Erfahrungsberichte Volunteer Philippinen

Meine täglich Arbeit als Volunteer!
[ 6 Monate "Breakfast with Street Children" in Manila ab September ]

Ich arbeite jetzt seit ungefähr 8 Wochen im Day Care Center, wo ich ein paar Mal die Woche „Sessions“ mit den Mädchen hab, die ich selbst vorbereite und durchführe – meistens machen wir was Künstlerisches und ab und zu sind wir auch mal sportlich.

Christina erkundet das öffentliche Nahverkehrssystem in ManilaDie „Sessions“, die ich mit den Mädchen mache, sind z. B Malen, Bilder ausmalen, Collagen anfertigen, Geburtstagskarten und Poster für das nächste Geburtstagskind machen, Bastelprojekte, bei denen wir einige der Einrichtungsgegenstände verschönern (z. B. die Kommode oder das leere Aquarium). Bodenturnen und Pyramiden bauen war mit den Mädchen besonders spannend – es ist unglaublich, wie gelenkig viele von ihnen sind! Da war ich sehr beeindruckt!

Letztens habe ich auch Bausets für den Eifelturm und einen chinesischen Drachen gekauft – ich muss mir schon viel einfallen lassen, um Abwechslung in den Alltag der Mädels zu bringen und ihnen immer wieder was Neues anzubieten!

Ich hab’s auch mal mit Deutschunterricht versucht, was allerdings nicht so gut geklappt hat, wie erhofft! Die Mädchen hatten furchtbare Schwierigkeiten mit der Aussprache und bis auf zwei hatten sie dann auch keine Lust mehr!

Was ich nächste Woche noch versuchen werde, sind Ballspiele, die ich mit allen Mädchen auf dem nahegelegenen Basketballplatz spielen möchte – klingt einfach, kann aber bei 20 Mädchen ziemlich chaotisch werden! 

Christina has breakfast at the house of her weekend hostAnsonsten spiele oder rede ich viel mit den Mädels, dadurch hat sich mein Englisch wirklich unheimlich verbessert!!

Die Anzahl meiner Sessions hängt davon ab, wieviele Lücken im Programm zu füllen sind. Wenn Programm wegen Feiertagen oder Mitarbeiterengpässen ausfällt, dann hab ich mehr und wenn viele Volunteers angekündigt sind, dann hab ich weniger zu tun. Aber mindestens einmal pro Woche bin ich fest eingeplant.

Die Verantwortung, auf die Mädchen aufzupassen, wurde mir schon nach einem Monat zugetraut. Das erste Mal eher aus der Not heraus, als Mitarbeiterinnen krank waren und vertreten werden mussten. Jetzt ist das schon öfter der Fall und mittlerweile wird mir auch schon mehr anvertraut!

Momentan sind es etwa 20 Mädchen, die täglich bei uns im Day Care Center sind, aber die Zahl ist nicht wirklich fest. Es kommen immer wieder Mädchen dazu und andere laufen weg... Seit ich hier bin, sind zwei Mädchen weggelaufen und ein neues ist dazugekommen. Das jüngste Mädchen hier ist 8 Jahre alt, das älteste 23, die meisten Mädchen hier sind jedoch zwischen 10 und 17 Jahre alt.

Auch wenn man es den meisten Mädchen nicht anmerkt, haben viele harte Schicksale hinter sich, wurden physisch und sexuell misshandelt, von Fremden oder sogar Verwandten vergewaltigt oder zur Prostitution gezwungen. Viele von ihnen bekommen nun Medikamente, oft sind das Antidepressiva.

Ab und zu begleite ich einige Sozialarbeiterinnen auch auf „Hausbesuche" (nicht viele der Mädchen haben ein Haus, und wenn es dann doch so ist, dann kann man dieses winzige Zimmer, in dem die teilweise zu dreizehnt leben müssen, kaum als Haus bezeichnen!!), so konnte ich schon einige Eindrücke von den Lebensumständen der Mädchen sammeln!

Christina in TahananBald werde ich endlich bei den Straßenlehrern in dem Lehrfahrzeug mitfahren dürfen, so dass ich auch in diesem Teil des Projekts Erfahrungen sammeln kann. Dies war von Anfang an mein Wunsch, und seit einigen Wochen hab ich meine Betreuerin immer wieder gebeten, mich bei den Straßenlehrern anzumelden, dass ich sie begleiten kann. Es dauerte recht lang, aber nun darf ich einen oder zwei "Schnuppertage“ mitmachen, worauf ich schon sehr gespannt bin.  

Von Anfang an wurden mir hier keine Strukturen vorgegeben, es anfangs ist nicht so einfach, damit umzugehen. Ich musste selbst darauf hinarbeiten, dass ich einen festen Platz im Wochenprogramm gekommen hab, fragte meine Betreuerin oft, ob ich dies oder das tun könnte. Ich habe auch keine festen Arbeitszeiten und teile mir meine Zeit weitgehend selbst ein. Man darf als Volunteer nicht erwarten, an die Hand genommen zu werden – ich muss selbst viel fragen und eigene Vorschläge machen.

In meiner freien Zeit habe ich auch schon ein bisschen von Manila erkundet – ganz viele Malls! Aber auch Manila Bay und Devesoria, das Armenviertel der Stadt. Ende Oktober werde ich eine der Betreuerinnen in ihre Heimatprovinz begleiten, wo ich mir dann auch den Mayon Vulcano anschauen kann!

Ein typischer Samstag

Samstag, 6. November

Mein Wecker klingelt um 6 Uhr. Wenn ich es dann geschafft hab, mich aus meinem Moskitonetz zu befreien und den kleinen Tisch zu erreichen, um meinen Wecker auszuschalten, fang ich meistens an mich fertig zu machen. Aber heute musste ich mich einfach nochmal umdrehen. Über die Feiertage bin ich mit einer der Betreuerinnen in ihre Provinz (Bicol) gefahren und war so fertig von der Busfahrt von Bicol nach Manila! – 12 Stunden!! Aber es hat sich gelohnt!

Christina in Tahanan BüroAls ich es dann doch geschafft hab aufzustehen, hab ich mich auf die hier übliche Art geduscht. Dazu benötigt man: ein großes Plastikfass in der Dusche, gefüllt mit Wasser und einen kleinen Plastiktopf mit dem man sich das Wasser aus dem Fass über den Körper schüttet. Das war für mich anfangs ganz schön gewöhnungsbedürftig, langsam fühlt es sich aber normal an. Wenn ich dann fertig bin (da ist es dann meistens 6.30 Uhr) gehe ich rüber ins Haupthaus und meistens sind die Mädchen dann auch schon wach geklingelt, sodass wir anfangen können zu beten.

Nach dem Morgengebet wird dann von der verantwortlichen Betreuerin der Tagesablauf genannt – was alles anliegt und ob auch andere Volunteers kommen. Das Gebet und die Ankündigungen für den Tag waren dann kurz vor 8 Uhr erledigt, und um 8 gibt’s Frühstück – Reis!

Während die Mädchen sich anschließend geduscht und dann ihre Aufgaben gemacht haben, habe ich in der Zeit meine Wäsche gewaschen, mit einer Waschmaschine, die in Deutschland wahrscheinlich zum letzten mal in den 60ern benutzt wurde! (Teilweise muss man deshalb seine Wäsche nämlich trotzdem noch mit der Hand waschen.)

Samstags dürfen die Mädchen ihre Freizeit genießen, weil am Wochenende ja keine Schule ist. Einige sehen dann gern fern, und andere haben mit mir Origami gemacht – hauptsächlich Schwäne. Noch bekomme ich es nicht selbst hin, aber ich habe ja noch vier Monate zum Üben! So haben wir uns dann bis zum Mittagessen (12 Uhr – Reis) die Zeit vertrieben.

Wir Mitarbeiter essen etwas später als die Kindern, denn während des Essens müssen die Mädchen die ganze Zeit beaufsichtigt werden, weil es vorkommt, dass einige von ihnen manchmal weglaufen wollen!!

Christina in Tahanan Büro mit Wochenendgastgeber ShilaSo lieb alle Mädchen sind, handeln sie doch oft ziemlich impulsiv und man kann das auch gar nicht einschätzen, ob da ein Mädchen gerade dran denkt oder nicht, weil die teilweise unter solchen Stimmungsschwankungen leiden!!

Von ca. 12:30 Uhr bis 15 Uhr ist dann Siesta. Dann schlafen die meisten Großen. Mit den paar Kleinen hab ich dann in den Malbüchern, die ich aus Deutschland mitgebracht hab, gemalt, bis die größeren Mädchen aufgestanden sind. Dann haben sie zusammen ein chinesisches Springseilspiel gespielt und die Großen, die darauf keine Lust hatten, haben sich mit Crosstitch beschäftigt.

Mittags bin ich meistens ziemlich geschafft – weil es da am heißesten ist! Und wenn die Mädchen (besonders die kleinen) dann von morgens an an mir hängen und mich ständig küssen und umarmen ist das manchmal richtig anstrengend  - aber natürlich auch total süß und nett und ich freu mich immer!

Um 15 Uhr gibt’s dann eigentlich immer den Snack, aber heute ist eine Gruppe Volunteers nach Tahanan gekommen und haben dann eine kleine Party veranstaltet, bestehend aus Fast Food, Spielen und gutem Zureden.

Christina und PhilipinosNachdem die anderen Volunteers dann weg waren, stand wieder Beten an. Ein ganzer Rosenkranz!! Und das machen wir jeden Abend, meistens um 16 Uhr. Nach dem Beten gab’s dann ein bisschen Stress...

Eins der Mädchen hat unerlaubterweise spezielles Origamipapier aus dem Büro entwendet... (passiert halt manchmal) – das gab dann eine gewaltige Standpauke von Nellen, einer der Betreuerinnen.

Als sich der Sturm dann wieder gelegt hat, bin ich an den Computer im Büro, den ich benutzen darf und hab die Nachrichten von meinen Freunden und Familie beantwortet. Die Mädchen schauen gerade fern. Es ist jetzt genau 20:02 Uhr und ich werd wohl noch bis 21 Uhr hier im Haupthaus Zeit mit den Mädchen verbringen und mich dann wohl gegen 22 Uhr schlafen legen, denn um 6 Uhr morgen früh klingelt schon wieder mein Wecker...

Christina

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