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Die ganze Geschichte begann im Herbst 2004.

[ Jahres-Programm ab Sommer 2005 ]

In der Schule kennt man Leute, die ein Jahr im Ausland verbracht haben oder es gerade tun. Auch Freunde sind gerade weg und langsam stellt sich die Frage, ob man nicht auch selber weggehen soll. Auf diese erste Frage folgen viele weitere ganz automatisch: Welches Land? Wie lange? Welche Organisation? Und natürlich auch Fragen wie: Trau ich mir das wirklich zu? Will ich das wirklich? Kann ich das schaffen? Sind diese Fragen erst einmal geklärt - auch mit den Eltern - geht es los: Unterlagen, Vorstellungsgespräch, ein kurzes Vorbereitungstreffen, die Aufregung steigt und schon steht man am Flughafen. Ich flog nach Spanien, da ich in der Oberstufe an meiner Schule Spanisch als zweite Fremdsprache wählen wollte. Und eines kann ich sagen: Die Entfernung zum gewählten Land sagt nichts über die kulturellen Unterschiede aus, d.h. auch nahegelegene Länder können sehr verschieden und reizvoll sein.

In Spanien angekommen ging es für mich und zehn weitere Austauschschüler/-innen mit einem Sprachkurs los. Mit einer kleinen Starthilfe und einem starken Willen lernt man diese Sprache schneller als man glaubt. Sobald man dann aber in die Gastfamilie kommt, wird es deutlich schwieriger. Man muss sich an die neuen Gewohnheiten (Essenszeiten, Aufgabenverteilung) und auch an die verschiedenen Familienmitglieder gewöhnen. Das Wichtigste ist, bei Unklarheiten nachzufragen, ehrlich und offen mit der Familie zu reden und sich bloß nicht am Anfang zurückzuziehen. Ich empfehle, möglichst an allen Festivitäten, Traditionen und kulturellen Veranstaltungen teilzunehmen, um hineinzuwachsen, sich die kulturellen Unterschiede deutlich zu machen, den eventuell eintretenden Kulturschock zu verarbeiten und das Auslandsjahr letztendlich auch genießen zu können. Hilfreich kann dabei auch ein Tagebuch sein, wo alle Eindrücke, Erfahrungen und Aktivitäten festgehalten werden. Oft liest man es sich noch mal durch und vielleicht sieht man manche Dinge später viel klarer, entspannter oder einfach anders.

Während des Jahres durchlebt man verschiedene Phasen: Am Anfang ist es schwierig, weil man auch noch viele frische Gedanken und Ereignisse aus der Heimat mitgenommen hat, die einen beschäftigen. Aber das wird mit jedem Tag weniger und dann kommt der Zeitpunkt, wo man sich immer mehr einlebt und immer wohler fühlt. Von da an denkt man kaum noch an Deutschland. Gute Freundschaften halten das auch aus - kein Problem!

Schneller als man denkt, kamen die letzten Tage immer näher. Zum einen will man seine neu gewonnene Familie und die Freunde nur ungern zurücklassen, zum anderen freut man sich auf das altbekannte Leben in der Heimat. Wie wird das wohl, was hat sich verändert, habe ich mich verändert? Solche Fragen traten ganz automatisch auf und sind völlig normal. Alle Sorgen jedoch umsonst, wie sich später herausstellte.

Insgesamt war das Auslandsjahr ein voller Erfolg mit vielen lebhaften Eindrücken und Erfahrungen: Ich bin selbständiger, verantwortungsbewusster und erwachsener geworden und sehe meinen eigenen Weg nun viel klarer vor mir. Diese wertvollen Erfahrung helfen mir jetzt schon, aber sicherlich auch im späteren Berufsleben weiter. Durch so ein Jahr im Ausland öffnen sich viele neue Türen und - das ist aus meiner Sicht am wichtigsten - man hat eine zweite Familie und neue Freunde gefunden und viele davon für immer!

Johanna Woeste

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