Vietnam Panorama
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Erfahrungsberichte Volunteer Vietnam

Hanoi ist eine Stadt, die niemals ruhig ist
[ 3 Monate "Kids’ Hospital" in Vietnam ab April 2011 ]

1. Bericht

Erfahrungsbericht Vietnam Kid's Hospital von MagdalenaIch fang mal ganz von vorne an:

Der Flug nach Hanoi verlief problemlos. Unsere geplante Flugroute sollte uns eigentlich über China nach Hanoi führen, jedoch mussten wir aufgrund der Wetterprognosen eine südlichere Route nehmen, welche uns über Afghanistan, Pakistan und Nepal brachte, sprich die Himalaja Region. Da wir Vollmond hatten, war dies ein wirklich spektakulärer Anblick und wir „klebten“ alle an unseren Fenstern, um die schneebedeckten Gipfel der Gebirgskette zu bestaunen.

Der erste Eindruck von Hanoi hätte dann auch nicht besser sein können. Mit der Annahme, dass man die traditionellen spitzen Strohhüte nur in ländlichen Regionen trägt, lag ich falsch. Auf dem Weg vom Flughafen in die Innenstadt bemerkte ich schnell, dass dies die typische Kopfbedeckung der Vietnamesen ist und somit immer und überall getragen wird.

In Hanoi angekommen wurde ich zuerst zu der Partnerorganisation gebracht und anschließend zu meiner Gastfamilie, welche wirklich extrem nett und freundlich ist.
Meine Gastschwester, die genauso alt ist wie ich, und meine Gasteltern wohnen in einem typischen sehr schmalen, sehr hohen Haus etwas außerhalb des Stadtzentrums in einer vergleichsweise ruhigen Gegend.

Allgemein kann ich sagen, dass die Vietnamesen ein sehr freundliches und extrem hilfsbereites Volk sind. Steige ich in einem Bus ein, stehen sofort einige Leute auf, um mir ihren Platz anzubieten, was mir teilweise etwas peinlich ist und ich oftmals dankend ablehne.  Regnet es und ich habe keine Regenschirm, kommen sofort einige mit Regenschirmen auf mich zu und begleiten mich. Ich könnte diese Liste noch eine ganze Weile fortsetzen.

Das „Kids' Hospital“ in Hanoi ist das nationale Kinderkrankenhaus, in dem ich arbeite. Am ersten Tag war es schon etwas befremdlich zu sehen, in welchem Zustand sich das Krankenhaus befindet, sind wir als „Westler“ doch einfach einen anderen Standard gewöhnt. Die Arbeit mit den Kindern, die meistens in der  Nephrologie-Station, gelegentlich auch auf der  „Leukämie -Station“ liegen,  ist dafür umso schöner. Da die Kinder keine Unterhaltung und Abwechslung haben, werden wir schon immer sehnsüchtig erwartet! Meistens basteln oder malen wir. Dies ist für die kranken Kinder nicht zu anstrengend und für alle Altersstufen anregend. Wir versuchen jeden Tag etwas anderes zu machen und sind ständig auf der Suche nach neuen „Bastelanregungen“.

Es ist schön, ein Lächeln auf dem Gesicht eines Kindes zu sehen und wir könne ihre Dankbarkeit richtig spüren.

An meinem Geburtstag habe ich mir zusammen mit Rose, einer Freiwilligen aus England, etwas Besonderes ausgedacht: Masken zu basteln. Gesagt, getan. Nachdem ich vormittags mit ein paar Leuten beim Kaffee trinken und Kuchen essen war, haben wir alle nötigen Materialien besorgt. Der folgende Nachmittag sollte  einer meiner bisher schönsten werden. Mit großem Eifer versuchte jeder, die interessanteste und die schönste Maske zu gestalten und für diejenigen, die noch zu klein waren, fertigten wir kurzerhand eine an und sie durften sie bemalen.

Abends überraschte mich meine Gastfamilie noch mit einer echten Geburtstagstorte und einem Festmahl aus selbst gemachten Frühlingsrollen. Ein sehr gelungener Tag!

Bereits am nächsten Tag, den 30. April ging es um sechs Uhr morgens los Richtung Ba Be Nationalpark, welcher sich 240 km nördlich von Hanoi befindet.
Da dieser Tag ein nationaler Feiertag ist und der darauf folgende Montag auch frei war, machte ich mich also mit meinen beiden Gastschwestern und einer Freundin frühmorgens auf den Weg. Unser Ziel erreichten wir erst am späten Nachmittag, jedoch entschädigte der Ausblick und der Anblick abgelegener Bergdörfer die lange und nicht allzu bequeme Reise in einem sowohl mit Menschen als auch mit Gepäck voll gestopften Bus.

Der im Nationalpark gelegene größte Frischwassersee des Landes, welcher von Bergen umringt ist, beeindruckte uns mit seinem kristallklaren Wasser. Geschlafen wurde in einem Stelzenhaus am See und da ich die einzige „Nicht-Asiatin“ in dem Dorf war, sind mir die Kinder immer hinterhergelaufen und haben mir freudig zugerufen. Am Sonntag haben wir dann eine Bootstour gemacht, welche uns sowohl zu einer Steinhöhle führte, als auch zu einer Pagode auf einer kleinen Insel im See und nicht zuletzt zu einem typischen Dorf, in dem eine der vielen, im Norden Vietnams lebenden ethnischen Minderheiten, die Thai, wohnen.

Leider ging es am nächsten Morgen schon wieder zurück nach Hanoi. Wir wären alle gerne noch etwas länger geblieben...

Die wunderschöne Natur und die ruhige Atmosphäre war ein kompletter Gegensatz zur hektischen Großstadt und ich bin froh, dass ich auch diese Seite Vietnams kennen lernen und genießen durfte. 

Es sind also nun ziemlich genau zwei Wochen vergangen, seitdem ich hier angekommen bin und ich genieße wirklich jeden Tag. Mal schauen, was noch alles folgt... 

2. Bericht

Inzwischen ist schon über die Hälfte meiner Zeit, welche wie im Flug vergeht, vorbei und viel hat sich seitdem getan.

Die Arbeit im Krankenhaus ist jeden Tag aufs Neue interessant. Zwischendurch hatten wir die kahle Krankenhauswand mit einer gebastelten Unterwasserwelt gestaltet. Für einige Tage konnten wir uns auch an dem Anblick erfreuen. Zu unser aller Leidwesen war die Freude aber nicht von allzu langer Dauer, da wir die gebastelten Fische und Meerestiere auf Augenhöhe der Kinder anbringen mussten, waren die meisten bereits nach einigen Tagen verschwunden. Die Kinder nahmen sie einfach als Souvenir mit nach Hause.

Hanoi ist eine Stadt, die niemals ruhig ist und in der es einem nicht langweilig werden kann.

Ein Kapitel für sich ist auf jeden Fall der Verkehr. Zu Stoßzeiten ist ein Weiterkommen teilweise nur noch im Schritttempo möglich und die Luft ist dann so extrem verschmutzt, dass die meisten Vietnamesen vorsorglich eine Gesichtsmaske tragen.
Die Nummer Eins der Fortbewegungsmittel stellen kleine Motorräder und Roller dar, auf denen von einer 5-köpfigen Familie, über ein Sofa und 2 Kommoden bis hin zu Goldfischen in Plastiktüten alles nur Erdenkliche transportiert wird. Was man auf so einem kleinen Gefährt mengen- und größenmäßig unterbringen kann, ist jedes Mal aufs Neue erstaunlich.

An zwei Wochenenden machte ich mit Peggy, einer englischen Volunteer, die mit mir im Krankenhaus arbeitet, Ausflüge in die Umgebung Hanois.
Auf einer Bootstour durch die Halong Bucht, welche von der UNESCO zum Weltnaturerbe ernannt wurde, bestaunten wir die wunderschöne Natur. Unzählige Felsinseln von verschiedenster Höhe und Größe ragen dort aus dem Meer.
Das Leben hier spielt sich komplett auf dem Wasser ab. Im Rahmen eines Kanuausflugs konnten wir einige Fischerdörfer erkunden, welche mitten auf dem Meer liegen. Tagsüber fahren die Fischer mit ihren Booten aufs Meer und abends werden die Boote um einen Anlegeplatz angeleint: Ein schwimmendes Dorf.
Das Boot wird nur in den aller seltensten Fällen verlassen. Wenn die Bewohner an Land gehen müssen, um Frischwasser zu kaufen oder wenn sie anderweitige Besorgungen erledigen müssen. Aber sogar dafür gibt es eine Lösung. Umherziehende kleine „Supermarktboote“ versorgen mit den Dingen des alltäglichen Lebens.
Der zweite Ausflug führte uns in den bergigen Norden Vietnams, wo viele verschiedene ethnische Minderheiten leben. Sa Pa, ein Bergdorf war unser Ausgangspunkt. Von dort brachen wir zusammen mit einer lokalen Führerin zu einem Treck in abgelegene Dörfer auf. Die Leute dort leben wirklich in einfachsten Verhältnissen. Die Männer verrichten tagsüber die anstrengende Arbeit auf den Reisfeldern, während die Frauen zu Hause den Haushalt erledigen, sich um die Kinder kümmern und Kleidung nähen. Besonders beeindruckend und extrem farbenfroh sind die Kleider der „Flower H'mong“, welche in mühevoller Handarbeit hergestellt werden und immer noch mit Pflanzenfarben gefärbt werden.

Der Treck durch diese abgelegene Region Vietnams bot uns abermals ein neues, anderes Bild dieses vielfältigen Landes. Man fühlte sich zeitlich um Jahrzehnte zurückversetzt, wobei natürlich auch hier der westliche Einfluss nicht Halt macht. So wird das Feld zwar immer noch von Ochsen gepflügt, aber immer mehr Familien verfügen bereits über einen Fernseher.

In den letzten Wochen meines Aufenthalts werde ich weiterhin versuchen, noch so viele Eindrücke und Erfahrungen wie möglich zu sammeln.

Liebe Grüße aus dem heißen und verregneten Hanoi
Magdalena


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