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18. Juli 2006

Noch 38 Tage!!!

JA, VOR 42 TAGEN HABE ICH BEGONNEN, DIE TAGE BIS ZU MEINER ABREISE ZU ZÄHLEN. NUN SIND AUS 80 TAGEN GANZ SCHNELL 38 GEWORDEN UND AUCH DIE ZEIT BIS DAHIN WIRD WAHRSCHEINLICH WIE IM FLUG VERGEHEN.

Aber erst einmal zu mir: Ich heiße Anne Röhrig, bin 16 und wohne in Panketal, Zepernick. Ist ein mehr oder weniger großes Dorf unweit von Bernau bei Berlin. (Wow, sind das viele Ortsnamen...) In Bernau befindet sich auch meine Schule, das Paulus-Praetorius-Gymnasium. Dort habe ich bis vor ein paar Wochen die 10. Klasse besucht. Nun ist aller Prüfungsstress vergessen und ich habe endlich die lang ersehnten Ferien!!

Letztes Jahr habe ich mich entschlossen, ein Jahr in Boston, UK zu verbringen. Größtenteils auch deshalb, weil eine unheimlich liebe Freundin von mir gerade da war mit dem Nordlichtstipendium. Ich stand dem anfänglich sehr skeptisch gegenüber und habe vor zwei Jahren auch gesagt, dass ich auf keinen Fall ein Jahr im Ausland leben möchte, aber wie sagte einmal ein kluger Mensch: Sag niemals nie! Ich freundete mich immer mehr mit dem Gedanken an. Besonders England hatte eine starke Anziehung auf mich. Ich hatte schon 3 Wochen in Irland verbracht, ebenso in Schottland. Und nun musste ich, um es fast komplett zu machen, auch England kennen lernen. Mich hätten auch Australien und Neuseeland interessiert, aber irgendwie blieb es bei Großbritannien. Ich spielte auch mit dem Gedanken, mich beim Nordlichtstipendium zu bewerben. Nun wurde für das Schuljahr 06/07 England leider nicht angeboten. Meine Eltern, die mich sehr unterstützen, meinten, das würde nichts machen und so begann das große Sparen.

Ich schickte eine Anmeldung ab und nach einigem Warten bekam ich Ende letzten Jahres (September oder Oktober) eine Menge Unterlagen zum Ausfüllen zugeschickt. Unter anderem auch einen "Ankreuz-Test" für meine Englisch-Lehrerin, die mich einschätzen sollte. Sie war sehr glücklich, dass sie größtenteils nur ankreuzen musste, weil die anderen Klassenkameraden, die ein Jahr ins Ausland gehen wollten, ewig lange Texte zur Einschätzung von ihr brauchten. (Ein weiterer Pluspunkt für KulturLife ;) ) Alles in allem fand ich den Papierkram relativ unkompliziert. Die Unterlagen für meine Gastfamilie hab ich auch mit meiner nun schon zurückgekehrten Freundin ausgefüllt. Manche Sachen wusste ich einfach nicht zu formulieren. Und dann kam die Zwischenakzeptanz. Und ich war so glücklich, wie man es sich nur vorstellen kann. Ich habe meinen Eltern Bescheid gegeben und meinen Freunden. Und dabei war ich noch nicht einmal 100pro angenommen. Nach der End-Akzeptanz ging es dann richtig ab. Ich habe rundgemailt und mich gefreut und bin rum gelaufen wie ein Honigkuchenpferd. Und dann, am 2. Juni, einem wunderbaren Tag, bekam ich, kurz nach meiner Vorbereitung für die Englisch-Prüfung, meine Freunde waren gerade nach Hause gegangen, meine Gastfamilie verkündet. Das war ein tollen Gefühl, weil ich so lang gewartet habe. Und es gibt glaub ich Leute, die immer noch warten. Ich hatte also ein ziemliches Glück.

Nun ja, und nun sitze ich hier, vor 2 ½ Wochen hat meine Gast-Mutter mir auf meinen Brief geantwortet. Seitdem habe ich schon wieder einen geschrieben und warte nun auf Antwort. Man denkt es nicht, aber auch das Warten hat seine Vorteile. Je länger man wartet umso mehr freut man sich, wenn der Brief dann endlich im Briefkasten liegt. Wir hatten auch schon das Vorbereitungstreffen in Hannover, bei dem ich leider nur bis Samstagnachmittag bleiben konnte, was ich ein wenig bereut habe. Meine Gast-Mama hört sich sehr nett an, meine Gastfamilie besteht aus den Eltern (beide 50), deren Kindern (ein Sohn, 21; eine Tochter, 18) und zwei anderen Austauschschülern, zwei Mädchen aus Ungarn und der Slowakei. Finde ich gar nicht schlecht, so habe ich noch zwei Menschen im Haus, die genau dasselbe erleben wie ich, so wegen etwaigem Heimweh und so. ^^ Außerdem hat die Familie noch Hunde, Katzen, Vögel und Frettchen. Mit ein paar Deutschen habe ich auch schon geschrieben. Die sind alle sehr nett! Allerdings leben alle, mit denen ich schon gemailt habe, in den Halls. Ich muss mich auch noch ärztlich durchchecken lassen, Zahnarzt und Impfen (buärk!!!), aber was sein muss, muss sein. Und ich habe am Samstag ein Post-Bank-Konto eröffnet, erst einmal nur eins, da kommt noch ein weiteres dazu. Dann kann ich pro Konto 4 Mal im Kalenderjahr kostenlos Geld abheben aus dem Ausland, also insgesamt 16 Mal in 10 Monaten, wird reichen, denk ich.

Eigentlich wollte ich die Ferien größtenteils mit Freunden verbringen, aber das wird irgendwie nichts, weil ich bei einem Bekannten arbeite und sich die zu entfernende Farbe als sehr hartnäckig herausgestellt hat. Also kratze ich schon seit einer Woche an zwei Toren rum, die sich irgendwie nicht von ihrem grauen, aufgeplatzten und bröckligen Mantel trennen wollen. Somit habe ich kaum noch Zeit für Freunde. Finde ich schade, ehrlich!!! Bleibt eigentlich nur noch nächste und übernächste Woche, und das finde ich verschwindend wenig. In der letzten Ferienwoche vom 11. - 18. August fahre ich Segeln mit meinem liebsten Hobby, der Jugendarbeit. Da sind noch einige Freunde dabei. Ansonsten verbringe ich noch gute 5 Tage bei meinen Großeltern in Thüringen. Am 19. August verabschiede ich mich dann von meiner Berliner Familie und am 23. August von meinen Freunden. Da feiern wir ein bissl Abschied und am 24. geht's dann los!!

Meine Eltern fahren mich nach Boston, gekoppelt mit Urlaub. Wir fahren mit der Fähre, ein guter Weg, um Gepäck über 20 kg (wie im Flugzeug) über den Kanal zu bekommen und fahren dann von Dover über Stonehenge und Cambridge nach Boston. Und dann gibt's kein Zurück mehr. Das hört sich sehr brutal an, irgendwie. Aber ich habe nicht sehr viel Angst vor dem Jahr. 90% Freude, 10% Angst. Ungefähr in dem Verhältnis. Das variiert aber manchmal. Ich merke, dass ich sogar anfange, gern mit meinem Hund spazieren zu gehen (dazu musste man mich sonst echt zwingen!!) und ich gerne mehr mit meinen Eltern zusammen bin. Bin ich eh, aber irgendwie noch lieber. Manchmal werden sie auch traurig und wehmütig. Aber HEY!, man soll immer nach vorn sehen. Meistens meinen sie, dass sie mir grüngelben Neid hinterher senden, weil sie auch einen Insel-Fimmel haben. Muss in den Genen liegen. Es gibt nur zwei Wehrmutstropfen, die mich ein wenig wanken lassen: Meine Ur-Oma (bald stolze 92!!!) und mein Hund (11 Jahre alt). Hab halt ein wenig Angst, dass sie nicht mehr da sind, wenn ich wiederkomme. Aber man soll den Teufel ja nicht an die Wand malen. Wie schon gesagt, immer nach vorn sehen.

Habe am Samstag echt angefangen, Hefter für meine Fächer in England vorzubereiten. Irgendwas hat mich da geritten. Keine Ahnung. Hab mir auch eine Liste gemacht, was ich alles mitnehmen muss. Aber die wird sicher noch länger - wobei sie schon ziemlich lang ist - Mädchen halt!

Und ich freu mich so!!! Vor allem über das stylische KulturLife-Shirt.

Jaaa, ist sehr lang geworden. Mal sehen, wer sich so was langes durchliest. Aber ihr werdet noch von mir hören! Vielleicht sogar noch vor meiner Abreise. Falls ich was vergessen habe.

Liebe Grüße, Anne

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