuhause. Morgen kann alles schon wieder strahlen, was heute grau aussieht.
Zum Beispiel hab ich das Gefühl, dass mir das Geld durch die Hände rinnt, morgen denk ich dann wieder wie viel ich noch habe.
In Nelson gibt es jetzt Starbucks. Musste natürlich gleich ausprobiert werden. Ist hier genauso toll wie überall auf der Welt. Im Gegensatz zu der Coke light. Viel zu viel Kohlensäure, Geschmack dadurch kaum bemerkbar, auf jeden Fall nicht so lecker wie in Schweden, dafür ist der McDoof Schokoshake besser als in D, etwa so wie in Schweden. Und jetzt möchte ich keinen hören, solche Dinge schmecken überall gleich. Das tun sie nicht.
Am Donnerstag chillte ich mit einigen Deutschen in ThorpsBush, Mots Stadtpark, den Abend verbrachte ich bei Isa. Freitag machte ich unsere leckeren Kokospfannkuchen für die ganze Familie, inklusive Janet, Schwägerin, und Kate, Tochter. Dann fuhr ich zusammen mit Kate und Akiko nach Nelson. Wir gingen ins Kino. "The Perfect Catch" - ganz nette, schnulzige Komödie. Gute Unterhaltung.
Heute waren wir wieder in Nelson, diesmal mit Christian um Kate zum Flughafen zu bringen. Wie gesagt, bin ich heut nicht allzu gut drauf. Ich bin deswegen unentschlossen, ob ich zur Party gehe oder doch nur rumhänge.
Die Bilder sind vom Heaphy Track. Eins Westcoast, das andere zwischen Perry Saddle und Gouland Hut. Barbara, Judith, ich will wieder in die Natur, da muss man nicht über sein Abendprogramm nachdenken.
Ganz liebe Grüße! Vermiss euch irgendwie nicht und irgendwie schon.
Neuseeland ist toll und irgendwie auch nicht.
Geil, dass ich hier bin, ohne irgendein irgendwie.
CU Eure Alice
12
11. Oktober 2005
Gidday der Heimat!
Ferien sind vorbei - super! Das einzige, was meine Laune im Moment noch beschattet, ist die Tatsache, dass ich nur noch 3 ½ Schulwochen habe, mein Geld davon rinnt und Angst vor meinem Geburtstag. Nein, eigentlich freue ich mich drauf, aber ich weiß halt nicht was ich da mache oder machen will ... Ich bin glücklich mit einem Jahr ohne großen Geburtstag. Ein größeres Geschenk als diese paar Wochen kann mir sowieso keiner machen.
Ich fühl mich pudelwohl, habe sehr gute Freunde, auch wenn die deutsch sind, und gute Kiwibekanntschaften, versteh mich mit meiner Gastfamilie super und lerne ständig was hinzu. Kann manchmal auf ärgerliche Weise geschehen: Wer ahnt denn schon hinter Pepperoni eine Wurst?
Meine Urlaube waren genial. Golden Bay mit Christian und seiner Gastfamilie war ganz cool. Wir haben uns Warariki Beach angeschaut und hatten ein Ferienhaus direkt am Meer. Direkt heißt direkt. Leider war uns das Meer zu kalt. Christians Eltern nahmen gegen Christians Erwartungen voll Rücksicht auf mein Vegetariersein. Und es war toll, wie begeistert sie von meinem italienischen Nudelauflauf waren, den ich am Montag für sie machte. Ich weiß nicht wer mehr überrascht war, dass es ihnen schmeckte, Christian, der seine Gastfamilie als die absoluten Fleischfanatiker beschreibt, oder sie selbst.
Golden Bay ist eine beliebte Urlaubsregion hier. Wunderschöne Gegend. Wharariki Beach hat riesige Sanddünen, die wir auf Plastikschlitten bzw. -scheiben hinunter rutschten. Wenn das in Deutschland erlaubt wäre.
Wir kamen auch in Kontakt mit Seelöwen, die eine kleine Show für uns vorführten. Krabbenjagen, Stöckchenschmeißen, Sprünge, Waschen, Winken etc. Super süß und alles ohne Käfig und Zwang.
Außerdem gibt es dort atemberaubende Felsen. Ich beschreibe sie euch als atemberaubend, weil sie es für euch wären. Ich ertappe mich selbst immer öfter dabei, mehr oder weniger unbeeindruckt von Dingen zu sein, die mich am Anfang aus den Latschen gekippt hätten. Eigentlich schade, ich versuche meine Begeisterung zu halten, aber man gewöhnt sich halt auch ans Paradies. Ich habe es ausgehalten keine Strecke zu schlafen, die ich noch nie zuvor gefahren bin. Bis auf ein kurzes Einnicken kurz vor Greymouth.
Am Dienstag kamen wir aus Golden Bay zurück und am Mittwoch starteten wir unsere Südinseltour. Geile Sache!
Neuseeländische Busse sind Schrottkisten, man wundert sich wie die überhaupt die Berge hochkommen und ebenso unpünktlich. Wir warteten eine halbe Stunde in Charleston im Westcoastregen. Die Züge recht nett. Es gibt übrigens auf der Südinsel nur zwei Strecken, wo einmal täglich ein Zug hin- und herfährt. Eingleisig. Der Coastaltrain gefiel mir besser. Wir hatten im Gegensatz zum Tranzalpine gute Sicht und die Lautsprecher erzählten nur Informationen. Was uns im Tranzalpine erzählt wurde? Shoppingverhalten von Frau und Kind des Zugfahrers, Energieverbrauch der Tochter im Zimmer, Waschmaschinenprobleme der Schwiegermutter und so weiter. Sechs Stunden.
Wie haben wir die Pause in Arthur's Pass genossen, es schneite dickste Flocken und alle Zuggäste sprangen aus dem Zug und flippten aus. Kinder tanzten, Japaner knipsten, Schneeballschlachten. Awesome!
Zu den Nächten: Youth Hostels sind voll in Ordnung hier. Ich finde die Kücheneinrichtung besser als in Deutschland, mit dem Frühstück inklusive. Die erste Nacht in Westport, für die "Stadt" braucht man nicht mehr als die paar Stunden, die wir hatten, teilten wir uns die Jugendherberge mit einer Busladung Flying Kiwi Touristen. Erwachsene Leute, ich dachte das wär´ für Jugendliche. In der Küche war es dadurch ein wenig nervig voll. Wir aßen im Zimmer.
UnderworldRaften war ganz interessant. Bisschen wenig raften, viel Höhlenwandern, wir trugen unsere Ringe stundenlang durch die Höhle in unseren Neoprenanzügen und Schwimmwesten. Wir sangen und schossen Fotos. Anzusehen auf www.caverafting.com. Unsere Guides waren ja ganz nett, aber der Mann hat richtig viele Geschlechterwitze gerissen - haha - wie lustig. Gestern wurde mir auch schon wieder gesagt, ich wäre mit Christian zusammen. Noch nie was von Freundschaft zwischen Jungen und Mädchen gehört? Schwul ist ein Schimpfwort, Schwule werden aber toleriert - häh?
Am genialsten war die Wasserfahrt durch die Höhle. Wir lagen in unseren Schwimmringen im Finsteren und schauten die neonblauen
Sternenstrassen aus Glühwürmern an. Fantastisch! Die Dinger sind von Nahem verdammt hässlich und eklig, aber an der Decke hängend sind die traumhaft.
Charleston sollte mal Hauptstadt werden. Davon ist aber absolut gar nix mehr zu sehen. Da ist einfach mal nix! Sogar den Erdboden haben die weggeschafft (Goldsucher).
Greymouth überraschte uns nach Charleston mit seiner Größe, aber auch durch seine Hässlichkeit. Es sah so aus wie Christians Cappuccino schmeckte. Das Ding war vielleicht abartig. Voll Zigarette, aber richtig. Er ging hin, zweiter genauso, ich ging hin, wird mir erzählt das liege an den Bohnen. Ich: Meiner schmeckt aber net so. Sie: Dein Freund ist nicht an unsere Bohnen gewöhnt. Trotzdem hat er dann noch mal eine Schokolade bekommen, von Cappuccino hatte er für die nächsten Tage genug.
Christchurch empfing uns mit Hässlichkeit. Super, von einem Loch ins nächste, dachten wir uns, doch als wir die zwei Kilometer Grassfläche (genannt Park, was´n Witz) durchquert hatten, wurde es schön. Die Stadt gefiel uns. Ja, es war eine richtige Stadt. Sechs Stunden weit weg von unserem Mot, aber N.Z. ist klein. Beim Mexikaner sprang uns unser PE bzw. OE-Lehrer Sam entgegen. Holly war auch dort. Das war vielleicht ein Schock für mich, aber ein freudiger. Die entschlossen sich dann aber aufgrund der Wartezeit beim Mexikaner für die Pizzabar nebenan. Wir hielten durch und wie es sich gelohnt hat!!! Am nächsten Tag aßen wir Lunch beim Koreaner/Japaner mit nix als Stäbchen. Auch genial, nur die Pizza abends war aufgrund von Sprachschwierigkeiten weniger nett. Judith steht mehr auf deutsches Essen und mochte es nicht, Sachen zu bestellen, wo sie nicht wusste, wie sie serviert aussehen. Danke an sie, dass sie trotzdem unsere Schlemmertour mitgemacht hat.
In Christchurch sind wir auch ins Kiwihouse bei der I site. Kiwis sind schon komische Tiere. Ganz unwirklich. Natürlich super interessant. Blöd nur, dass sie nachtaktiv sind und deshalb nicht in freier Natur zu beobachten und im Zoo auch nur im Abgedunkeltem.
Wir schauten uns auch ArtGallery, Centre und botanische Gärten an. Die Universität von Canterbury sieht vielleicht cool aus. Christchurch hat uns also letztendlich doch gefallen und wir waren froh verlängert zu haben.
Mein neues Fach Mathe ist viel besser als MetalWorks. Die Leute sind nett und mir alle bekannt, der Lehrer scheint super zu sein und die Aufgaben aus der neunten Klasse. Habe trotzdem Probleme, wer erinnert sich schon an die neunte?
Ich hoffe mein Zeugnis bald zu bekommen, da ich das ja immer noch nicht habe. Zwei Wochen nach Ausgabe, traurig!
Heute hatten wir das erste Mal PE in Sportzeug. Oh mein Gott, bin ich unsportlich geworden, habe ja jetzt schon seit Monaten keinen richtigen Sport mehr betrieben. Die Schule bietet zur Zeit nichts an außer Touch, eine Art Rugby.
Ich weiß nicht, was ich sonst noch so erzählen könnt. Wenn ihr euch für irgendwas Spezielles interessiert oder sonst Fragen habt, schreibt mir einfach!!! Gilt für jede(n)!
Liebe Grüße
Eure Alice
P.S.: Auch wenn ich mich verändert habe, ich stecke immer noch im selben [menschlichen],{weiblichen} Körper.
13
18. Oktober 2005
Moin euch Geliebten und trotzdem Zurückgelassenen!
Wie läuft´s drüben so?
Wir sind durch mit den Vorbereitungen für meine Geburtstagsfeier heut Abend. Ich freu mich schon.
Habe einiges an Feedback bekommen von euch und irgendwie ist es meinem jetzt endlich erhaltenen Zeugnis sehr ähnlich! - Positiv! Das Zeugnis erinnert mich stark an die Grundschulzeugnisse. Voll mit E-s und furchtbar, manchmal schon verleugnend netten Kommentaren.
Ich freu mich viel mehr über eure Feedbacks. Mein eigenes für mich hat nicht eine so stark positive Bilanz. Es ist ganz anders geworden als ich mir diese Zeit vorgestellt habe. Ich hatte wohl an mich zu viele Erwartungen. Wie auch immer ist es aber eine super Zeit hier und ich gebe mir alle Mühe das Beste daraus zu machen.
So was ist in der ersten Schulwoche nach den Ferien so passiert.
Am Mittwoch war ich zum ersten Mal krank. Bin aber in die Schule, weil ausgerechnet da natürlich FormClassFotos waren. Bin aber nach denen nach Hause. Vorher hatte ich noch Sport, was ein wenig peinlich war, da ich mir das Ende meines Rückens(Übergang zum Po) bei einem Sturz im Zug auf die harte Armlehne weh getan hatte. Aufgrund des blauen Fleckens konnte ich dann einige Übungen nicht mitmachen. Und wie erklärt man, das was ich eben versucht hab in deutsch zu erzählen seinem irischen Sportlehrer.
Zu Hause habe ich dann geschlafen und mir mehr Disneyvideos angesehen. Diese Zeichentrickfilme sind mehr als nur für Kinder, aber die Sprache ist so hammer Amerikanisch. Mich hat das vorher nie genervt, geschweige denn, dass es mir aufgefallen wäre.
Am Donnerstag habe ich endlich wieder einen sportlichen Tag gehabt. Laufen, Klettern, PE und Volleyball in Lunchtime. Schön! Ich habe dann Badminton abends gestrichen, weil das mir Zeitdruck gemacht hätte.
Freitag waren wir Klettern im Paynes Fort Scenic Reserve. Ich habe dort noch eine Rechnung mit einer Felswand offen. Dort kam ich nicht hoch. Und wir hatten nicht so viel Zeit. Ich musste abbrechen. Leider war es unser letztes Klettern, aber ich will da hoch. Ich muss vorher aber noch meinen rechten Arm trainieren, weil ich an einer Stelle kaum mehr benutzen kann.
Danach fuhren wir nach Nelson zur Maskparade. So´n weiteres Kinderfest. Neuseeländer werden von jedem Mist wie Fliegen angezogen, wahrscheinlich, weil sie sonst keine Menschenmengen erleben. Christian und ich versüßten uns diesen Umzug mit Frappuccinos von Starbucks und Kino hinterher. Film "Dark Water" nicht weiter erwähnenswert.
Samstag war International Dance. Cool! Endlich wieder ´ne Tanzfete. Auch wenn die Musik nicht immer gut war. Viel Techno, jedoch war die Liveband genial!!! Die Band hat es ja so genossen wie wir Deutschen abgingen, das kennen die hier ja net so.
Es gab außer ein paar Deutsche Taiwaner, Koreaner etc. und viele Japaner. Die machen ja so gerne Fotos von Europäern. Ich schätze, ich werde in vielen Alben kleben.
Sonntag kochte und backte Judy den ganzen Tag für mein Barbeque. Es kamen dann vier Deutsche und zwei Kiwis. Ich fand´s toll. Das Essen war vielleicht yummy!!! Abends schauten wir noch ein Video.
Jetzt zu meinem Geburtstag:
Ich wachte auf um sechs. Sollte ich allein mit Geschenkauspacken anfangen??? Das hatte ich noch nie gemacht. Sonst gibt es ja immer das übliche geliebte Ritual.
Judy und Oli waren noch nicht wach und ich war mir nicht sicher, ob sie vor unserem Telefonat überhaupt aufwachen würden. Da ihr mich ja gebeten hattet das Paket vorher auszupacken, hab ich dann Geschenkauspacken im Bett angefangen. War jedoch nicht so das Erlebnis. Also Geschenke beiseite, anziehen. Mit warmem Applepie und Kaffee in der Küche fortsetzen.
Wie ich mich gefreut habe! Ich las eure Karten und es war ein so herrliches Gefühl wie ihr alle an mich gedacht habt!!! Ab und an kam mir sogar ein Kloß in den Hals. Ihr müsst mich sehr lieb haben und ich weiß gar nicht wie ich dafür danken kann, geschweige denn euch zeigen, dass ich euch auch so lieb hab.
Habe mich gefragt, wie ich euch freiwillig für diese Zeit verlassen kann, aber vielleicht ist es grade gut um zu begreifen, dass Loslassen einen enger zusammen bringen kann.
DANKE für all eure netten Worte, eure Geschenke, die absolut toll sind, und vor allem eure Gedanken an mich!!!
Apropos Geschenke: Von meinen Gasteltern habe ich eine Greenstone-Kette bekommen! Super!!! Und ein Bildband.
Freunde in der Schule überraschten mich mit einem Kuchen, Einladungen in unser Kaff (Café) und ich bekam HelloKitty Dinge von Akiko und Rie. Gabel und Löffel, Schlüsselanhänger, Taschentücher, Stifte. Ganz besonders gefreut habe ich mich auch über das Schriftbild von Akikos Mutter. Das sieht ganz toll aus. Tomodachi = Freund.
Also, Ma und Paps, ihr müsst leider mit leeren Koffern einreisen, ich brauch auch eure 40kg.
Der Tag war wirklich schön, nicht durchgehend. Schule hat so seine Längen. Die Theatervorstellung unserer Dramaclass Year 13 abends hat mir auch sehr gefallen und Judy, Akiko, Rie und ich waren die einzigen Zuschauer zusammen mit dem Direx und einer weiteren Lehrerin.
Nochmals DANKE für alles! Ihr habt mir sehr viel Freude gebracht!
HDGDL
Eure Alice
14
24. Oktober 2005
Hi meine Lieben!
Ich war den Rest der Woche mal wieder nicht zu Hause, sondern in den Outdoors. Am Mittwoch startete ich mit Caving. Ganz anders als ich es erwartet hatte. Als ich hörte wir würden soaking wet, verließ mich die Lust, aber es wurde dann sowas von genial. Statt dem von mir erwarteten entspannenden Spaziergang durch einen Kühlschrank, krochen und kletterten wir durch ein aufregendes Höhlensystem. Wir mussten manchmal in einem Fluss durch Felsspalten robben, über eben diese klettern (Hintern eine Seite, Füße andere Seite), manchmal in tiefe Wasserlöcher springen, uns durch kopfenge Felsspalten zu einem uralten Walgerippe schieben, robben, wie auch immer dahin gelangen. Gehen gab es kaum. Zum Abschluss krabbelten wir noch durch überknöchelhohen Schlamm. Da freuten wir uns hinterher in den Fluss zu springen und vor allem freute sich meine Gruppe, freiwillig als erste in die Höhle gegangen zu sein, da die anderen unsere nassen, dreckigen Sachen am nächsten Tag anziehen mussten. Es war ein Spiel mit Angst, dieser Trip.
Nach etwa 2 Stunden wollte ich wieder aus der Höhle, plötzlich realisierte ich, wo ich mich befand und wieviele enge Meter vor und hinter mir lagen. Ich konnte zum Glück meine Panik unterdrücken und genoss auch noch die letzte Stunde.
Den nächsten Tag ging meine Gruppe klettern. Ich schaffte beide 15ner und auch den 17ner mit Überhang!!! Dann nach stundenlanger Wartezeit war ich mir nicht sicher, ob ich wirklich noch den megalangen 16ner in Angriff nehmen sollte. Aber irgendwie machte ich das doch. Anders als einige der anderen, die ihn kletterten, machte ich keine Pause außer der fürs Foto (Wieso sind Kameras so langsam? Oder wollte Gregg mich quälen?). Ich konnte einfach nicht, wahrscheinlich hätte ich abgebrochen. Ich bin einfach durchgeklettert ohne Blick zurück oder weit nach oben. Mensch war das aufregend! Oben angekommen, schlug mein Herz mir bis zum Hals. War ich stolz!!! Und ein Superabschluss für mein wahrscheinlich letzten Climb in NZ. Traurig. Ich hab Spaß am Klettern gefunden.
Der Freitag war auch mega. Solltet ihr jemals die Chance kriegen Raften zu gehen - TUT ES! Hatten wir Spaß. Bisschen paddeln, viel "Hold on!" Ich ließ es mir auch nicht nehmen einen Rapid auf der Nase des Bootes zu sitzen und einige Male auch im Whitewater schwimmen zu gehen. Den Wasserfall überstanden wir auch alle unbeschadet. Und meine Höhenangst bekämpfte ich sehr erfolgreich. Wir hielten am Ufer und konnten zwischen drei verschieden Sprunghöhen wählen. Ich nahm, weil kein anderer den kleinen wollte, auch den Medium. Theresa war vor mir, aber sie bekam Angst, ich stand daneben und ihre Angst machte mich ganz kirre. Ich also halbverzweifelt: "Bitte! Spring jetzt oder lass mich vor. Sonst kann ich nicht mehr" Dann sprang ich also. Sechs Meter von einem Felsen in den Buller River. Stolz ist ein geiles Gefühl (besser jedenfalls als die Schmerzen beim Aufkommen ;-) )!!!
Pauli und ich waren dann noch am Freitag auf einer Party, hinterher Quatschen, heut morgen verschlief ich. Wollte um halb sieben aufstehen, wachte ungeweckt, da mein Wecker streikte, um sieben auf. Dann sprang unser Auto aber nicht an. Wir kamen doch noch los nach Nelson. Dort schauten wir uns die Parade und die ganzen Festivitäten an. Außerdem ein wenig einkaufen. Hatte eine Menge Spaß mit Rie. Z.B. kaufte ich meinen Geburtstagsschal. Er war noch da. Ist der toll! Und ich weiß was ich mir zu Weihnachten wünsche. Gleich neben dem WoolInn liegt ein neues Geschäft, Vickie's Originals. Besucht die Homepage: www.upcycled.co.nz
Picknicken im Isel Park. Morgen steh ich um fünf auf und besteige Mt Arthur! Muss also dringend ins Bett!
Wünsche euch ´nen schönen Tag!
Bye
Liebe Grüße
Eure Alice
P.S. Hört bloß nicht auf zu schreiben!!!
15
28. Oktober 2005
Moin der Heimat!
Bin heute sehr früh aufgestanden, bin nämlich aufgeregt. Muss heute in der Assembly eine Rede halten - ui.
Mt. Arthur war natürlich toll.
Montag war Labour Day. Ich ging picknicken im Raumanuka oder so Scenic Reserve und abends BBQ für Julius Geburtstag. War auch nett. Lernte mal wieder neue Leute kennen.
Dienstag und Mittwoch waren super. Auch wenn der Chemietest mich überrascht hat. Nicht dass er wichtig gewesen wäre, aber mein echt netter Lehrer hat von mir erwartet, dass er kein Problem ist, doch ich war vollkommen unvorbereitet und hatte mir die letzten Zettel noch nicht mal angeschaut. Ich hab ihn bestimmt voll enttäuscht und das ist kein schönes Gefühl.
Seit letzter Woche haben wir nur noch prallen Sonnenschein ohne jegliche Wolke und weil eine Austauschschülerin abgefahren ist, haben meine Mitschüler erkannt, wie wenig Zeit uns bleibt und sind besonders sympathisch. Plötzlich machen die Pausen Spaß.
Ich versuche weiterhin Japanisch zu lernen. Das ziehen wir gemeinsam besser durch als unseren Lauf am Dienstag, der zum Spaziergang überlief, äh ich meine überging. Es war auf jeden Fall interessanter so. Wer weiß denn zum Beispiel, dass Regen und Candy ein Wort in Japanisch ist?
Donnerstag genoss ich die Kajakstunden im Pool. Ich lernte den "wet exit" und "T-rescue", sehr hilfreich für den heutigen Kajaktrip. Mir gefällt es, kopfüber im Kajak im Wasser zu hängen. Danach fuhren wir mit den Bioklassen zum Strand in Kina. Nicht besonders aufregend, hatte mir es besser vorgestellt. Wir konnten aber schon früher gehen.
So viel gibt es heut nicht zu schreiben. Ich freu mich auf die nächsten Wochen. Es ist so unvorstellbar, dass es meine Letzten hier sind.
@alle Herr der Ringe Fans: Die Hallen von Moria stehen gegenüber vom Gemüse/RealFruitIcecream-Laden. Sind in echt Lagerhallen für Früchte. Auf Takaka Hill wurde was Elbisches, glaub ich, gedreht, jedenfalls hat ein Freund von einer Mitschülern direkt neben Arwen geschauspielert.
Viele liebe Grüße
HEGDL
Eure Alice
16
04. November 2005
Hi meine Lieben!
Was würd´ ich darum geben noch drei Monate länger bleiben zu können. Ich gebe gerade ein Buch zum Reinschreiben rum. Ist das traurig. Und schön, weil plötzlich doch Vertrautheit auffällt. Ich hab das Entstehen gar nicht wirklich mitbekommen.
Kajaken am Freitag war Fun pur!!! Außerdem machte ich schwimmen mit Wanderrucksack sowie Gruppen- und Einzelrivercrossing. Gut zu lernen, wenn man trampen mag.
Ich sollte mehr kajaken, vielleicht bekomm ich ja nochmal die Gelegenheit dazu. Es ist erstaunlich, wie viele Hobbys man hier dazu bekommt und so gern behalten möchte. Ich trauere zwar immer noch Volleyball nach, aber wir beachen jetzt immer öfter in PE und Ö. Macht natürlich Sauspaß.
Am Samstag waren wir in der Richmond Mall und hauten uns erstmal wieder mit Smoothies aus ´ner Gesundheitsbar rein und Realfruiticecream - beides so unbeschreiblich lecker! Abends war dann BBQ bei Barbara. War ganz lustig. Jacqui war auch da, unsere Homestaycoordinatorin. Sie hat mit uns über die Gastfamilien, die Vermittlung und Gastschüler geredet. Echt interessant und voll wahr, was die lernen.
Sonntag backten wir Laugengebäck bei mir. Oder versuchten es zumindest. Das Ergebnis bekam nur ein okay von uns. Hatte also volles Haus, waren insgesamt 5. Danach gingen Christian und ich noch zum Chinesen in Mot essen. War echt lustig, bis auf Mr. Alan, meinen Metal Work Teacher, den wir dort trafen und den ich als einzigen Lehrer an der Schule nicht leiden kann. Sonst sind die alle furchtbar nett, ausgenommen der OfficeLadies.
Ich liebe es jedenfalls mit Stäbchen zu essen.
Die Schulwoche ist so schnell umgegangen.
Lunchtimes sind wir meistens auf´m Rasen. Mittwoch waren wir Fotos schießen im Fotostudio.
Gestern, Donnerstag waren wir im Café.
Und auf einmal klappt´s auch mit den Neuseeländern. Das "wir" umschließt auch meine Kiwifreunde.
Wieso gehen so viele Gastschüler damit so verschlossen um, dass es schwer ist gute Freunde, ausgeschlossen Gastgeschwister, zu machen? Ich habe noch von keinem gehört, der sofort gut integriert war. Irgendwie mag es aber keiner zugeben. Nicht einmal hinterher. Viele Deutsche verfallen dann dazu nur mit Deutschen rumzuhängen oder anderen Gastschülern, weil es einfach leichter ist, als sich immer ranzuhängen. Ich finde das sollte offener ausgesprochen werden, dann würde es viel weniger Enttäuschung unter ihnen geben.
Dazu möchte ich bitte Kommentare von allen, die dazu was sagen können:
Hand aufs Herz: Hast du wirklich gute Freunde?
Ehrlichkeit ist gefragt. Wir flunkern uns allzu oft an. Man genießt trotzdem seinen Aufenthalt.
Ich fühl mich pudelwohl, wie sollte es anders sein.
Viele liebe Grüße
Eure Alice
P.S. Fangt mal wieder an zu mailen!
PPS an alle HDR-Fans, wie ihr vielleicht schon wisst, hat Jens Hansen den Einen hergestellt. Der lebt, arbeitet und verkauft in Nelson. Das Gespann sowie die Ochsen und ich glaub auch die Pferde sind von so´m altmodischem Farmer hier geliehen worden.
17
14. November 2005
Moin, moin!
Jap, sitze immer noch im wunderschönen NZ. Und die Schönheit steigert sich täglich. Ich kam mit den Lämmern zusammen an, und es ist als erlebe ich wie sie meinen ersten Frühling, weil es so ganz unfassbar ist, dass es nochmal Frühling ist, meine Jahresuhr ist betrogen. Die Rosen an unserem Haus sind in Blüte und die Plantagen sprühen voll saftigem, frischen Grün. Äpfel blühen schon, Kiwis folgen. Die Tage sind echt verdammt warm. Wenn es sonnig ist, was ziemlich oft der Fall ist, ihr wisst ja: Nelson hat die meisten Sonnenstunden NZs, ist es richtig heiß.
Der letzte Freitag war zwiespältig. Er fing so super an. Drei Stunden im Kajak im Pool. Die Lunchtime dazwischen verbrachte ich auch im Bikini. Erst teilten wir uns den Pool mit einer der OE-Klassen des 12ten Jahrgangs. War echt nett, die mal alle wieder zu sehen. Ich verbrachte die Stunde mehr mit Quatsch machen als hartes Lernen. Ein paar T-Rescues und Rails waren alles. Am Ende der Stunde fing´s dann an. Willi holte mich ran zum Rolle-Üben. Ich übte einige Zeit, dann meinte er, ich solle Pause machen und holte den nächsten. Ich paddle also so rum, da winkt Sam, mein PE-Lehrer mich zu sich und meint, wir würden weiter üben. Okay, macht ja Spaß, dacht ich mir. Da meint der so: "Mach die Rolle." Ich: "Ich hab grad erst meine ersten 10 Minuten Übung hinter mir." Ich hatte sie ja niemals vorher gemacht. Er: "Macht nix, probier, ich roll dich rum, wenn du´s nicht schaffst."
Ich zeigte Vertrauen, denn das habe ich hier besonders gelernt. Vertrauen in Seile, Boote, Menschen und mich selbst, woran nicht schon so mein Leben hing. Also kippte ich mich und machte alles wie geuebt. Plötzlich war ich wieder oben. Er jubelte mir zu und ich konnte es nicht glauben, ich fragte ihn immer wieder, ob er mir wirklich nicht geholfen hätte. Irgendwie hatte ich da nicht genug Vertrauen, also fuhr ich ein Stück davon, so dass er mich nicht sofort erreichen konnte und machte die Rolle nochmal. Tja, was soll ich sagen, am Ende des Tages war mir schwindelig.
Abends wollte ich zu Sarah. Das lief ganz schön daneben, ein paar Mitschüler haben sich ´nen Spaß draus gemacht und mich auf den Arm genommen. Sie ließen mich glauben, Sarah hätte mich versetzt und fuhren mich nach Hause. Ich hatte trotzdem ´nen schönen Abend mit meinen zwei Nachbarn und einem Mitschüler, den wir auf der Straße trafen. Wir setzten uns in ein Café und quatschten bei ´ner Flasche L&P, NZ-Fizzy-Getränk.
Am Samstag machten Isa und ich uns auf zum Fluss, Christian kam auch später. Leider fanden wir nicht die gute Stelle, war aber trotzdem wohltuend in der Hitze sich ins kühle, klare Wasser zu begeben. Auf dem Hinweg hielten uns zwei junge Männer an um nach dem Strand zu fragen. Irgendwie hörten sie sich komisch an, ich fragte also nach ihrer Herkunft und da stellte sich raus, dass wir einen weiteren Deutschen hier jetzt kennen. Sein Freund war jedoch aus Californien. Beide arbeiten hier als seasonal workers.
Abends holte mich ´ne Freundin ab, um zu Sarah zu gehen. Wir tranken Kaffee und klönten. Ihr tat der Freitag sehr leid. Wir gingen zusammen mit drei weiteren Freunden auf Megans Poolparty, aber da war weniger los. Wir gestalteten es uns trotzdem lustig. Wir wechselten dann die Party, als es immer leerer wurde, aber da die Fox Nacht war, verteilten sich die Leute auf viele kleine Feten.
Es ist eine weitere Woche vergangen. Ich konnte die Mail nicht zu Ende schreiben, da Oli den Computer mit nach Dunedin hatte.
Es war meine letzte Schulwoche und vielleicht die schönste. Unterricht gab es nicht mehr viel, aufgrund der Lehrer und der Schüler. Traurig war es natürlich auch.
Dienstag war ich bei der Marae, die Maori Abschlussschüler verabschieden. War das eindrucksvoll. Eine Freundin von mir kam später hinzu. Sie hielt dann eine so bewegende Rede, als sie dran war, ihr Abschiedsgeschenk entgegenzunehmen. Ihre Geschichte könnte aus ´nem Film sein. Sie ist holländischer und Maoriabstammung, doch man sieht ihr nicht an, dass ihre Mam Maori ist. Sie hat sich immer aus den Maoriangelegenheiten rausgehalten, weil sie nicht als eine von ihnen dort anerkannt wurde, wegen ihres Aussehens. Hinzu kam, dass sie vieles aus den Kreisen verkehrt findet. Nicht unbedingt das traditionelle, sondern das heutige Selbstbild vieler Maoris. Trotzdem fühlt sie sich als Maori und möchte wieder stolz darauf sein, einer zu sein. Eine Lehrerin stand daraufhin auch auf (das ist üblich für Maorireden, wenn du was zu sagen hast, steh´ auf und sag´s) und sagte, es gäbe keine halben Maoris. Sie erzählte auch was von Vergewaltigungen durch Weiße und den daraus erzeugten Kinder. Ich fand das ehrlich gesagt nicht so passend.
Maori machen gerne ein auf gangsta. Bezeichnen sich als "Schwarz" und sind im Ghettostyle. Nicht alle sind da gleich, aber viele schließen sich selbst als Gruppe aus. Dabei haben sie so viel Kultur und coole Sachen, die sie als Maori auszeichnen und können trotzdem gut in europäisch/neuseeländischem Stil leben.
Der Hongi hinterher unter keine Ahnung wie vielen Menschen war lustig. Bin froh auch sowas miterlebt/gemacht zu haben.
Also nochmal volle Anerkennung zu Sophie. Hut ab, das war mutig!
Kurz zuvor hatte ich übrigens mein Tauchkursexamen bestanden. Heute und gestern war ich auch im Pool. Gestern war es Spaß, heute eher nicht, fühl mich net so gut und irgendwas stimmte mit meiner Gewichtverteilung nicht.
Ich hab mich am letzten Schultag nicht von vielen verabschiedet, weil ich die meisten ja noch auf Parties und so sehe. Zum Beispiel am gleichen Abend. Da haben zwei Typen ein Loch in die Hauswand gerammt. Nicht allzu schwer hier, die bauen ja nur aus Pappe.
Die Tage waren super, habe keine Lust alles ganz ausführlich aufzuschreiben, war halt der übliche Kram: BBQ mit Freunden, Café, Videoabend. Funny Times, wie Megan immer so schön sagt!
CU soon
HEGDL
Eure Alice
P.S. Damnation (das Wort ist irgendwie lustig, aye? Hab ich aus Pillars of the Earth), dass ich so bald weg muss! Aber vielleicht kommen mich ja einige besuchen!
18
23. November 2005
Hi mal wieder,
jetzt, wo ich die Stunden bis zu meiner Abreise abzählen könnte, wenn ich nicht vollkommen Mathe entwöhnt wäre, fällt es mir immer schwerer euch zu schreiben.
Der Tauchkurs war mega cool. Hoffentlich komm ich nochmal los!!! Jetzt hab ich sogar meine Fischangst erfolgreich bekämpft. Der erste Tauchgang war noch unsicher, ich war kurz zuvor beim Schnorcheln auch von einem männlichen Seelöwen überrascht worden. Ich hielt ihn erst für ´nen anderen Taucher, doch dann war er so furchtbar schnell und ich hatte einen Augenblick wirklich Angst. Die anderen drei Tauchgänge waren super. Ich kann jetzt auch mit einem Kompass umgehen. Mein Tauchschein wird mir nach Deutschland geschickt. Für die Zeit hier habe ich einen vorläufigen.
Tauchen ist faszinierend. Du bist fast schwerelos und es ist ein merkwürdiges Gefühl zu atmen, wenn um dich rum nur Wasser ist. Vor allem, wenn du die Maske abnimmst.
Die Nacht auf dem Boot schlief ich an Deck unter dem atemraubenden Sternenhimmel Neuseelands. Ich habe absolut nicht gefroren, aber die Bank war ein bisschen schmal. Also um es nochmal zusammen zu fassen - Awesome!
Montag machten wir Sushi. Super lecker und auch nicht zu schwer. Wusstet ihr, dass der Reis mit Essig und Zucker vermengt wird? Ich stellte mich nicht zu dumm an, Haruka war ganz stolz auf mich. Besonders merkenswert auch die Art Ei zu machen: Ei mit Soyasauce und Zucker rühren und hauchdünn in eine heiße Pfanne gießen. Das war ganz sicher nicht das letzte Mal Sushi machen. Total lecker!!!
Abends war ich das erste Mal mit Oli einkaufen. War schön mal wieder was mit ihm zusammen zu machen. Ich sehe ihn nicht allzu oft. Er arbeitet viel. Dann fuhr ich mit drei Freunden ins Kino. Der Film "The Exorcism of Emily Rose" war nicht der Brüller.
Dienstag besuchten wir die Ice Cream Factory. Sehr interessant. Die Produzieren 30000L Eis in Motueka täglich. Viel wird nach Japan exportiert. Nach Deutschland exportieren sie nicht. Ratet mal warum? Weil wir selbst zu gutes Eis haben. Ha!
Die Eisprobe hat uns wohl am besten gefallen. Danach ging´s in ein Café. Abends machte ich dann Videoabend.
Mittwoch stand dann Reiten auf unserem Programm. Ich wählte die große Tour. Zweieinhalb Stunden! So viel wie ich hier schon erlebt habe, haut mich das auch nicht mehr um, war mein Gedanke. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Mein Pferd Scooter war relativ ruhig, aber nicht zu ruhig. Es gab drei Schockmomente für mich: Der erste beim Durchqueren des Flusses. Scooter trennte sich von der Gruppe und fing an mit den Hufen auf der Stelle zu trampeln und das Wasser aufzuspritzen. Wie wild. Ich wurde hin und hergeschüttelt und ein wenig nass. Ich bekam ihn Gott sei Dank wieder aus dem Fluss raus. Hinterher erfuhr ich, dass Scooter ganz Wasser verliebt ist und am liebsten schwimmen geht. Er wollte sich nur nass machen. Ja super und ich denk, mein Pferd hat Tollwut.
Der nächste beim Wiederaufsteigen nach der Pause. Da beißt doch Monas Pferd meines in den Hintern und meines schießt unerwartet nach vorn. Rempelt dabei Barbaras Gaul an und zog unsere japanische Guide beinah mit sich, die an meinem Sattel etwas veränderte. Ich fiel zum Glück, trotz nur einen Fuß in den Steigseln (heißen die Dinger so?), nicht runter.
Dritter Moment des Erschreckens: Wir trotteten gerade beim Fluss entlang. Das Ufer war sehr steinig und unwegsam, da stolpert mein Scooter und legt sich beinah hin.
Aber ich habe es sehr genossen, den Ausflug. Wir durchquerten wie erwähnt den Fluss, Eukalyptuswäldchen, viele Kashmirziegen und ihre Zicklein. Ich war froh das alles auf dem Pferderücken zu sehen, denn der Weg führte uns über viele steile Passagen. Erstaunlich was Pferde so klettern können. Ich redete viel mit unserem Guide, die vor mir ritt.
Zum Schluss machten wir noch Fotos von Theodens Pferdchen, das auf der Farm lebt. Es hat ein Rückenleiden und wird nicht mehr geritten. Aber auch der Orlando saß schon drauf und sie haben mehr Pferde, die in Filmen mitspielten.
Einen Haufen lieber Grüße an euch daheim
HEGDL
Eure Alice
19
05. Dezember 2005
Moin moin!
Ups hab ich mich lang nicht gemeldet. Naja, ich bin immer noch wohlauf. Donnerstag besuchten wir die Marmeladenfabrik und danach verbrachte ich den Nachmittag mit ein paar Freunden. Erst Thai Lunch, dann Commonroom und dann Bücherei.
Am Donnerstagabend bekam ich eine super Überraschung: eine Gastschwester! Arisa zog bei uns ein! Sie kommt auch aus Osaka, Japan.
Freitag war Shoppen in Nelson. Arisa und ich hatten so viel Spaß, war ganz super. Kauften uns Hexenhüte, da ich für Nairis Hutparty noch einen witzigen brauchte, und liefen damit durch Nelson.
Samstag war Nairis Party, die war nicht so gut. Eigentlich wollte ich da übernachten, aber ich entschied mich um, da die meisten, die ich kannte und mochte, gegangen waren.
Sonntag war ich mit Barbara in Mapua im Cafe Musik hören und Montag trafen wir uns bei mir.
Dienstag fuhr ich mit Arisa nach Kaiteri an den Strand.
Mittwoch war Leavers "Dinner" mit Fingerfood. Kaum einer war da und ganz unformell und langweilig. Danach verbrachte ich den Abend bei Sarah.
Freitag ging ich mit Oli und seiner Schwägerin Janet bergsteigen. Einmal mehr Ben Nevis, weil wir den verpassten Ausblick haben wollten. Hielt sich dann doch in Grenzen, hatte jedoch ne Menge Spaß. Janet ist total witzig. Schade, dass ich sie nicht besser kennen gelernt habe. Abends war dann Xmas Parade in Mot. Recht nett.
Samstag verabschiedeten wir die Japanerinnen. Es war so furchtbar traurig. Und wieder bin ich schwester-los.
Auf dem Weg zum Flughafen legten wir Ries und Arisas Namen mit Steinen in den Sand von Tasman. Das ist hier ganz üblich. Jedenfalls ist der Sand voller Steine. Angefangen hat das ein Mädchen, nachdem ihre Schwester dort in einem Autounfall ums Leben kam.
Sonntag starteten wir nach Anchorage. In einem WaterTaxi voll besetzt mit Deutschen.
Es war ein sonniger Tag, doch nachts fing es an zu regnen und wir schliefen draußen ohne Zelt. Wir schliefen im Nieselregen ein, aber als es mitten in der Nacht richtig zu schauern anfing, beschlossen wir spontan, unseren Schlafplatz in den Küchenshelter zu verlegen. Dort auf dem Boden verbrachten wir dann die restlichen Stunden. Kleines Abenteuer. Bereu ich nicht.
Das war sowieso komisches Campen. Ich hatte Eis und Milch mit. Zum Abendessen aßen wir Sushi mit Stäbchen, Wasabi und Soyasauce. Einen Kocher hatten wir gar nicht erst mitgebracht. Den Rückmarsch am Montag ausgeschrieben mit vier Stunden taten wir unter drei. Und das in der Mittagshitze.
Wie ihr seht, meine letzten Tage waren nicht unbedingt super spannend. Es gab viele freie Stunden, in denen ich meinen dicken Roman beendete, japanisch lernte, Videos schaute, quatschte.
Ich freue mich einerseits nach Hause zu kommen, andererseits auch nicht.
Bis dann
HEGDL
Eure Alice
PS Da ich die nächsten Wochen unterwegs ohne Computer verbringe, könnte dieses meine letzte Mail aus NZ sein!
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