Trimester Úbeda (SAFA), Spanien
Hallo Ihr!
Mein Auslandsaufenthalt ist mittlerweile schon über zwei Jahre her. Ich war im Schuljahr 2007/2008 für ein Trimester im andalusischen Úbeda in der Provinz Jaén.
Meine Entscheidung nach Spanien zu gehen viel relativ spät. Da ich kein Spanisch in der Schule hatte, habe ich mich mit Computerprogramm und vier Wochen Intensivkurs an einer Sprachschule vorbereitet. Im Nachhinein muss ich sagen, es war ziemlich optimistisch und ein bisschen verrückt mit vier Wochen Sprachpraxis in einem fremden Land zur Schule zu gehen und Freunde zu finden.
Im September ging dann das Trimester in der spanischen Schule "Escuelas Profesionales de la Sagrada Familia" (SAFA) in Úbeda los. Das Programm war damals so, dass ich das Wochenende bei der Gastfamilie verbachte und in der Schulwoche mit Spaniern, die weiter weg wohnten, in der Residenz der Schule verbrachte. Da die Zusammenarbeit mit dieser Schule noch im Aufbau begriffen war hatte ich an dem Wochenende, an dem ich ankam und am darauffolgenden noch keine Gastfamilie. Ich wurde von Jesús, einem Mitarbeiter der Residenz, vom Bahnhof abgeholt.
Das war ein ziemlich komisches Gefühl. Als ich im Auto zu seinem kleinen Landhaus in der Nähe von Jaén saß, wo ich für das erste Wochenende wohnen konnte, wurde mir erst richtig klar, dass ich jetzt für drei Monate von Freunden und Eltern getrennt in einem Land verbringen werde, wo ich die Sprache kaum sprach. Es stellte sich zudem nach erstem Kontakt mit Einheimischen heraus, dass man in der Gegend einen markanten Akzent sprach, der für Anfänger extrem schwer zu verstehen war. Mittlerweile habe ich selber genau diesen starken Akzent. :)
Auch wenn es am Anfang unangenehm ist, sollte man nicht davor zurückschrecken in ein fremdes Land zu gehen, auch wenn man die Sprache nicht so gut kann.
Mit meiner Gastfamilie hatte ich persönlich riesiges Glück! Am ersten Wochenende wohnte ich übergangsweise bei der Familie des Bruders von Jesús, dem Mitarbeiter der Residenz. Nach dem ersten Wochenende fragten sie mich, ob ich sie nicht als Gastfamilie für die drei Monate haben wolle. "Ja" zu sagen war das Beste, was ich tun konnte, auch wenn sie im 60 Kilometer entfernten Jaén leben und ich befürchtete dann mit den Leuten aus der Schule weniger Kontakt zu haben.
Ich hatte zwei Gastbrüder in meinem Alter (damals 15 und 18), mit denen ich mich ziemlich schnell super verstand.
In den ersten Wochen fühlte ich mich in der Residenz, zugegeben, recht unwohl. Ich konnte mich nur sporadisch verständigen, verstand nur relativ wenig von dem, was andere sagten und hatte zudem auch gelegentlich Heimwehattacken, die immer mal wieder kamen, nach einiger Zeit aber nicht mehr schlimm waren. In den ersten Woche überwogen eigentlich eher negative Erlebnisse, auch weil man diese stärker wahrnimmt. Ich hatte allerdings das Glück, dass die Wochenenden bei der Gastfamilie immer toll waren. Ich hab viel mit meinen Gastbrüdern gemacht und konnte meinen Gasteltern und -brüdern immer von der Woche erzählen und hab viel Rat und Aufmunterung bekommen, der definitiv nötig war.
Für die kurze Zeit, die ich dort war, habe ich sehr viel vom wunderschönen Andalusien gesehen. Wir haben Tagesausflüge nach Granada, Córdoba und sogar Madrid gemacht und haben ein Wochenende in Almería am Meer verbracht. Es ist unglaublich, wie viel man in drei Monaten von einem Land, der Kultur und den Leuten erfahren kann. Es gibt außerdem keine bessere Möglichkeit eine Sprache auch wirklich sprechen zu lernen.
Nach meinem Auslandsaufenthalt und mit einigem Abstand erinnere ich mich mittlerweile überwiegend and die positiven Erlebnisse. Meine sozialen Kompetenzen im Umgang mit Leuten haben sich extrem verbessert in den drei Monaten. Ich war nie schüchtern oder unkommunikativ, im Gegenteil, aber ich habe gemerkt wie schnell man an seine Grenzen stoßen kann. Nichtsdestotrotz habe ich in drei Monaten eine sehr enge Beziehung zu meiner Gastfamilie aufgebaut und viele Freunde gefunden, mit denen ich immer noch regen Kontakt habe.
Ich war seit meinem Aufenthalt dort bereits fünf mal wieder bei meiner Gastfamilie (auch dank EasyJet), habe dadurch die unglaubliche "Semana Santa" (Ostern) in Andalusien erlebt, zwei heiße Sommer in einem andalusischen Landhaus erlebt und regelmäßig Freunde aus der Schule wiedergesehen. Mein Gastbruder hat mich zudem schon zweimal in Berlin besucht.
Also, ein Auslandsaufenthalt, auch wenn er "nur" drei Monate ist, muss sich nicht auf diese Zeit begrenzen.
Wichtig ist, negative Erfahrungen nicht zu schwer zu nehmen. Auch wenn das in der jeweiligen Situation schwer vorstellbar ist, man wird auch davon später profitieren.
Ich blicke jetzt auf diese drei Monate Erleben eines fremden Landes immer mit Freude zurück und weiß, dass das die aufregendsten und in fast allen Bereichen lernintensivsten drei Monate waren.
Ich hätte am Anfang meines Aufenthalts und besonders nach den ersten Wochen nicht gedacht, dass ich im Bus und im Flugzeug nach Hause feuchte Augen haben werde und bereits drei Monate später wieder für zwei Wochen zurück sein würde.
Ich frühstücke zu Hause fast jeden morgen "Tostada con tomate" - getoastetes Baguette mit Olivenöl und geriebenen Tomaten, und auf Wunsch mit spanischem Schinken, der definitiv der beste der
Welt ist! Mein Gastbruder brachte mir im Februar einen 5 Liter Kanister mit spanischem Olivenöl mit.
Es ist einfach toll noch nach zwei Jahren zu sehen, wie man nicht nur nahrungsmitteltechnisch unglaublich bereichert wurde. Ich würde die 100.000 Einwohner Stadt, in der man sich relativ schnell auskennt, sogar ein zweites Zuhause nennen.
Ich bin zu der Ansicht gelangt, dass man nichts Besseres machen kann, als sich, auf welche Art auch immer - halb unvorbereitet oder vorbereitet - für einige Zeit in ein fremdes Land zu stürzen, die Kultur und Menschen kennenzulernen um am Schluss zu merken, wie weit man jetzt über den Tellerrand schauen kann.
Die Erfahrungen mögen variieren, aber unter dem Strich wird sich der Horizont in fast allen Bereichen erweitern.
Offenheit und auch ein bisschen Mut gehören dazu. ;)
Viel Spaß und Erfolg!
Maximilian Drake (19)