Erfahrungsberichte Homestay Kanada

Mein Familienaufenthalt in Kanada
[ 4-wöchiger Homestay Aufenthalt in einer kanadischen Gastfamilie]

Im Herbst habe ich mich für einen vierwöchigen Familienaufenthalt in Ontario, Kanada beworben. Nach etlichen Formularen, die ich, meine Eltern und meine Lehrer ausfüllen mussten, wurde ich schließlich angenommen, und dann gab es kein Zurück mehr. Kanada, ich komme!

Meine Gastfamilie

Ungefähr einen Monat vor meinem Abflug war es dann soweit: der langersehnte Brief kam, ich hatte eine Gastfamilie! Sie besteht aus Reginald, Brenda, ihren 4 Kindern James (20), der allerdings nicht mehr im Haus wohnt, Patrick (17), Gina (15), Sara (13), dem Hund Saint, einem Fisch Elmo, der leider kurz danach gestorben ist (ich bin unschuldig!) und den beiden Hamstern Salt und Pepper. Das sollte also meine Familie für einen Monat sein und wie sich später herausstellte, hätte ich keine Bessere finden können, aber dazu später. Danach kam der entscheidende Moment. Anrufen oder nicht? Als erstes griff ich aufs Email schreiben zurück (Feigling!). Nachdem dann ein Tag (was für eine Ewigkeit!) ohne Antwort vergangen war, konnte ich es nicht mehr aushalten. Ich rief an. Ich war total aufgeregt (Was ist, wenn ich sie nicht verstehe, was ist, wenn sie mich nicht verstehen, was ist, wenn eine Pause entsteht....) Meine Gastmutter ging ran und siehe da es war ganz einfach! Sie redete eigentlich fast die ganze Zeit, ich musste also nur zuhören. Ich habe zwar nicht viel verstanden, denn meine Gastmama war wahrscheinlich genauso aufgeregt wie ich und hatte deshalb ein Rekordtempo beim Reden aufgelegt aber es war doch ein tolles Gefühl.

Nach einem nicht enden wollenden Monat indem wir noch des Öfteren einkaufen waren um alle möglichen Dinge zu besorgen, die ich später sowieso nicht brauchte, stieg ich dann am 30. Juni 02 mit ziemlich gemischten Gefühlen (Ich wünschte, ich wäre schon da! - Ach, ich will doch nicht!) ins Flugzeug ein. Ein anderes Mädchen, dass auch nach Kanada flog, saß neben mir und so war der achtstündige Flug wenigstens nicht langweilig. Am Flughafen in Toronto angekommen, erwarteten uns erstmal ca. 30 Menschen mit Plakaten in der Hand, die alle ganz offensichtlich auf ihre Austauschschüler warteten (allerdings aus Frankreich, wie sich später herausstellte). Zum Glück nahmen uns dann ein paar Mitarbeiter von Nacel zur Seite (wahrscheinlich, weil wir so hilflos auf die große Menge gestarrt hatten) und da kamen auch schon eine Frau und zwei Mädchen mit einem Schild mit meinem Namen drauf (allerdings falsch geschrieben, aber was soll´s, das bin ich gewöhnt) auf uns zu. Ausatmen, das hätten wir geschafft.

Im neuen Zuhause angekommen, wurde ich erst einmal jedem vorgestellt, es folgte ein Rundgang durchs Haus, ich wusste nun wo ich schlafen werde und dann wurden Photos gezeigt. Nun hatte ich einen ersten Eindruck von meiner Gastfamilie und der war von Anfang an positiv. Ich denke besser hätte es mir nicht gehen können, mit den Kindern verstand ich mich prima (jedenfalls, nachdem die ersten Sprachschwierigkeiten überwunden waren) und selbst meine Gasteltern waren ziemlich cool, besonders mein Gastdad hat mich überrascht, ich meine nicht jeder würde anfangen zu lachen, wenn dein Austauschschüler mit deinem Truck einen Unfall baut und dabei Auto und die Sporthalle beschädigt (vielleicht war es auch nur Verzweiflung?!) Aber die Sache hatte doch auch was Gutes, die kanadische Polizei weiß jetzt, wie man meinen Namen und meinen Ort ausspricht!

Canada, eh!

Das ist ein lustiges Thema. Bevor ich nach Kanada geflogen bin, habe ich versucht mich etwas schlau zu machen, um wenigstens ein bisschen von Kanada zu wissen, außer dass es ein großes Land ist, welches in Provinzen aufgeteilt ist (allein die Provinz Ontario ist dreimal so groß wie Deutschland!). Dabei habe ich herausgefunden, dass die Kanadier oft das Anhängsel "eh!" benutzen. Meine Gastschwester hat das aber lauthals abgestritten. Mittlerweile kann ich aus eigener Erfahrung behaupten, dass es kein Gerücht ist und meine Gastschwester diejenige war, die es am meisten gesagt hat! Sogar ich hatte schon angefangen dauernd dieses kleine umstrittene Wörtchen zu sagen! Pure Gehirnwäsche war das!

Ein wichtiges Thema - das Essen

Die Kanadier essen gerne und viel! Wobei sich das größtenteils wirklich (wer hätte das gedacht) auf Fast Food bezieht. Ich habe noch nie soviel Pizza gegessen! Aber auch Pommes, Hot Dogs und Hamburger standen des Öfteren auf dem Speiseplan. Selbst zum gebratenen Speck konnte ich mich hinreißen lassen, obwohl ich zu Hause Speck immer gehasst habe! Doch keine Panik, es gab auch Abwechslung, hin und wieder gab es auch mal etwas Gesundes wie z.B. Mais oder Salat. Insgesamt ist das Essen dort eine neuartige Erfahrung für mich gewesen, es war halt Gewöhnungssache.

Erfahrungen fürs Leben

Überhaupt denke ich, hat mir der kurze Aufenthalt sehr viel gebracht und ich bin um viele Erfahrungen reicher geworden. Meine Gastfamilie hat wirklich sehr viel dafür getan, dass es für mich ein unvergesslicher Monat war und wir haben viel unternommen z.B. waren sie mit mir Bowlen, Kanu fahren, bei einem Autorennen, in Kanada's Wonderland und im Marine Land, wo ich unter anderem einen Wal streicheln durfte. Ich habe den Canada Day (der Geburtstag Kanadas) am 1. Juli miterlebt, ja sogar den Independence Day am 4. Juli konnte ich mit ansehen, denn uns hat nur der Niagara River von Buffalo (USA) getrennt. Eines meiner schönsten Erlebnisse war das Wochenende bei den Niagara Fällen, welche wirklich ein wunderschönes und faszinierendes Naturschauspiel sind.

Ich habe in der Zeit sehr viel gelernt, sowohl über Kanada als auch über Deutschland. Zum Beispiel habe ich erkannt, dass die Deutschen viel sparsamer sind als die Kanadier (in jedem Raum brennt Licht und der Fernseher und Computer sind auch den ganzen Tag an!). Jeder, den du auf der Straße triffst, sagt "Hi" zu dir, auch wenn er dir total fremd ist, selbst Polizisten, was zum einem etwas seltsam aber auch ziemlich cool ist! Eine ganz wichtige Sache für die Kanadier im Gegensatz zu den Deutschen ist der Sport. Jeder treibt dort mindestens eine Sportart! Natürlich habe ich mich gleich den Kanadiern angepasst und hab mich zusammen mit meinen beiden Gastschwestern beim Schwimm Team angemeldet. Ich habe dort sogar einen Schwimmwettkampf mitgemacht und siehe da mit meiner miserablen Leistung ("Good swim!" - haha) schaffte ich es sofort in die Zeitung zu kommen! Dazu konnte man irgendeinen Artikel mit der Überschrift "Schwimm Team mit internationalen Flair" lesen. Ob die damit mich gemeint haben??? Darüber hinaus hat mir mein Gastbruder Basketball spielen beigebracht, wobei sich der Erfolg leider in Grenzen hielt.

Auch wenn ich die kanadische Schule nicht besucht habe, habe ich mitbekommen, dass ihr Fachwissen in Geographie größtenteils nur auf ihr Land beschränkt ist und obwohl sie vom Geschehen im Ausland so gut wie nichts wissen, haben sie zu meiner Freude viel Interesse an meinem Heimatland gezeigt. Es gab daher einige Fragen, die zum Teil lustig ("Gibt es in Deutschland eigentlich Kaugummi?" - "Nee, was'n das?") und teils schockierend ("War Hitler gut oder böse?" - "Pardon???")sind. Natürlich blieb auch die berühmte Frage, ob wir Lederhosen tragen, nicht aus!

Auch meine Englischkenntnisse haben sich in der eigentlich kurzen Zeit etwas verbessert, ich kann zwar nicht behaupten, dass ich fließend Englisch sprechen kann aber ich habe doch viele neue Wörter gelernt und konnte zum Schluss flüssige Sätze sagen ohne vorher zu überlegen, was ich sagen will. Ich hätte nie gedacht, dass Englisch lernen soviel Spaß machen kann.

Ich habe keinen einzigen Tag bereut, dass ich diese Reise gemacht habe und würde es jeder Zeit wieder tun. Ich kann es wirklich jedem, der vielleicht nur eine kurze Zeit im Ausland verbringen will, bestens empfehlen! Damit auch ein ganz großes Lob an meine Austauschorganisation KulturLife, die mich vorher wirklich gut informiert hat und sich sowohl davor als auch danach gut um mich gekümmert hat! Ohne sie hätte ich nie so einen unvergesslichen Monat erlebt!

Silvana

nach oben