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18. Juli 2006
Noch 38 Tage!!!
JA, VOR 42 TAGEN HABE ICH BEGONNEN, DIE TAGE BIS ZU MEINER ABREISE ZU ZÄHLEN. NUN SIND AUS 80 TAGEN GANZ SCHNELL 38 GEWORDEN UND AUCH DIE ZEIT BIS DAHIN WIRD WAHRSCHEINLICH WIE IM FLUG VERGEHEN.
Aber erst einmal zu mir: Ich heiße Anne Röhrig, bin 16 und wohne in Panketal, Zepernick. Ist ein mehr oder weniger großes Dorf unweit von Bernau bei Berlin. (Wow, sind das viele Ortsnamen...) In Bernau befindet sich auch meine Schule, das Paulus-Praetorius-Gymnasium. Dort habe ich bis vor ein paar Wochen die 10. Klasse besucht. Nun ist aller Prüfungsstress vergessen und ich habe endlich die lang ersehnten Ferien!!
Letztes Jahr habe ich mich entschlossen, ein Jahr in Boston, UK zu verbringen. Größtenteils auch deshalb, weil eine unheimlich liebe Freundin von mir gerade da war mit dem Nordlichtstipendium. Ich stand dem anfänglich sehr skeptisch gegenüber und habe vor zwei Jahren auch gesagt, dass ich auf keinen Fall ein Jahr im Ausland leben möchte, aber wie sagte einmal ein kluger Mensch: Sag niemals nie! Ich freundete mich immer mehr mit dem Gedanken an. Besonders England hatte eine starke Anziehung auf mich. Ich hatte schon 3 Wochen in Irland verbracht, ebenso in Schottland. Und nun musste ich, um es fast komplett zu machen, auch England kennen lernen. Mich hätten auch Australien und Neuseeland interessiert, aber irgendwie blieb es bei Großbritannien. Ich spielte auch mit dem Gedanken, mich beim Nordlichtstipendium zu bewerben. Nun wurde für das Schuljahr 06/07 England leider nicht angeboten. Meine Eltern, die mich sehr unterstützen, meinten, das würde nichts machen und so begann das große Sparen.
Ich schickte eine Anmeldung ab und nach einigem Warten bekam ich Ende letzten Jahres (September oder Oktober) eine Menge Unterlagen zum Ausfüllen zugeschickt. Unter anderem auch einen "Ankreuz-Test" für meine Englisch-Lehrerin, die mich einschätzen sollte. Sie war sehr glücklich, dass sie größtenteils nur ankreuzen musste, weil die anderen Klassenkameraden, die ein Jahr ins Ausland gehen wollten, ewig lange Texte zur Einschätzung von ihr brauchten. (Ein weiterer Pluspunkt für KulturLife ;) ) Alles in allem fand ich den Papierkram relativ unkompliziert. Die Unterlagen für meine Gastfamilie hab ich auch mit meiner nun schon zurückgekehrten Freundin ausgefüllt. Manche Sachen wusste ich einfach nicht zu formulieren. Und dann kam die Zwischenakzeptanz. Und ich war so glücklich, wie man es sich nur vorstellen kann. Ich habe meinen Eltern Bescheid gegeben und meinen Freunden. Und dabei war ich noch nicht einmal 100pro angenommen. Nach der End-Akzeptanz ging es dann richtig ab. Ich habe rundgemailt und mich gefreut und bin rum gelaufen wie ein Honigkuchenpferd. Und dann, am 2. Juni, einem wunderbaren Tag, bekam ich, kurz nach meiner Vorbereitung für die Englisch-Prüfung, meine Freunde waren gerade nach Hause gegangen, meine Gastfamilie verkündet. Das war ein tollen Gefühl, weil ich so lang gewartet habe. Und es gibt glaub ich Leute, die immer noch warten. Ich hatte also ein ziemliches Glück.
Nun ja, und nun sitze ich hier, vor 2 ½ Wochen hat meine Gast-Mutter mir auf meinen Brief geantwortet. Seitdem habe ich schon wieder einen geschrieben und warte nun auf Antwort. Man denkt es nicht, aber auch das Warten hat seine Vorteile. Je länger man wartet umso mehr freut man sich, wenn der Brief dann endlich im Briefkasten liegt. Wir hatten auch schon das Vorbereitungstreffen in Hannover, bei dem ich leider nur bis Samstagnachmittag bleiben konnte, was ich ein wenig bereut habe. Meine Gast-Mama hört sich sehr nett an, meine Gastfamilie besteht aus den Eltern (beide 50), deren Kindern (ein Sohn, 21; eine Tochter, 18) und zwei anderen Austauschschülern, zwei Mädchen aus Ungarn und der Slowakei. Finde ich gar nicht schlecht, so habe ich noch zwei Menschen im Haus, die genau dasselbe erleben wie ich, so wegen etwaigem Heimweh und so. ^^ Außerdem hat die Familie noch Hunde, Katzen, Vögel und Frettchen. Mit ein paar Deutschen habe ich auch schon geschrieben. Die sind alle sehr nett! Allerdings leben alle, mit denen ich schon gemailt habe, in den Halls. Ich muss mich auch noch ärztlich durchchecken lassen, Zahnarzt und Impfen (buärk!!!), aber was sein muss, muss sein. Und ich habe am Samstag ein Post-Bank-Konto eröffnet, erst einmal nur eins, da kommt noch ein weiteres dazu. Dann kann ich pro Konto 4 Mal im Kalenderjahr kostenlos Geld abheben aus dem Ausland, also insgesamt 16 Mal in 10 Monaten, wird reichen, denk ich.
Eigentlich wollte ich die Ferien größtenteils mit Freunden verbringen, aber das wird irgendwie nichts, weil ich bei einem Bekannten arbeite und sich die zu entfernende Farbe als sehr hartnäckig herausgestellt hat. Also kratze ich schon seit einer Woche an zwei Toren rum, die sich irgendwie nicht von ihrem grauen, aufgeplatzten und bröckligen Mantel trennen wollen. Somit habe ich kaum noch Zeit für Freunde. Finde ich schade, ehrlich!!! Bleibt eigentlich nur noch nächste und übernächste Woche, und das finde ich verschwindend wenig. In der letzten Ferienwoche vom 11. - 18. August fahre ich Segeln mit meinem liebsten Hobby, der Jugendarbeit. Da sind noch einige Freunde dabei. Ansonsten verbringe ich noch gute 5 Tage bei meinen Großeltern in Thüringen. Am 19. August verabschiede ich mich dann von meiner Berliner Familie und am 23. August von meinen Freunden. Da feiern wir ein bissl Abschied und am 24. geht's dann los!!
Meine Eltern fahren mich nach Boston, gekoppelt mit Urlaub. Wir fahren mit der Fähre, ein guter Weg, um Gepäck über 20 kg (wie im Flugzeug) über den Kanal zu bekommen und fahren dann von Dover über Stonehenge und Cambridge nach Boston. Und dann gibt's kein Zurück mehr. Das hört sich sehr brutal an, irgendwie. Aber ich habe nicht sehr viel Angst vor dem Jahr. 90% Freude, 10% Angst. Ungefähr in dem Verhältnis. Das variiert aber manchmal. Ich merke, dass ich sogar anfange, gern mit meinem Hund spazieren zu gehen (dazu musste man mich sonst echt zwingen!!) und ich gerne mehr mit meinen Eltern zusammen bin. Bin ich eh, aber irgendwie noch lieber. Manchmal werden sie auch traurig und wehmütig. Aber HEY!, man soll immer nach vorn sehen. Meistens meinen sie, dass sie mir grüngelben Neid hinterher senden, weil sie auch einen Insel-Fimmel haben. Muss in den Genen liegen. Es gibt nur zwei Wehrmutstropfen, die mich ein wenig wanken lassen: Meine Ur-Oma (bald stolze 92!!!) und mein Hund (11 Jahre alt). Hab halt ein wenig Angst, dass sie nicht mehr da sind, wenn ich wiederkomme. Aber man soll den Teufel ja nicht an die Wand malen. Wie schon gesagt, immer nach vorn sehen.
Habe am Samstag echt angefangen, Hefter für meine Fächer in England vorzubereiten. Irgendwas hat mich da geritten. Keine Ahnung. Hab mir auch eine Liste gemacht, was ich alles mitnehmen muss. Aber die wird sicher noch länger - wobei sie schon ziemlich lang ist - Mädchen halt!
Und ich freu mich so!!! Vor allem über das stylische KulturLife-Shirt.
Jaaa, ist sehr lang geworden. Mal sehen, wer sich so was langes durchliest. Aber ihr werdet noch von mir hören! Vielleicht sogar noch vor meiner Abreise. Falls ich was vergessen habe.
Liebe Grüße, Anne
1
Seit dem 24. August auf großer Reise
KANN NICHT GLAUBEN, DASS ICH ECHT HIER BIN. IN ENGLAND, IN BOSTON, BEI DER LUSTIGSTEN GASTFAMILIE, DIE MAN SICH VORSTELLEN KANN. ABER ALLES GANZ LANGSAM...
Am 19.August, am Tag nach der Segeltour, die ich glaub ich schon erwähnt habe, waren meine Berliner Großeltern und meine Tante, nicht zu vergessen meine allerliebste Ur-Oma zu einer kleinen Abschiedsfeier bei mir zuhause. Meine Laune war eher verhalten, denn ich musste die ganze Zeit an die Segeltour und die dort neu gewonnenen Freunde denken. Plötzlich klingelte es und wer war da???
DIE BESTEN FREUNDE UNSERER FAMILIE!! Totale Überraschung! Hab wirklich nichts vermutet und dann standen sie im Flur! Die Laune hatte sich schlagartig verbessert. Von ihnen bekam ich, total böse, ein Geschenk, das ich aber erst in Boston öffnen durfte. Wir hatten viel Spaß, wenn meine Ur-Oma und meine Tante auch immer sehr traurig schienen. Bei meinen Großeltern war da auch immer so ein Glimmen in den Augen, das nicht wirklich was Freudiges hatte.
Das war Großer Abschied Teil I. Besonders bei meiner Ur-Oma fiel es mir schwer. Aber sie hat versprochen, dass sie noch da ist, wenn ich wiederkomme.
Am 21. bin ich dann in die Schule gegangen. Gucken, was da so abgeht und Kurse watchen. Damit ich mich auf die Lehrer vorbereiten kann. Wenn da jemand sehr schlimmes gewesen wäre, hätte ich noch schnell gewechselt.
Am 22. war ich nicht in der Schule, habe Arztbesuche gemacht, war noch einmal Haare schnippeln beim Frisör und hab dann mit einer Freundin, die jetzt in Amerika ist, Abschiedsgeschenke fertig gebastelt. War ziemlich lustig. Denkt man nicht, weil die Stimmung an sich eigentlich ziemlich gedrückt war. Musste dann abends aber noch nach Bernau wegen der Jugendarbeit. Das letzte Mal KreisJugendKonventsRat in Originalbesetzung. Denn wenn ich wieder da bin, wird ein sehr lieber Freund von mir erstmal für drei Jahre in Belgien wohnen.
Am 23. war schließlich meine "Goodbye-my-friends"-Party. Ich konnte die ganze Zeit nicht heulen. Das hat mich gewundert, denn ich hätte wirklich gedacht, ich würde nur noch so eine einzige Träne sein. Nervenbündel. Aber nein. Als meine süße Elli gegangen ist, musste ich weinen, und schließlich als mein Freund gegangen ist. Das war's aber auch. War vielleicht auch gar nicht so schlecht. Meine Freundin, die in Amerika ist, Gesa, hat gesagt, man darf sich nicht umdrehen, wenn man sich verabschiedet hat. Dieser Rat war an sich ganz gut, hätte ihn nur auch befolgen sollen. Denn bei meinem Freund hab ich mich umgedreht und das war so ziemlich das schlimmste, was ich konnte. Aber jetzt weiß ich ja, was man tunlichst vermeiden sollte.
Ich hab unheimlich süße Geschenke bekommen von meinen Freunden. Ein riesiges Bild mit Fotos, Überlebenspakete, Briefe, Gute-Laune-Schokolade, Bücher zum Gedanken aufschreiben, ein selbst genähtes Dinkelkissen... und vieles mehr. Ich war echt froh, dass wir mit Auto nach England gefahren sind, da konnte ich so ziemlich alles mitnehmen.
Am nächsten Tag ging's dann auf große Reise. Meine Vorfreude war so fast gänzlich weggeblasen. Eigentlich war ich sogar ganz schön schlecht drauf. Die Stimmung hielt drei Tage an. Oder so... Weiß nicht mehr so genau. Meine Eltern durften mich nicht mal umarmen, weil ich nicht heulen wollte. Sorry, Mamschi und Babba.
Am ersten Abend haben wir bei Gelsenkirchen gepennt.
Die Route des nächsten Tages war ziemlich komplex: Deutschland → Holland → Belgien → Frankreich, Calais → Fähre nach England → England, Dover → Campingplatz somewhere I don't know anymore. Hab nicht viel davon mitbekommen, denn ich hatte eine Taktik gegen das Traurigsein entwickelt: Schlafen. Hab ich konsequent durchgezogen. Bis Ankunft in Boston. Wir fuhren die Südküste entlang, waren irgendwo in Brighton (hab geschlafen), haben uns Oxford und Cambridge angesehen, bis wir schließlich am 29. nach Boston fuhren.
Am 28. hat mein Babba mich dann mehr oder weniger zwingen müssen, meine Gasteltern anzurufen. Da hatte ich wirklich Bammel vor, weil ich Angst hatte, mich zum Deppen zu machen. Aber war total locker. Mein Gastpapa war unheimlich nett und ich hab was verstanden - "aufdieSchulterklopf". Habe mich angekündigt für 14.00 - 15.00 Uhr. Und was war??? Wir kamen zu spääät. Das Haus zu finden, war wirklich kompliziert. Außerdem wollten meine Eltern noch Zugtickets nach anywhere kaufen. Die waren ziemlich teuer, schlussendlich haben sie keine genommen und wir waren völlig umsonst unpünktlich. Aber das machte nichts. Meine Gastmutter, Nancy, kam gleich auf mich zu und hat mich begrüßt. Sie machte einen sehr netten Eindruck und der hat sich bis jetzt auch nur bestätigt.
Mir wurde das Haus gezeigt und mein Zimmer (Toll! Absolut toll!). Ich wusste von einer Freundin nur von einem grünen und einem blauen Zimmer, aber ich hab ein weiß-rotes. Schickschick. Hab auch Hund I (Windhund Cassie) und Hund II (Beagle, nennen wir sie... Beagle?? Kann mir ihren Namen nicht merken) kennen gelernt. Und die beiden Katzen Silver und Scott, die Hühner, die Frettchen und das Meerschweinchen.
Mir wurde auch ein (von sage und schreibe 3 Klos) Klo gezeigt. Allerdings ohne Dusche und ich war zu feige, um zu fragen, wo eine ist. Echt kompliziert, sich im Waschbecken die Haare zu waschen.
Meine Eltern schliefen noch eine Nacht in meinem Zimmer, bevor sie am 30. aufbrachen, den Hadrians Wall zu bewandern. Am Nachmittag waren meine Gastschwester Ellie, Nancy und ich in Lincoln. Sehr schöne Stadt und Ellie ist echt unheimlich lustig. Total verrückt! Als wir wiederkamen, saß meine Gastschwester aus der Slowakei am Küchentisch. Totale Überraschung für mich, da ich sie erst am nächsten Tag erwartet hätte. Ihr Name ist Ivy, also eigentlich Ivana. Aber wir nennen sie nur Ivy. Sie ist sehr sehr nett.
Am 31. war mein Englisch-Test. Ellie hat mich zum College gebracht. Konnte mir den Weg allerdings nicht merken. Am Ende war ich 5 Minuten zu spät, aber das war kein Problem. Vorher war ich noch bei Sue Hill. Eine wirklich sehr nette Frau. Allerdings dachte ich irgendwie immer, sie wäre asiatisch. Ä-ä. Aber sehr lustig.
Der Test bestand aus einem Schreib- und einem Sprachtest. Der Schreibtest dauerte eine Stunde. 40 Fragen zum englischen Sprachgebrauch, 20 zu Vokabeln. Dann mussten wir noch Formulare ausfüllen. Der Sprechtest war bei mir so circa 3 Stunden später und so ging ich in die Stadt, um ein paar Schulsachen zu kaufen. (einen Ordner, weiße Blätter, usw.) Hab den Weg zum College zurück nicht gefunden, aber ich hab mir einen eigenen gesucht. Bin ihn so etwa dreimal abgelaufen, weil ich irgendwie so ein Gen hab, mich zu verlaufen. In der Stadt habe ich noch Nancy und Ivy getroffen.
Am 01.09. war "Beim-Doktor-registrieren"-Tag. Hab mich auf dem Weg natürlich verfahren. Aber kam alles in allem gerade vielleicht 5 Minuten zu spät und das war nicht weiter schlimm. Es ging größtenteils wieder nur um Formblätter ausfüllen, was sehr lustig war, weil ich von einigen Krankheiten nicht mal wusste, dass es die gibt, geschweige denn, dass ich gewusst hätte, was das überhaupt ist. Hab am Ende noch einen Termin beim Doc bekommen und dann ging's wieder heim. Auf dem Rückweg habe ich noch Bügel und einen kleinen Korb für Wäsche gekauft. Im Pound-Stretcher. Die Bügel glaube ich zusammen 1 Pound und der Korb noch mal 2. Und eine SIM-Karte für 9,95 Pounds.
Es war ein unglaublich schöner Tag, Sonne, warm.
Heute war nicht viel los, außer, dass unsere ungarische Gastschwester Anika (oder Annika??) angekommen ist. Sie kann deutsch, sollte man nicht glauben.
Das Wetter heute ist ehrlich gesagt ziemlich schrottig. Regen, Wind... Very British. Nee, bis jetzt war eigentlich immer schönes Sonnenwetter.
Morgen geht's mal wieder nach Lincoln, weil Ivy noch einen Wintermantel braucht.
-- ein Tag später --
Waren in Lincoln heute, zu 5t. Nancy, Ellie, An(n)ika, Ivy und ich. Unglaublich schönes Wetter, so warm, dass man sogar mit T-Shirt rum rennen konnte.
Auf dem Weg nach Lincoln hat mich Nancy noch an etwas erinnert. Ich habe vollkommen vergessen, was über meinen Gastpabba zu erzählen. Der Peter ist ein unglaublich netter und lustiger Mensch. Wenn man ihn sieht, ist das erste, was er sagt: 'Okay?' Habe lange gebraucht, um rauszubekommen, dass er 'Wie geht es dir, alles okay?' meint. Aber naja.
Als ich ihn fragte, ob die Hühner einen Namen hätten, sagte er: 'Yes, this is Lunch, this Dinner and this is Christmas Eve.' Und so geht es die ganze Zeit. Dauerverarsche. Aber sehr lustig, wenn man erstmal dahinter gekommen ist. Solche Sachen wie: 'There are students in the freezer' oder 'This is Chinese' auf meine Frage, was für Fleisch das in der Pasta ist, bekommt man ziemlich oft zu hören. Die Freezer-Students sind schon ein Running Gag.
Morgen ist das Welcome Meeting für alle International Students, um 13.00 Uhr. Mal schauen, was uns da so erzählt wird.
Ich gehe jetzt schlafen, bin nämlich ständig müde. (Ob das noch was mit meiner Taktik zu tun hat??? Keine Ahnung.)
Allerallerliebste Grüße Anne
2
11.September 2006
Hallihallo ihr da draußen. Hier bin ich also wieder, obwohl ich mich schon mal verabschiedet habe. Mein Gastpabba ist seit heute in Polen und mir geht's heut nicht so gut, Bauchschmerzen und allgemeines Unwohlsein. Aber das ist normal, irgendwie sind zur Zeit alle krank, besonders die Deutschen.
Nun zu meiner Schulerfahrung. Erst einmal mein Stundenplan wie er gerade steht ohne EFL. Denn die Stunden haben wir noch nicht. Ab Mittwoch glaube ich.
| Monday |
Tuesday |
Wednesday |
Thursday |
Friday |
Times |
| AS Maths |
AS Biology |
AS History |
|
AS History |
9:00-10:10 |
| |
AS French |
|
AS Maths |
AS Biology |
10:25-11:35 |
| AS French |
AS Maths |
AS Biology |
AS History |
|
11:50-13:00 |
| |
AS History |
AS French |
|
AS Maths |
13:55-15:05 |
| AS Biology |
|
|
AS French |
|
15:20-16:30 |
Wie man also sieht... Heute hatte ich "Stunde-Frei-Stunde-Frei-Stunde". In Deutschland würde ich feiern und ne Party geben wegen den Freistunden, aber da die Stunden hier so lang sind, macht das nicht wirklich Spaß. Wir hocken dann in der Cafeteria und trinken Tee oder ich bin in der Bibliothek und schreibe Mails. Hab zugegeben noch nicht so viele geschrieben, aber der gute Wille zählt.
Muss erstmal umstellen, wieder "Ü" und "Ä" schreiben zu können. Und dass das "Z" und das "Y" nicht mehr vertauscht sind.
Mathe ist sehr lustig. Der Lehrer, Patrick, ist überlustig und sieht laut meiner Gastmum aus wie Mr. Bean. Französisch gefällt mir nicht, aber das macht nichts, ich lass mir das Fach einfach mal nicht von der Lehrerin vermiesen. Biologie mutiert zur Zeit zu meinem Lieblingsfach, wo ich in Deutschland doch so ziemlich den Spaß daran verloren habe. Er besteht aus zwei Teilen: Biologie Grundlagen und Biologie Health and Disease. Mit zwei verschiedenen Lehrerinnen. Beide sehr nett. Geschichte ist halt Geschichte, aber trotzdem auch irgendwie lustig. Letzte Woche hatten wir noch keinen richtigen Unterricht und haben Black Adder geguckt.
Theoretisch hatte ich noch Psychologie, aber das hat mir nicht so gefallen und ich hab es am Freitag gedropped. Die Lehrerin war echt super nett und es war kein Problem. Das erste Mal wurde ich "Darling" und "Sweetheart" genannt.
Ich bin totaler ASDA-Fan geworden, der einzige Laden hier, wo ich Eistee bekommen kann. Es gibt so ein paar Laster. Da kann man einfach nichts gegen tun.
Ach ja, und diese Müdigkeit, die manchmal beschrieben wird, wenn man in einem fremdsprachigen Land ist ... Die hat bei mir voll rein gehauen. Ich kann überhaupt nicht schlafen, wache nachts ständig auf. Aber die Familie ist total unkompliziert und meint, das ist ganz normal.
Okay, dann wird ich mal was gegen meine Müdigkeit tun und ins Bettchen gehen.
Denk an euch und dicke Grüße ans dem wunderschönen, sonnigen und absolut warmen, regenarmen England. (Denkt man nicht, dass man hier braun werden kann)
Liebe Grüße, Anne
3
08.Oktober 2006
HIER SITZE ICH ALSO AUF MEINEM BETT UND HABE MIR JETZT MAL DIE ZEIT GENOMMEN, EINEN NEUEN BERICHT ZU SCHREIBEN. HOFFE, ER WIRD NICHT WIEDER SO LANG!
Wir schreiben den achten Oktober im Jahre zweitausendsechs, ein Tag, der sich nicht von den anderen Tagen zu unterscheiden scheint...
... Tut er auch nicht, abgesehen davon, dass es ein Samstag ist und ich so mal wieder richtig Zeit hatte, mich zu entspannen. Mal wieder ein Tag zum Ausschlafen und Faulenzen, ein Tag zum Lesen und Aufräumen. Man denkt es nicht, aber ich hab echt mein Zimmer aufgeräumt! Dabei bin ich gar nicht so ordentlich. Hab auch ein bisschen umgeräumt, mein Bett steht jetzt anders und der Schreibtisch am Fenster usw.
Gefällt mir so besser, dann kann man nicht sofort auf mein Bett gucken, von der Tür aus und es ist ein wenig gemütlicher so. Ellie meinte, es ist confusing, weil sie nicht mehr gleich sieht, ob ich im Zimmer bin oder nicht. Na ja, man kann ja nicht alles haben.
Diesen kleinen Korb, den man da sieht neben dem Schreibtisch, das ist mein Fresskorb. Da sind lauter Schokoriegel und Äpfel drin. Hab mir vorgenommen, gesünder zu essen, also werde ich die Schokoriegel wohl verschenken. Anika mag die KitKat's ganz gern. Um die Daim ist es ein bisschen schade. Aber naja.
Habe gestern sehr sehr lang mit meinen Eltern telefoniert, ich fahre nämlich nach Holland am letzten Oktoberwochenende - *freu*. Zu einem internationalen Jugendkongress. Das wird schön, bestimmt! Sehe viele holländische Freunde wieder und man kann Leute aus "aller Welt" kennen lernen. Hab die ganze Zeit ein Dauer-Grinsen auf dem Gesicht und einen Freude-Luftballon im Bauch. Außerdem kann ich da auch noch ein paar deutsche Leute wieder treffen. Aber natürlich wird brav englisch geredet!
Was ist denn so alles passiert bis jetzt ... Muss ich echt nachdenken ... *grübel*
Also, der September war eigentlich relativ ereignislos. Ich hatte zwei Wochen lang einen Husten, der verkrümelt sich jetzt aber mehr und mehr. Somit kann ich auch wieder besser schlafen. Ich hab meine Arztkarte bekommen, dass ich nichts bezahlen muss, wenn ich zum Arzt gehe, mein erster Mathetest war ein C (echt super gut für meine Verhältnisse) und Geschichte wird auch immer interessanter. Britische Geschichte find ich echt gut!
Ich hab mich entschieden, Weihnachten nach Hause zu fahren, also seh ich da einige Freunde wieder und natürlich meine Familie! Und meinen Freund. War alles eine sehr spontane Entscheidung, bin eines Morgens aufgewacht und dachte: "Hey, wär eigentlich schon ganz schick, die Familie wieder zu sehen." Also wurden meine Eltern kontaktiert und am 20.12. flieg ich nach Hause. Ich mag das Schulsystem hier echt gern, man hat nur wenig Hausaufgaben auf, und die, die man aufhat, sind sehr langfristig. Also meistens eine Woche. Und die Tests werden angesagt, alle. Am Mittwoch zum Beispiel schreiben wir einen Test in Biology Foundation. Über Zellstrukturen.
Das Wetter hier wird langsam immer ungemütlicher. Heut war's mal wieder sonnig und warm, aber sonst recht regnerisch. Nicht schick, aber hey, ich bin in England, was soll's?
Musste ziemlich viele Klamotten erstmal trocknen, die eine Hose ist nicht trocken geworden und dann musste ich sie am Morgen mit meinem Fön trocknen. War bestimmt ein lustiges Bild. Anika und ich waren ein Wochenende wandern mit Peter. Also, jeweils am Samstag und am Sonntag. Nicht über Nacht. Dabei hat sich Deynty (Beagle) die Wolfskralle irgendwie rausgerissen und danach war ich blutverschmiert, weil sie die ganze Zeit auf meinem Schoß saß. Sie tat mir so leid. Wie sie immer ihre Pfote hochgehalten hat und einen so von unten angeschaut hat - *drop*. Soooo süß!
Ah, und ich hab mir ein Radio gekauft für 20 Pfund. MP3-abspielbar mit einem USB-Anschluss für den MP3-Player. Sehr lustig! Nebenbei hab ich neben der Schule noch angefangen, mit meiner Französischlehrerin zu schreiben, natürlich auf Französisch, damit ich den Anschluss zu Hause nicht verpasse. Also sozusagen Französisch-Fernstudium. Den Französischunterricht hier, kann ich immer nur wiederholen, find ich nicht so toll. Hab ich bestimmt schon gesagt. Aber der Rest ist so lustig schön. Bio, Mathe, Geschichte und EFL. Okay, EFL ist manchmal etwas langweilig, weil wir noch nicht so richtig was machen, aber eigentlich immer ganz witzig. Joa, September scheint schon so weit entfernt, unglaublich! Dabei ist er kaum vorbei. Komm mir vor, als wäre ich schon ewig hier. Ist aber nur ein bisschen über einen Monat.
Hab schon viele Briefe geschrieben, mag das eigentlich nicht. Aber ich hatte irgendwie nichts zu tun und so hab ich bestimmt schon 5 abgeschickt. Hört sich nicht viel an, aber die sind alle 3-5 Seiten lang, also schon ganz schön viel für meine Verhältnisse.
Hmm, was noch? Mir fällt nicht soo viel mehr ein, um ehrlich zu sein. Nächsten Monat werde ich versuchen, irgendwie mal nach Nottingham zu fahren. Muss ich sehen, das schreib ich dann bestimmt. Mal sehen. Also, werdet ihr ja sehen.
Dann ganz ganz ganz liebe Grüße Anne
4
12 November 2006
DA WAR AUCH SCHON WIEDER DER OKTOBER VORBEI. UNGLAUBLICH, WIE SCHNELL ALLES VERGEHT, ES KOMMT MIR VOR, ALS WÄRE ICH ERST SEIT 4 WOCHEN HIER!
Im Endeffekt sind es zwar schon 2 ½ Monate, aber es kommt mir echt nicht so vor! Jaa, der Oktober, da muss ich erstmal überlegen. (Und mich wieder dran gewöhnen, dass ich wieder "ü" und "ä" und "ö" hab auf meinem Laptop )
Eins, das ich hundertprozentig weiß, ist, dass der Oktober voll von Tests und Hausaufgaben war. Und, dass wir Ferien hatten, die allerdings nicht sonderlich erholsam waren.
Da die Ferien "Half Term" waren mussten natürlich alle Lehrer noch schnell ein paar Zensuren von uns haben. Ist allerdings hier nicht so schlimm wie in Deutschland, weil man in England ja nur maximal 5 Fächer hat. Scheint aber sehr verbreitet unter Lehrern jeglicher Nationalität zu sein, alle Tests in eine Woche zu hauen, damit man auch ein bisschen dran zu knabbern hat. Mein guter Vorsatz, brav eine Woche vorher zu lernen, hat sich natürlich nicht umsetzen lassen, aber hey: Der gute Wille zählt.
Und so schlimm war's am Ende auch gar nicht, von den Noten her. In Mathe sogar ein A. Über die Ferien hatten wir auch noch eine wunderschicke History-Hausaufgabe bekommen: Essay schreiben, um die tausend Wörter über William Pitt the Younger, den jüngsten Prime Minister ever. Nun war ich in den Ferien ja leider Gottes in Holland und hab mich da ein bisschen weitergebildet in Menschen-Kennenlernen und Holländisch sprechen. Kann schon einen ganzen Satz.
Und diverse kleine Wörter, die man so brauchen kann im täglichen Sprachgebrauch. Abends im Pub habe ich mich auch brav englisch mit den Holländern unterhalten und der ganze "Urlaub" war doch alles in allem ganz cool. Freunde sehen und Familie war gar nicht so schlecht. Mein Hund hat mich nicht wiedererkannt, das war ganz schön traurig, aber am letzten Abend schien sie doch einen Wiedererkennungsflash gehabt zu haben.
Oh, und ach ja, das war ja mein erstes Mal Fliegen in meinem ganzen Leben. Muss sagen, nachts fliegen find ich unspektakulär, aber bei Tag ist's echt nicht schlecht. Die ganze Rückreise war ziemlich kompliziert, theoretisch ganz einfach, aber ich hab irgendwie so ein Gen dafür, dass irgendwas schief geht. War diesmal nicht so schlimm. Der ganze Plan sah so aus, dass ich in Stansted ankomme, in den Zug nach Peterborough steige und in Peterborough in den Bus nach Boston. Nun hatte ich, klug wie ich war, eine Tragetasche von 17 kg Gepäck bei mir, was das doch etwas ungemütlich machte. Am Flughafen hatte ich noch einen Trolli bis zur Bahn, weil der Bahnhof gleich da ist. Mit Zügen kann ich eh nicht so gut und so entschied sich dieser in Cambridge einfach stehen zu bleiben. Na ja, ich hatte in Peterborough nur 45 Minuten Zeit, die Busstation zu finden vom Bahnhof aus und so wurde ich etwas nervös. Aber nach knapp 20 Minuten ging es weiter und in Peterborough hab ich mich dann bis zur Busstation durchgefragt, nachdem ich in die komplett falsche Richtung gelaufen bin. Dann hab ich mich, nach Finden des Busses, der sich böserweise in die falsche "Line" gestellt hatte, in meinen Sitz plumpsen lassen und wollte eigentlich schlafen, ist aber nicht so richtig was geworden. In Boston musste ich meine Tasche dann noch bis nach Hause tragen und dann war ich ziemlich geschafft. Aber ich war auch irgendwie glücklich, wieder da zu sein.
Ich hab mein Zuhause schon vermisst, aber Boston ist auch irgendwie eine Art Zuhause für mich geworden. Ich hab mich gefreut, meine Eltern wieder zu sehen und meine Freunde, aber ich hab mich auch wieder auf hier gefreut, besonders Schule. Macht doch irgendwie Spaß, ist halt anders.
Am 31.10. war ja dann Halloween. ASDA hatte schon Anfang September oder so angefangen, Kostüme zu verkaufen. Aber es war nicht wirklich viel los. Das praktische an unserem Garten hier ist einfach, dass der Weg bis zum Haus lang und dunkel ist und sich kein Kind getraut hat, bei uns zu klingeln. Anika und ich waren an dem Abend bei ASDA und es liefen ein paar kleine Vampire rum, aber nicht viele.
Und die Zeitumstellung hier ist echt ein wenig deprimierend. Man steht auf: Es ist dunkel. Wenn man aus der Schule kommt, geht die Sonne unter. Man sieht kaum die Sonne, die scheint nämlich manchmal noch. Es hat bisher noch nicht so oft geregnet, also gar kein England-Wetter, jedenfalls kein typisches. Und es ist teilweise klirre kalt. Morgens und abends, also immer auf dem Schulweg. Nun hatte ich in Deutschland von meiner Tante Wärmekissen und eine Wärmeflasche bekommen. Die Wärmflasche ist so ein stylischer Elch. Der liegt jetzt immer mit in meinem Bett. Von den Wärmekissen war Ellie ganz hin und weg. Die kannte sie nicht. Das Lustige war, dass genau gegenüber von New Look, wo sie am Wochenende arbeitet, Tchibo ist und es da Wärmekissen gab. Also hab ich ihr welche geschenkt. Hat sich gefreut, wie ein kleines Kind!
Gehen wir mal kurz in den November:
Ich hatte am 4. Geburtstag und da war zufällig auch Bonfire Night. Eigentlich ist die ja am 5.11., aber das richtig große Feuerwerk war am 4. Also haben meine Gastmama und meine Gastschwester sich uns Internationale gegriffen und sind mit uns zum Rugby Pitch von Boston gefahren. Da standen wir dann noch ein Weilchen rum und gegen halb acht ging dann das Feuerwerk los. War cool, aber meine Klamotten stinken immer noch danach, obwohl sie schon gewaschen wurden seitdem. Wie ein Räuchermännchen.
Gestern war ja der 11.11., an dem wir Faschingsanfang feiern. Hier wird am 11.11. um 11:00 Uhr den Gefallenen der beiden Weltkriege gedacht, weil der erste Weltkrieg da beendet wurde. Zwei Gedenkminuten. Halb Boston lief mit Mohnblüten-Ansteckern rum, weil die Poppies (so heißen die hier, find ich so niedlich) auf den Schlachtfeldern gewachsen sind. Schon seit einer Woche.
Außerdem waren die Internationalen gestern noch Schlittschuhlaufen, jedenfalls alle, die ein Ticket abbekommen haben. Ein Bus voll. War sehr lustig! Ich kann das ja mal gar nicht. Am Ende wurde ich etwas mutiger und hab mich auch mal von der Bande gelöst.
Danach waren wir in einem Outlet-Village in Doncaster. Da gab's alles verbilligt und zu Herstellungspreisen. Sehr schick! Waren gegen fünf wieder zu Hause und dann ging's noch für Anika, Peter und mich zu einer polnischen Geburtstagsparty. Das fand ich dann nicht mehr so toll, weil ich ziemlich müde war. Als wir wieder daheim waren gegen zwölf ist Cassie noch abgehauen. Also sind Anika und ich noch bis zwei aufgeblieben und haben gewartet, dass sie wiederkommt, was aber nichts geworden ist. Heute morgen um sieben hab ich sie rein gelassen, nachdem mich das Klappern der Katzenklappe geweckt hatte, die sie kaputt gemacht hatte, weil sie rein wollte. Komm ich in den Flur und der Hund guckt mich durch die Katzenklappe an, der Kopf komplett drin. War schon sehr lustig.
Nun gut, dann werde ich mal Herr der Ringe 2 gucken gehen, der kommt nämlich gleich im Fernsehen.
Gaaaaaaanz liebe Grüße, Anne
5
09 Januar 2007
ALSO, ICH SCHÄME MICH, HAB JA NUN DOCH SCHON LÄNGER NICHT MEHR GESCHRIEBEN... DABEI IST DOCH EIN BISSCHEN WAS PASSIERT HIER IM WUNDERSCHÖNEN ENGLAND.
Wo soll ich anfangen? Der November war, alles in allem, sehr schön. Anika und ich haben uns einen Spaß daraus gemacht, uns die alljährlichen traditionellen Weihnachtsessen unserer Familien vorzustellen, wo ja nun schlussendlich feststand, dass wir nach Hause fahren würden über Weihnachten. So liefen wir also durch Boston und sprachen über Klöße, Pute und Rosenkohl (letzteres mag ich ja gar nicht, aber naja). War schon lustig. Im Dezember, ich denke, da kann ich mich besser dran erinnern, war ein absoluter Weihnachtsstimmungsmonat. Da Nikolaus ja hier nicht so bekannt ist, haben Anika und ich Süßigkeiten, Nüsse und Mandarinen gekauft. Nachts um drei bin ich aufgewacht, eher ungewollt, und hab das ganze Zeug in die Schuhe der Greens gesteckt. Gegen sechs wurde ich von schwerem Atmen und Knistern geweckt: Peter kannte Nikolaus doch und hat uns Schokolade in die Treter gelegt.
Am 10. Dezember waren die Internationals in Lincoln auf dem Weihnachtsmarkt. Wir hatten allerdings ziemlich Pech mit dem Wetter. Es nieselte und bald waren wir minimal durchnässt und etwas erfroren. Aber man lässt sich die gute Laune ja nicht verderben. Was Positives hatte der Tag auch: Ich hab eine Thermoskanne bekommen. Die Frage ist nur, wo sie sich gerade momentan befindet... Außerdem war der Dezember ein wenig schulfrei. Ich hatte kaum Unterricht, weil viele Lehrer irgendwie krank geworden sind und Stunden hier generell irgendwie nicht vertreten werden. Jedenfalls nicht meine. Am 17., ich denke, dass es der 17. war, hatte mein Tutor uns, also seine Tutorgruppe, zum Essen eingeladen. Der liebe Patrick. Somit habe ich auch nicht das typisch englische Weihnachtsessen verpasst. Vorher waren Anika und ich noch bei den Baptisten im Gottesdienst. Die sind so lieb und kommen gleich auf einen zu. In dieser Gemeinde ist ja auch Patrick, weshalb wir eigentlich überhaupt dahin gegangen sind. Es macht ziemlichen Spaß, aber man ist anfangs erstmal ziemlich geschockt: Die Kirche ist pink von innen... Nicht mein Traum. Aber die meisten Gemeindemitglieder, mit denen ich geredet habe, mochten es auch nicht. However, Patricks Familie ist richtig niedlich. Er hat einen kleinen Sohn, dann noch John, er ist 16, und halt seine Frau. Sein kleinster, Simeon, ist sauintelligent! Und John ist passionierter Schachspieler. Und so saßen wir alle auf dem Boden vorm Kamin und haben irgendwelche Spiele gespielt, Jenga und so ein seltsames 3D-Puzzle. Simeon hat uns auch noch ein Murmelspiel gegeben, bei dem man zwei Platten gegeneinander balancieren muss, um die Murmel an den Löchern vorbeizuschmuggeln. Das Haus war richtig gemütlich, abgesehen davon, dass die Küche gleich im Flur war. Wenn man allerdings auf Toilette wollte, musste man durch eine Tür, die wie eine Stalltür aussah. Das war dann doch sehr seltsam. Das Essen war absolut lecker, mit Braten und Gravy, nicht zu vergessen die Kartoffeln. Am Ende gab es noch Christmas Pudding, wo ich persönlich ja jetzt nicht so drauf stehe, und Double Chocolate Kuchen. Der war das beste! Totaler Schokoladen-Schock.
Am 20. ging's ja dann nach Hause. Meine Mama meinte, sie würde mich allein abholen. Nach viel Spaß mit allen, die von Luton flogen, am Flughafen, machte sich das Flugzeug nach Berlin mit Juliane, Saba und mir an Bord, endlich auf den Weg. Und was soll ich sagen, da stand auch mein Babba am Flughafen. Ui, ich hab mich gefreut. Zu Hause hab ich dann auch meinen Hund wieder gesehen. Wenn sie auch nicht mich, denn sie sieht ja nicht mehr so viel. Hat mich auch nicht wiedererkannt. Sie kam mir richtig dick vor, weil ich hier ja meistens nur Cassie sehe, und die ist ja eher eine Speiche. Am 21. war ich in der Schule, Freunde gucken und Lehrer besuchen. Besonders meine liebe Französischlehrerin, die jetzt im Babyurlaub ist, und meine ehemalige Englischlehrerin, die ich sehr gern hab. Ich hatte auch was aus England mitgebracht, Schokolade. Am Nachmittag war ich beim Friseur und am Abend hab ich bei Betti, einer sehr guten Freundin, Döner gegessen. Man, das hat mir gefehlt! Ihre Familie ist so lieb.
Am 22. war ich mit meiner Oma einkaufen wegen Weihnachtsgeschenken, am 23. kamen noch einmal Freunde zum Pizza-Essen. Am 24. war dann endlich Heilig Abend. Es war, im Gegensatz zu sonst sehr entspannt. Ich durfte mal den Baum schmücken, weil mein Bruder was anderes machen musste. Sonst macht das immer mein kleiner Perfektionist. Und ich hab sogar ein Lob von ihm bekommen- :-P. Gegen halb vier kam die Berliner Familie zum Essen. Und die Fressorgie begann. Es war ein schöner Abend, Familie halt. Am 25. ging's dann NACH Berlin, zu eben jener Familie zum Mittag essen. Am Abend hat Babba mich nach Eberswalde gefahren, da ich mich dort mit meinen Freunden von der Jugendarbeit getroffen hab, anlässlich unseres alljährlichen "ZeitZeichen"-Weihnachts-What-ever. Am 26. weiter nach Thüringen, am 29. zurück und am 31. zur letzten Station des Jahres: Mecklenburg. Dort feiern wir für gewöhnlich Silvester. Es war stressig, alles in allem, und irgendwie auch seltsam, weil man ja doch ein Gast zu Hause ist auf eine Weise. Aber es war auch schön, einmal die Familie durchzuklappern.
Am 2. Februar waren abends noch mal meine Freunde da. Wir waren zusammen einkaufen und haben dann Essen gemacht, wonach uns halt gerade war. Das war ein schöner Abschluss des Heimbesuchs. Denn am 3. war ja schon wieder mein Rückflug. Mama und Babba haben mich zum Flughafen gebracht. Wir haben noch etwas gegessen und dann, nach ewigem Warten, kam das, was ich am meisten hasse, der Abschied. Klar, nur für ein halbes Jahr. Aber Abschiede tun halt immer weh. Eingecheckt und abgefertigt lief ich also ohne Eltern durch die Läden hinterm Security und freute mich einerseits auf mein "zweites Zuhause", andererseits war ich auch ein bisschen wehmütig. Ich muss sagen: Wenn ihr ins Ausland geht und euch die Chance geboten wird, nach hause zu gehen... Lasst es. Es ist schön, aber ich bereue auch ein bisschen, dass ich nicht hier geblieben bin. Meine Paula ist bei ihrer Gastfamilie geblieben und es hat ihr gefallen. Es IST schön, seine Familie und Freunde zu sehen, aber Leute, die in Amerika sind oder sonst wo können ja auch nicht einfach nach Hause. Es ist ne Erfahrung, der man da entgeht. Ohne Zweifel, aber man muss es auch nach seinem eigenen Heimweh entscheiden.
Nun ist wieder Schule und mein Bio-Examen ist noch genau 7 Tage hin. Revision-Zeit ist angebrochen. Ich habe gerade meinen Geschichtsaufsatz beendet, damit ich mich ganz und gar auf Bio konzentrieren kann. Und nun hab ich auch meinen Bericht geschrieben, damit ich mich mit dem nicht vom Lernen ablenken kann. Morgen wird ich wohl aufräumen, damit mich die Unordnung nicht stört. Denn wenn ich lernen soll und mein Zimmer unordentlich ist, muss ich irgendwie immer sauber machen, nur um nicht zu lernen. Hat Ellie, Gastschwester aus England, auch, das Problem. Und wir haben schlussendlich Peter Gastpapa überzeugt, wie nützlich doch Internet ist. Somit wird das Lernen dann noch mehr erleichtert, wo die Schulcomputer ja doch einige Seiten blocken.
Alltag ist wieder eingebrochen und ich werd jetzt ins Bett gehen. Ich wünsche ein Happy New Year nachträglich! Ich hoffe, ihr seid gut reingerutscht.
Viele liebe Grüße!! XxxX Anne
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